Kaum eine Insel im Saronischen Golf besitzt eine so unverwechselbare Silhouette wie Hydra. Vor den steilen, kargen Berghängen schmiegt sich ein Amphitheater aus Natursteinhäusern um einen halbmondförmigen Hafen – ein Anblick, der seit Jahrhunderten Segler, Künstler und Reisende gleichermaßen fasziniert.
Schon die Ansteuerung gehört zu den schönsten Griechenlands. Hinter der schmalen Hafeneinfahrt öffnet sich ein nahezu kreisrundes Hafenbecken, gesäumt von stattlichen Kapitänshäusern, Cafés und Tavernen. Esel, Wassertaxis und das Klappern von Karren, die über Kopfsteinpflaster gezogen werden, bestimmen das Bild und den Rhythmus des Ortes.
Der Hafen von Hydra zählt zu den beliebtesten Anlaufzielen im Saronischen Golf. In der Hochsaison sind die wenigen Plätze oft schon am frühen Nachmittag belegt, sodass sich eine zeitige Ankunft empfiehlt. Festgemacht wird überwiegend längsseits an der Kaimauer oder mit Heck zur Pier und eigenem Anker.
Der Hafen bietet guten Schutz bei den im Sommer vorherrschenden Windverhältnissen, kann jedoch bei kräftigem Südwind unruhig werden. Auch die rund um die Uhr verkehrenden Wassertaxis verursachen mitunter Schwell im Hafenbecken. Wasser und Strom stehen an Teilen der Pier zur Verfügung, Restaurants, Cafés, Bäckereien, Supermärkte und Einkaufsmöglichkeiten befinden sich direkt am Hafen. Wer keinen Liegeplatz mehr findet, kann in die nahe gelegenen Buchten Mandraki oder Vlychos ausweichen und gelangt von dort mit dem Dinghi oder Wassertaxi in den Ort.
Hydra lässt sich am besten zu Fuß erkunden. Ein Spaziergang durch die verwinkelten Gassen von Hydra ist wie eine Reise in die Vergangenheit: Entlang charmanter Kopfsteinpflasterstraßen, die von weiß getünchten Häusern gesäumt sind, vorbei an eleganten Herrenhäusern, kleinen Kirchen und blühenden Innenhöfen hinauf in die autofreie Oberstadt. Viele der prachtvollen Steinhäuser erinnern an den Wohlstand, den die Insel im 18. und frühen 19. Jahrhundert als bedeutende Seefahrernation erlangte.
Der Hafen ist das Herzstück der Insel und ein guter Ausgangspunkt, um die nahegelegenen Strände zu erkunden. Entlang der Küste laden viele kleine Felsbuchten zum Schwimmen im glasklaren Wasser ein. Wer etwas mehr Bewegung sucht, kann auf alten Maultierpfaden zu abgelegenen Klöstern und Aussichtspunkten wandern. Zu den kulturellen Höhepunkten gehören das Historical Archives Museum, welches die strategische Bedeutung Hydras als Hafen während des griechischen Unabhängigkeitskriegs zeigt, sowie das ehemalige Wohnhaus von Leonard Cohen, bekannt als das „Haus der Musen“. Der kanadische Songwriter machte Hydra in den 1960er-Jahren zu seiner zweiten Heimat trug damit wesentlich zum Ruf der Insel als Künstlerrefugium bei.
Am Abend entfaltet der Hafen seinen besonderen Charme. Wenn die Tagesgäste das Eiland verlassen haben und die Lichter der Tavernen auf dem Wasser schimmern, kehrt eine Atmosphäre ein, die Hydra seit Jahrzehnten zu einem der stimmungsvollsten Hafenorte Griechenlands macht.
Hydra ist seit den 1950er-Jahren vollständig autofrei. Kraftfahrzeuge sind – von wenigen kommunalen Einsatzfahrzeugen abgesehen – auf der gesamten Insel verboten. Waren werden bis heute mit Eseln, Maultieren oder kleinen Lastkarren transportiert. Diese außergewöhnliche Ruhe und das nahezu unveränderte Ortsbild machen Hydra zu einem der ursprünglichsten und zugleich exklusivsten Reiseziele Griechenlands.

Redakteurin Reise
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