ItalienCosta degli Dei: Küste der kurzen Schläge

Jan Jepsen

 · 20.09.2026

Der Ankerplatz an der Spiagga Sant'Irene.
Foto: Jan Jepsen
Die Costa degli Dei im Südwesten Kalabriens ist nichts für Meilensammler. Zwischen Pizzo und Nicotera misst die Küste kaum 30 Seemeilen; wer bis Scilla weitersegelt, hat trotzdem nur überschaubare Distanzen vor sich. Umso mehr Zeit zum Entspannen am Ende eines Törntags. Die Reportage.

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Die „Küste der Götter“ liegt am Tyrrhenischen Meer und zeigt Kalabrien von seiner maritimen Seite: helle Steilküsten, kleine Orte auf Felsen, türkise Buchten und eine Küche, die den Landgang fast ebenso wichtig macht wie den nächsten Ankerplatz. Wer hier unterwegs ist, sollte nicht auf ein dichtes Netz großer Marinas setzen. Vielmehr bestimmen Ankerstopps, örtliche Murings und die Bedingungen vor Ort den Rhythmus.

Von Pizzo bis Tropea: Der entspannte Auftakt

Die Reise beginnt in Pizzo und an der Chiesetta di Piedigrotta. Pizzo wirkt schon von See wie ein klassisches kalabrisches Küstenbild: Die Altstadt steht auf dem Fels über dem Wasser, darunter liegen Hafen und Strand. Bei schwachen, ablandigen Winden ist das Ankern vor dem Ort möglich. Die Höhlenkirche Piedigrotta liegt etwas nördlich und lässt sich bei passenden Bedingungen gut mit dem Dingi erreichen.

Nautisch gibt die Etappe die Richtung vor: Nicht möglichst viele Meilen sind das Ziel, sondern ein ruhiger Ablauf mit genug Zeit für einen Badestopp und die Ansteuerung bei gutem Licht. Wer am späten Nachmittag in die kleinen, beliebten Buchten kommt, muss mit mehr Betrieb rechnen.

Tropea und Capo Vaticano: Spektakulär, aber nicht immer ruhig

Von Tropea zum Capo Vaticano wird die Küste markanter. Vor Tropea lässt sich in türkisfarbenem Wasser auf vier bis fünf Metern Tiefe ankern. Die auf dem Felsplateau gelegene Altstadt und Santa Maria dell’Isola liefern das Panorama, die Marina den Zugang für den Landgang.

Weiter südlich folgt das Capo Vaticano mit seinen hellen Felsen und engen Buchten. Praia di Fuoco, Grotticelle und Santa Maria sind reizvolle Stopps, wenn Wind und Schwell passen. Der Sandgrund mit einzelnen Felsplatten bietet oft guten Halt. Doch die Buchten sind klein: Bei Winddrehern braucht die Yacht ausreichend Raum zum Schwoien. Spätestens am Nachmittag bringen Ausflugsboote in der Saison Schwell und Unruhe. Dann ist es meist klüger, rechtzeitig weiterzusegeln.

Scilla: Wo das Revier nautisch ernsthafter wird

Der südliche Abschluss führt nach Scilla und an die Straße von Messina. Vor dem Ort mit dem Castello Ruffo gibt es keine klassische Marina, aber Murings mit Shuttleservice. Das ist eine praktische Lösung für den Landgang nach Chianalea und hinauf zur Festung.

Vor allem aber verändert sich hier der Charakter des Wassers. Strömung und Gezeiten verlangen vor der Straße von Messina mehr Aufmerksamkeit als an den geschützteren Stopps weiter nördlich. Auch die markanten Schwertfischboote gehören zum Bild. Ihre langen Ausleger und der hohe Ausguck machen sie früh erkennbar; beim Kreuzen ihres Kurses ist Abstand und Rücksicht angebracht.

Die Costa degli Dei ist damit ein Revier für Crews, die die Etappen bewusst klein halten. Zwischen Pizzo, Tropea, Capo Vaticano und Scilla liegen keine großen Distanzen, aber viele Gründe, den nächsten Ankerplatz nicht zu früh anzusteuern. Wer Zeit mitbringt, erlebt Kalabrien als Küste zum Segeln, Schwimmen und Anlanden – und nicht als Durchgangsstrecke zu den Liparischen Inseln.

Karte der kalabrischen Westküste.Foto: Christian TiedtKarte der kalabrischen Westküste.

Buchtipp

Sehnsuchtsrevier Mittelmeer versammelt Törnberichte, Revierinformationen und Planungsimpulse für den Wassersporturlaub im Mittelmeer. Der Band ergänzt die Costa-degli-Dei-Reportage dort, wo die Serie bewusst offen bleibt: bei der Vorbereitung des eigenen Törns und beim Vergleich mit anderen mediterranen Küsten. Für Crews, die nach Kalabrien weiterziehen oder anschließend ein anderes Revier ansteuern möchten, liefert er zusätzliche Ideen für Route, Buchten und Landgänge.

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Jan Jepsen

Jan Jepsen

Freier Autor

Jan Jepsen, freier Autor, Fotograf, Schriftsteller, Krimiautor - in Hamburg Övelgönne (schon mit Gummistiefeln) auf die Welt gekommen. Er hat das Reisen früh zu seinem Beruf gemacht. Seitdem schreibt und segelt er sich durch die Welt. Am liebsten und längsten für die YACHT - mit über 100 Reportagen in knapp 40 Jahren. Sein ewiges Motto: „Hier bin ich ja sowieso – schön ist es auch anderswo.“

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