Jörg Müller-Dünow
· 16.05.2026
Man könnte länger in Amsterdam bleiben, aber wir wollen weiter ins Markermeer! Also verlassen wir „het Afgesloten IJ“ durch die Oranjesluizen ostwärts gen Marken und Lelystad. Die Schleuse arbeitet in enger Taktung mit der benachbarten Brücke, die alle 20 Minuten öffnet. Bis Muiderzand sind es abermals zwölf Meilen, auf denen wir uns strikt an die Tonnen halten.
Seit Jahren wuchert im Markermeer Seegras, das sich hartnäckig an Kielen, Ruderblättern und vor allem in Propellern festsetzt. Trotz einer eigenen Waterplanten-App und regelmäßigem Einsatz von Mäh-Schiffen fahren die Hilfsdienste Jahr für Jahr unzählige Einsätze für Yachten mit Schlingpflanzen im Antrieb. Vor allem im Westteil sind nur die ausgewiesenen Fahrwasser richtig sicher, und die nutzen wir für den Weg nach Norden.
Den berühmten Leuchtturm von Marken passieren wir mit Sicherheitsabstand und stehen nach 25 Meilen in der Schleuse Enkhuizen. Hinter dem Tor warten das IJsselmeer und einer der schönsten Orte der ehemaligen Zuiderzee mit mehreren Häfen.
Der Compagnieshaven, eine große Marina mit modernen Duschräumen, Werftbetrieb oder einem gut sortierten Bootsausrüster, liegt gegenüber dem sehr sehenswerten Zuiderzee-Museum, das für Groß und Klein das Leben während der letzten zwei Jahrhunderte nachbildet.
Auf unserem nächsten Schlag zeigt sich das IJsselmeer von seiner ruppigen Seite: Wir kreuzen gegen bis zu 20 Knoten Wind aus Nord-Nordwest bis Makkum am anderen Ende des Teichs. Den ersten Haken schlagen wir südlich von Stavoren vor dem berüchtigten Vrouwenzand.
Der Wind erspart uns zwar die Fliegen und Mücken, die vor allem bei Flaute über dem Revier schweben, dafür verpasst uns die steile IJsselmeer-Welle insbesondere auf der ersten Hälfte diverse Tiefschläge. Makkum erreichen wir am späten Nachmittag. Besser: Wir ziehen die Marina mit Swimmingpool, benachbartem Campingplatz und vielen Attraktionen für Kinder dem Stadthafen vor.
Ein weiterer Vorteil ist der kurze Weg zur Schleuse Kornwerderzand. Da in NRW und den großen Provinzen der Niederlande gerade die Ferien begonnen haben, starten wir etwas früher als die Tide eigentlich erfordern würde, und kommen ohne Wartezeit ins Wattenmeer. Das nächste Ziel lautet nun Vlieland, die ruhige, praktisch autofreie Schwester Texels.
Mit der Flut ist das Fahrwasser zu den Inseln vor Harlingen eine Stunde später erreicht. Im Blauwe Slenk nehmen wir noch eine Stunde Gegenstrom in Kauf, um vor der großen Urlaubswelle nach Nordwesten zu segeln.
Hier ist die Hölle los: Fähren zu zwei Inseln, Versorgungsschiffe, Fischer, Behördenfahrzeuge, Frachter und die braune Flotte teilen sich das zum Teil enge Fahrwasser mit Yachten. Wir verlassen wo immer möglich den Tonnenstrich und runden etwa zwei Stunden nach Harlingen die unbewohnte Insel Richel im Osten von Vlieland. Der Strom rund um die Ost-Huk macht die Ankunft spannend – ebenso wie die enge Hafeneinfahrt, die rechtwinklig zur quer laufenden Tide Aufmerksamkeit fordert. Doch dann haben wir Vlieland erreicht.

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