Seine markante Y-Form macht den Lago di Como unverwechselbar. Tief schneidet er in die Landschaft der Lombardei ein. Mit rund 146 Quadratkilometern Wasserfläche und Tiefen von mehr als 400 Metern folgt er in der Größenordnung direkt auf den Gardasee und den Lago Maggiore. Anders als der Lago Maggiore liegt er vollständig auf italienischem Staatsgebiet. Grenzformalitäten, Schweizer Bewilligungen oder Zollfragen spielen hier also keine Rolle.
Landschaftlich ist das Revier beeindruckend: Im Norden ragen die Alpengipfel steil empor, während das Südufer sanfter abfällt. Ein besonderer Anziehungspunkt ist das Zentrum des Sees. Hier treffen seine drei Arme bei Bellagio, Menaggio und Varenna aufeinander.
Bellagio, der mondäne Klassiker am See, thront auf einer Landzunge. Auf der Ostseite lockt Varenna mit bunten Häuserzeilen, die noch an den früheren Fischerort erinnern, und mit historischen Gärten. Menaggio am Westufer ist deutlich ebener als seine Nachbarorte, deren steile Treppengassen den Charakter prägen. Der Ort gilt als sportlicher Allrounder: Hier befinden sich einer der ältesten Golfclubs Europas, mehrere Wanderwege und eine gut ausgebaute nautische Infrastruktur mit Hafen und Werftanlagen. Entlang des Südwestarms reihen sich berühmte Villen und prachtvolle Gärten aneinander. Dazu zählen die Villa Balbianello in Lenno und die Villa Carlotta in Tremezzo.
Wer sich für die Geschichte des Bootsbaus interessiert, sollte einen Abstecher zum Museo Barca Lariana in Pianello del Lario einplanen. In der historischen Villa Bozzolo werden hunderte Exponate gezeigt, von traditionellen Holzbooten des Lago di Como bis zu eleganten Renn- und Motorbooten.
Für Segler und Surfer ist der Lago di Como das windsicherste Revier der drei Seen. Dafür sorgt ein ausgeprägtes thermisches Windsystem. Am Morgen bläst der Tivano aus Norden mit zwei bis vier Beaufort über das Wasser. Ab dem frühen Nachmittag dreht der Wind häufig auf Süd: Die Breva setzt ein und erreicht im engeren, alpinen Nordbecken rund um Domaso und Gravedona um die fünf Beaufort.
Auch auf dem Lago di Como gilt die allgemeine italienische Uferschutzzone von 300 Metern, in der die Geschwindigkeit reduziert werden muss. Wasserski, Wakeboarden und schnelle Gleitfahrt mit bis zu 27 Knoten sind erst außerhalb dieser Zone sowie im zentralen Seebereich erlaubt. Nachts gilt auf allen oberitalienischen Seen eine Höchstgeschwindigkeit von fünf Knoten Fahrt durchs Wasser.
Da der Lago di Como kein Grenzgewässer ist, sind die Zusatzkennzeichen der Nachbarseen nicht erforderlich. Die regulären amtlichen Dokumente, etwa der Internationale Bootsschein, sowie die italienische Mindesthaftpflichtversicherung reichen aus. Wer mit dem Trailer anreist, findet vor allem am Nordufer in Domaso, Colico und Gera Lario gut ausgebaute Slipanlagen und Werften mit Kranservice.
Bei einem Revierwechsel vom oder zum Lago Maggiore beziehungsweise Luganersee gilt jedoch auch hier: Rumpf und Kühlkreislauf sollten vor dem Einwassern gründlich gespült werden, damit sich invasive Arten nicht weiter ausbreiten.
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