Wenn es draußen auf der Nordsee kachelt, ist die Staande-Mast-Route eine beliebte Alternative für Segler. Aber wer 2026 mit stehendem Mast von Vlissingen nach Delfzijl – oder in umgekehrter Richtung - fahren will, hat ein Problem: Weder die Ost- noch die Westroute ist durchgängig befahrbar. Wer nicht unversehens in einer Sackgasse landen möchte, muss seine Route sorgfältig planen. Eine vollständige Binnenpassage ist derzeit nicht möglich.
Die Staande Mast -Route ist eine durchgängige Binnenroute für Segel- und Motorboote mit Masthöhen über sechs Metern. Sie führt von den Deltagewässern in Südholland über das IJsselmeer bis nach Friesland und Groningen – komplett über Binnengewässer. Statt gute 200 Meilen auf der offenen Nordsee zu fahren, können Wassersportler hier jede Menge betuliche Orte, lebhafte Städte und gemütlich Binnenfahrt durch sattgrüne Wiesen erleben.
Die Route führt von Breskens/Vlissingen bis Delfzijl und umfasst rund 458 Kilometer Wasserstraße. Normalerweise können Boote mit Masthöhen bis 30 Meter diese Strecke zurücklegen, ohne den Mast legen zu müssen. Alle Brücken und Schleusen sind darauf ausgelegt – zumindest in der Theorie.
In der Praxis wird die Route in drei Hauptabschnitte unterteilt: Von den Deltagewässern in Südholland (Vlissingen – Willemstad) über die West-Niederlande (Willemstad – Amsterdam zu den Nord-Niederlanden (Amsterdam – Delfzijl via IJsselmeer und Friesland). Der mittlere Streckenabschnitt unterteilt sich in zwei Varianten: Die Westroute via Haarlem oder die Ostroute via Schiphol.
Besonders hart trifft es die Ostroute südlich von Amsterdam: Die Schipholbrug bis mindestens Ende 2026 für Schiffe über 6,25 Meter gesperrt. Auch die Schinkelbrug und die Overtoomsesluis in Amsterdam sind außer Betrieb – die Schinkelbrug wird nach jetzigem Stand erst 2030 wieder bedient.
Weiter südlich wird die Alblasserdamsebrug bis Ende Mai nur eingeschränkt bedient. Die Ostroute ist damit komplett dicht; wie lange der Zustand anhält, ist derzeit noch nicht bekannt. Wer an einer der spektakulären nächtlichen Konvoifahrten durch Amsterdam teilnehmen möchte, muss die Metropole über den Noordzeekanaal ansteuern und kann von dort aus weiter in das Ijsselmeer. Aber nur am Tage – die Oranjesluizen ist von 22 Uhr bis 6 Uhr für Sportboote gesperrt.
Zu einer Falle kann eine weitere Sperrung werden: Die Algerabrug bei Krimpen aan den IJssel östlich von Rotterdam wird ausgerechnet in der Hochsaison wegen einer Großwartung vom 13. Juli bis 28. September für hohe Schiffe gesperrt.
Auch die Westroute über Haarlem leidet: Im Februar ging die Buitenhuizerbrug erneut kaputt. Damit stockt die Fahrt von Süden kommend direkt vor dem Noordzeekanaal. Schiffe mit mehr als 6,82 Metern Höhe kommen nicht durch. Wann die Reparatur abgeschlossen sein wird, steht noch nicht fest. Auch diese Route ist damit blockiert.
Trotz der Sperrungen bleiben Teilstrecken nutzbar:
Der südlichste Teil von Vlissingen bis zu den Volkeraksluizen bei Willemstad ist grundsätzlich befahrbar. Allerdings wird die Sportbootschleuse der Volkeraksluizen wegen Schäden nur eingeschränkt bedient. Freizeitboote werden in Gruppen geschleust. Zwischen 22 und 6 Uhr ist die Schleuse geschlossen, die Wartezeiten können bis zu zwei Stunden betragen.
In den Nord-Niederlanden können Segler über Kornwerderzand nach Harlingen fahren. Von Amsterdam über das IJsselmeer nach Friesland und Groningen ist die Route grundsätzlich nutzbar. Dafür hat sich die niederländische Wasserbauverwaltung Rijkswaterstaat eine kreative Lösung einfallen lassen: Die Brug Uitwellingerga über den Prinses Margrietkanaal wird während der gesamten Segelsaison (April bis September) herausgehoben. Sportboote können dann ungehindert passieren.
Die alte Brücke konnte nicht mehr repariert werden und wurde im Frühjahr 2025 abgebaut. Rijkswaterstaat hat sie demontiert und abtransportiert. Als Ersatz wurde eine temporäre feste Brücke eingesetzt – und die wird jedes Jahr komplett herausgehoben, sobald die Segelsaison beginnt. Für Anwohner und Radfahrer sorgt Rijkswaterstaat während der brückenlosen Monate mit einer Fähre für die Überquerung. Die neue Brücke soll 2029 fertiggestellt sein.
Außerhalb der Saison, zwischen Oktober und März, bleibt die feste Brücke mit 7,10 Meter Durchfahrtshöhe stehen. Dann müssen höhere Schiffe ausweichen: Freizeitboote und Berufsschiffe zwischen 7,10 und 11,50 Meter Höhe können über die Langweerder Wielen und den Noarder Alde Wei umfahren. Höhere Schiffe bis maximal 40 x 6 x 1,9 Meter (Länge x Breite x Tiefgang) nehmen die Route über Sneek. Noch größeren Schiffen empfiehlt Rijkswaterstaat die Umfahrung über das Van Harinxmakanaal und Kornwerderzand.
Die Dorkwerdersluis nördlich von Groningen wird voraussichtlich bis Ende Mai nur eingeschränkt bedient, jeden Werktag zwischen 17:30 und 19:00 Uhr, am Wochenende zu den normalen Zeiten. Während der Arbeitszeiten ist die Schleuse komplett gesperrt. Für wartende Boote gibt es zusätzliche Liegeplätze. Schiffe bis 6,8 Meter Höhe können über das Van Starkenborghkanaal durch die Oostersluis zum Reitdiephaven ausweichen.
Viele Brücken, Schleusen und Viadukte stammen aus den 1950er und 1960er Jahren und sind inzwischen am Ende ihrer Lebensdauer. Gleichzeitig werden sie immer stärker belastet mit mehr Verkehr und schwereren Fahrzeuge.
Die niederländischen Wasserbehörden haben 2020 ein Abkommen unterzeichnet, in dem sie sich verpflichten, die Stehende-Mast-Route zu erhalten. Die Beteiligten haben zugesagt, diese Route mit unbegrenzter Durchfahrtshöhe verfügbar zu halten. Aber die Wartungsarbeiten sind so umfangreich, dass eine garantierte Verfügbarkeit immer schwieriger wird.

Redakteurin Panorama und Reise