NiederlandeVon Zeeland zur Waddenzee – Vlieland, Terschelling und Harlingen

Jörg Müller-Dünow

 · 20.05.2026

Niederlande: Von Zeeland zur Waddenzee – Vlieland, Terschelling und HarlingenFoto: Jörg Müller-Dünow
Endlose Strände bilden die Nordküsten der Waddeneilande Vlieland und Terschelling.
Auf einem Törn vom Süden in den Norden der Niederlande bekommen man viel Abwechslung geboten. Teil 3/5: Vlieland, Terschelling und Harlingen.

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​Der Hafen von Vlieland ist klein und wird nicht selten tageweise geschlossen: Voll ist voll. Wer zu spät kommt, ankert vor der Insel im Watt. Aber die Hafenmeister geben sich größte Mühe, für jede einlaufende Yacht eine Box, mindestens aber einen Platz zu finden. Wir haben Glück, und noch bevor der Landstrom fließt, klappt die Badeplattform hinab und die SUP-Pumpe quietscht. Endlich Urlaub!

Ganz entspannt auf Vlieland

„Vlieland ist so schön wie Spiekeroog, aber nicht so spießig“, bringt es ein deutscher Stegnachbar auf den Punkt. Ruhig, entschleunigt, frei. Der Ort auf der Wattseite schmiegt sich um eine Fußgängerstraße mit abwechslungsreichen Shops und Boutiquen, Restaurants und Pannekoekenhuis. Die Hafenlieger haben ihren „Privatstrand“ gleich östlich der Hafeneinfahrt. Weitläufiger wird es am Oost, einer Strandbar einen Dünenkilometer nordöstlich der Marina.

Vom Steg aus sind es 50 Meter über den Deich zum Fahrradverleih. Der Drahtesel ist das Hauptverkehrsmittel etwa für Fahrten durchs Dünendorf zum Strand vor dem Hotel Badhuis. Neun Kilometer nach Westen ist das Posthuis ein beliebtes Ausflugsziel. Auf dem Weg dahin ankern im Watt Plattbodenschiffe und Katamarane, die die Einsamkeit suchen.

Die größte Sandfläche Europas

Viel weiter nach Westen geht es nicht. Hinter dem Posthuis beginnt bald die Vliehors. Die größte Sandfläche Europas ist militärisches Sperrgebiet. Touristen können die „Sahara des Nordens“ aber mit dem Vliehors Express erkunden, einem Allradbus, der Gäste zu einem unvergesslichen Abend am Lagerfeuer bringt.

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Durchs Watt nach Terschelling

Nach knapp zwei Wochen Tiefenentspannung zieht es uns weiter. Mit fünf Booten folgen wir den Wattfahrwassern nach Terschelling. Nur sieben Meilen entfernt, ist hier doch alles anders: mehr Autos, mehr Menschen und Päckchen statt Boxen. Aber auch weite Strände und von allem mehr Auswahl – selbst bei Regen.

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Das spannende Bunkermuseum – einst Teil des Atlantikwalls – liegt fußläufig vom Hafen, doch auch auf dieser Insel ist der Weg zum Radverleih obligatorisch. Abends wird am Yachthafen der Grill angeheizt und bei Drinks und Lounge-Musik auf den Sonnenuntergang gewartet. Auch hier dürfte die Zeit gern stehen bleiben.

Noch bleiben oder nach Texel?

„Noch bleiben oder nach Texel?“ Wir entscheiden uns für Insel Nummer drei und lassen Terschelling achteraus. Mittlerweile hat sich der Nordwest festgesetzt, der die Seegatten aufwühlt. Außenrum würde bedeuten, nördlich von Vlieland auf die Nordsee zu kreuzen. Danach müssten wir rund um Niedrigwasser im Süden Texels durchs Molengat wieder

ins Watt. Hier steht bei fünf Beaufort aus Nordwest gerade bei wenig Wasser eine steile, brechende Welle. Ein guter Grund also, den weiteren Weg durchs Watt zu wählen. Mit unseren mehr als zwei Metern nehmen wir wieder den Blauwe Slenk zurück nach Harlingen.

Zwischenstopp in Harlingen

Die „einzige Hafenstadt Frieslands“ vereint quirligen Trubel rund ums Fährterminal mit gemütlichem Bummel in der historischen Altstadt. Im Noorderhaven liegen Passanten unterhalb prächtiger Lagerhäuser in der Saison eng gepackt, doch die Atmosphäre entschädigt für den Blutdruck beim Manövrieren. Insider machen sich mit dem Dingi abends auf in die Grachten der Stadt, die landseitig an die Staande Mastroute durch Friesland angebunden ist. Neben dem Fährverkehr sorgen unzählige Plattbodenschiffe für Trubel, die gern zum Bettenwechsel kommen.

Das Urlaubsende naht, und Texel soll unser Absprung nach Süden sein. Also steuern wir den Abschlussdeich an, um dann mit der Ebbe in den Texelstrom zu biegen. Bei gutem Timing liegen die knapp 25 Seemeilen aber rasch hinter uns, denn ab circa der Hälfte zieht die Tide uns in dem breiten Wattenstrom nach Westen, Richtung Texel.


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Jörg Müller-Dünow fand mit 13 auf Spiekeroog durch Zufall zum Segelsport und lernte das Wattensegeln von der Pike auf. Der Düsseldorfer hat ein RIB auf dem Rhein verchartert, mit Yachten zwischen 6 und 22 Metern an den Regatta-Klassikern in den Niederlanden und im westlichen Mittelmeer teilgenommen und ist heute mit eigenem Boot und der Familie in Zeeland unterwegs. Neben beruflichen Stationen in Agenturen und Unternehmen als PR-Berater und Pressesprecher war er praktisch immer auch als freier Journalist tätig. Seit 2025 berichtet er aus den Niederlanden für BOOTE und YACHT, testet Boote, teilt Reiseerlebnisse und Reviertipps und portraitiert spannende Werften oder Wassersportler.

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