Wer im Sommer an der Ostsee als Gastlieger einen Hafen anläuft, sorgt sich häufig um einen freien Liegeplatz und beendet den Segeltag routinemäßig früh. Liegeplatz-Apps sollen dieses Problem künftig lösen und gleichzeitig die Hafenmeister im Büro entlasten. Alle Anbieter ermöglichen eine digitale Buchung von Liegeplätzen, schon bevor man in den Hafen einfährt. In der Praxis führt die Umstellung für Gastsegler derzeit jedoch zu einem komplizierten Flickenteppich aus verschiedenen App-Anbietern.
An der deutschen und skandinavischen Ostseeküste teilen sich aktuell vor allem die Systeme anny, boatpark, Harba, GoMarina, Dockspot und mySea den Markt auf. Dazu kommen kleinere Anbieter wie das Startup Dock24. Für den reisenden Fahrtensegler bedeutet diese Vielfalt, dass er für einen normalen Urlaubstörn gleich mehrere Apps benötigt. Skipper müssen dabei überall separate Profile mit den exakten Bootsmaßen anlegen und jeweils eigene Zahlungsdaten hinterlegen. Selbst große Informationsportale wie die ADAC Skipper App bieten hier nur bedingt Abhilfe, da sie für die eigentliche Buchung an den jeweiligen Anbieter weiterleiten.
Dass kein einheitlicher Standard existiert, liegt vor allem an den unterschiedlichen Software-Ansätzen der Anbieter. Ein Großteil der Apps wurde ursprünglich als klassisches Hafen- und Buchhaltungssystem für Winterlager oder Dauerlieger entwickelt und erst nachträglich um ein Online-Modul für Tagesgäste erweitert. Da die Häfen oft bei ihren bestehenden Systemen bleiben wollen, ist der Markt für Liegeplatzsysteme extrem umkämpft. Jeder App-Anbieter will das führende digitale Betriebssystem für die Marinas der Zukunft stellen und versucht, möglichst viele Häfen europaweit unter Vertrag zu nehmen.
Die Geschäftsmodelle basieren meist auf einem Provisionssystem, bei dem für die Häfen kaum Fixkosten entstehen. Rechnet ein Skipper sein Hafengeld per Smartphone ab, geht ein Teil des Betrags als Servicegebühr an den Plattformbetreiber. Ein Prinzip, das man beispielsweise auch schon von Hotelanbietern wie Booking.com kennt. Die Häfen können dann selbst darüber entscheiden, ob sie die Kosten an die Kunden weitergeben oder nicht. Ein großer Anbieter, der sich anschickt, den Markt zu übernehmen, hat sich jedoch noch nicht herauskristallisiert.
Der Mangel an freien Boxen in der Hochsaison ist oft kein reines Infrastrukturproblem, sondern eine Frage der Verteilung. Das stellte sich im Zuge des großen Liegeplatzreports in der Yacht heraus. Während Häfen offiziell keine freien Kontingente mehr haben, sind Dauerlieger häufig für längere Zeiträume unterwegs. Technische Lösungen, die genau diese freien Kapazitäten digital zugänglich machen, können für Entspannung an den Stegen sorgen.
Langfristig dürfte die Größe und Reichweite der Plattformen über den Erfolg zu entscheiden, da sich kleine, rein regionale Lösungen auf Dauer kaum finanzieren lassen. Mittelfristig ist daher absehbar, dass sich an den Küsten einige wenige große Systeme durchsetzen werden.
In Teil 2 des Artikels berichten wir, wie Hafenbetreiber von den Buchungs-Apps profitieren, ein dritter Teil gibt eine Übersicht über die Funktionsweise der verschiedenen Apps am Markt. Demnächst hier auf YACHT online.

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