RevierLuganersee - hinter jeder Biegung eine neue Perspektive

Antonia von Lamezan

 · 15.10.2026

Abendstimmung auf dem Wasser: Sportliches Segeln auf dem Luganersee  
im goldenen Licht der untergehenden Sonne.
Foto: PxHere
Stark verzweigt und von steilen Bergen umgeben: Der Luganersee erstreckt sich über rund 49 Quadratkilometer zwischen dem Tessin und der Lombardei. Rund 63 Prozent seiner Fläche liegen in der Schweiz, der übrige Teil in Italien. Für Skipper bietet das Revier viel Abwechslung, bringt aber auch einige Regelungen und Windbedingungen mit sich, die es zu kennen lohnt.

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Wer in Lugano ablegt, hat viele Optionen. Nach Nordosten geht es Richtung Porlezza und in den italienischen Seearm, nach Süden durch das Becken von Melide weiter Richtung Riva San Vitale, Porto Ceresio oder weiter westlich nach Ponte Tresa. An der Engstelle von Lavena gilt eine besondere Vorfahrtsregel: Wasserfahrzeuge mit Kurs nach Ponte Tresa müssen entgegenkommenden Booten Vorrang gewähren.

Die vielen Verzweigungen machen den Reiz des Sees aus. Mal prägen steile Felsflanken das Bild, dann mediterrane Gärten und Villen. Hinter jeder Kurve verändert sich die Perspektive.


​Tipps für alpine Segler


Gandria und Morcote: Zwei Ziele, die sich lohnen

Gandria ist eines der schönsten Landgangsziele am Wasser. Das ehemalige Fischerdorf schmiegt sich mit engen Gassen und bunten Häusern an den Hang des Monte Brè. Morcote lohnt ebenfalls den Stopp: Patrizierhäuser, die Kirche Santa Maria del Sasso und der exotische Parco Scherrer liegen dicht über dem Wasser. In Oria ist die Villa Fogazzaro Roi sehenswert, einst Rückzugsort und Schreibstube des gleichnamigen Schriftstellers, heute ein Museum. Der Luganersee bietet auf kurzen Distanzen viele interessante Zwischenstopps.

Segler finden spannende Bedingungen, sollten sich aber mit den lokalen Windsystemen vertraut machen. In der Bucht von Lugano ermöglichen gleichmäßige Winde schönes Segeln, gelegentlich sogar Regatten. Im südlichen Seeteil ist es wechselhafter: An den engen Berghängen können kräftige Fallböen auftreten. Thermische Winde und Sommergewitter sorgen für sich wandelnde Bedingungen im Tagesverlauf.

Vorschriften: 300-Meter-Zone ohne Ausnahme

Wie auf dem Lago Maggiore gilt auch auf dem Luganersee eine gemeinsame Schifffahrtsregelung von Schweiz und Italien, die ein lokales Zusatzkennzeichen (Contrassegno) erfordert. Für Motorschiffe besteht eine strikte Uferschutzzone von 300 Metern. Anders als am Lago Maggiore gibt es hier innerhalb dieses Gürtels keine erleichterte 150-Meter-Regelung. Innerhalb der Uferschutzzone darf nur zum An- und Ablegen, zum Stillliegen oder zum Passieren einer Engstelle und nur auf kürzestem Weg gefahren werden.

Wer bereits ein lokales Kennzeichen für den Lago Maggiore besitzt, benötigt für den Luganersee kein weiteres. Die Kennzeichen werden gegenseitig anerkannt. Um im Schweizer Teil des Sees anzulegen, wird auch hier zusätzlich eine befristete Bewilligung benötigt. Auch Fahrerlaubnis, Dokumente und Haftpflichtversicherung werden geprüft. Wer in der Schweiz einfährt, sollte die zollrechtlichen Vorgaben klären.

Quagga-Muschel: Auf Schweizer Seite ist ein Nachweis Pflicht

Wechselt man sein Boot per Trailer zwischen den Seen, muss auf Sauberkeit geachtet werden. Um die Ausbreitung invasiver Arten wie der Quagga-Muschel zu verhindern, müssen Rumpf, Bilge und Kühlwasserkreislauf vor dem erneuten Einwassern gründlich gereinigt werden. Auf italienischer Seite liegt das weitgehend in der Eigenverantwortung des Skippers. Wer sein Boot im Schweizer Teil des Luganersees oder des Lago Maggiore einwassert, muss einen Nachweis über fachgerechte Heißwasserreinigung vorlegen. Autorisierte Werften an beiden Seen übernehmen die Reinigung und stellen das erforderliche Zertifikat aus.


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​Habt ihr den Luganersee schon befahren? Welche Erfahrungen habt ihr mit den Schweizer Einwasserungsregeln gemacht?

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Antonia von Lamezan ist gebürtige Hamburgerin und studierte Kultur- sowie Sozialwissenschaftlerin (Lüneburg/Kopenhagen). Obwohl die Seefahrt zur Familiengeschichte gehört, fand sie den eigenen Weg aufs Wasser erst als Erwachsene – dann jedoch mit voller Begeisterung und Konsequenz: Innerhalb eines Jahres absolvierte sie alle für die Langfahrt erforderlichen Scheine, tauschte das geregelte Stadtleben gegen das eigene Boot und segelte zwei Jahre lang auf eigenem Kiel durch Europa. Als Volontärin in der Redaktion verbindet sie nun fachlichen Hintergrund mit ihrer Leidenschaft für das Meer, Boote und das Schreiben.

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