Schon jetzt arbeiten einige Sporthafenbetreiber an der Ostseeküste mit unterschiedlichen Softwareunternehmen zusammen, um die Prozesse im Hafen zu digitalisieren. Wieso deshalb ein Flickenteppich an Buchungsapps entstanden ist lesen Sie in Teil 1. Wer mit Hafenbetreibern spricht, stellt jedoch fest, dass die Meinungen in Sachen Liegeplatz-Apps deutlich auseinandergehen. Die Digitalisierung der Buchungssysteme könnte jedoch für die meisten Betreiber handfeste Verbesserungen bieten.
Die meisten Buchungssysteme auf dem Markt ist jetzt schon weitaus mehr als ein reines Serviceangebot für Segler. Viele sind komplexe Buchhaltungssysteme für Häfen, die einen Großteil der administrativen Prozesse vereinfachen oder komplett übernehmen. Von der fehleranfälligen Pflege der Excel-Tabellen oder die steuergerechte Buchhaltung bis hin zum Warten auf die Nachzügler. Letzteres ist einer der wichtigsten Vorteile sowohl für die Häfen, als auch für die Gastsegler, die unabhängiger von den eigentlichen Öffnungszeiten des Hafenbüros werden. Damit reduzieren die Häfen nicht nur die Personalkosten, sondern nehmen den Hafenmeistern auch Druck von den Schultern.
Wie ein digitaler Feierabend in der Praxis aussieht, zeigt sich seit Beginn der Saison im Hafen von Lohme. Dort hat man sich im April für die Einführung des digitalen Buchungssystems anny entschieden. Anny ist keine eigenständige App. Sie stellt für die Hafenbetreiber die Infrastruktur bereit, um die digitale Vermietung von Liegeplätzen über die Hafeneigene Website selbst zu organisieren.
In Lohme geht der Gast auf die Website der Marina und bucht einen Liegeplatz. Dass es sich dabei um anny handelt, wird auf den ersten Blick gar nicht sichtbar. Der Betreiber aus Lohme erklärt den Schritt so: „Wir haben zwei Hafenmeister, die abends sehr lange warten mussten, bis der letzte Segler reinkam. Wir können auf diese Art einfach Personalstunden sparen.“ Der Erfolg gibt dem Konzept nach nur wenigen Wochen recht: Nahezu 75 Prozent der Tagesbuchungen laufen nach eigener Angabe in dem kleinen Hafen mittlerweile vollautomatisch ab. Wer vorab von See aus bucht, muss das Boot theoretisch gar nicht mehr verlassen:
„Besucher, die über das System gebucht haben, kommen eigentlich gar nicht mehr ins Büro. Die sagen einfach, ich habe gebucht. Alle anderen wichtigen Informationen stehen dann in unserem System“ so das Fazit aus Lohme.
Einen rein softwarebasierten Vermittlungsweg schlägt dagegen die Schweizer Plattform boatpark vor, die bewusst auf Hardware an den Stegen verzichtet. Das Konzept basiert auf der aktiven Einbindung der Dauerlieger über einen digitalen Schieberegler in der App: Fährt ein Dauerlieger aus, gibt er seine Box per Smartphone frei und die Box ist für die Dauer seiner Abwesenheit als Gastliegeplatz über die App buchbar. Für den Fall, dass der Dauerlieger vorzeitig zurückkommen möchte, verspricht das System eine automatische Rückkehrgarantie. Dabei werden Dauerliegeplätze für Gäste immer nur verbindlich für eine Nacht verlängert, auch wenn die Box für mehrere Wochen frei sein soll.
Das noch junge Startup Dock24 setzt in der Marina von Kühlungsborn auf eine Kombination aus Software und physischer Hardware am Steg. Das Herzstück ist das sogenannte Liveboard, ein digitales Display direkt an der Box, das mit einer integrierten Laser- und Kamera-Sensorik ausgestattet ist. Diese Technik erkennt automatisch, ob auf dem Platz ein Boot liegt oder nicht. Falls der Hafenmeister die Belegung nicht manuell erfasst hat, sorgt die digitale Klapptafel für eine fehlerfreie Erfassung in Echtzeit. Das verhindert das Entstehen von Geisterplätzen und stellt sicher, dass freie Kapazitäten sofort im System für suchende Skipper sichtbar werden.
Die Möglichkeit, freigewordene Dauerliegeplätze auch für Gastlieger nutzbar zu machen, stellt für die Häfen einen riesigen Vorteil dar. Denn das Angebot an fest ausgeschriebenen Gastliegeplätzen ist an den Küsten knapp, wie sich auch im Yacht Liegeplatzreport herausstellte. Schon jetzt nutzen viele Hafenbetreiber die Kapazitäten der freien Dauerliegeplätze, um Gastlieger unterzubringen. Apps wie boatpark können hier für noch mehr Flexibilität sorgen und sowohl den Seglern als auch den Hafenbetreibern dabei helfen, die Kapazität noch einfacher zugänglich zu machen.

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