Sie sind ein Boot im Kleinen: Gerade einmal vier Zentimeter lang, bestehen Segelquallen aus einem flachen ovalen “Rumpf”, auf dem ein annähernd dreieckiges, transparentes “Segel” aufgesetzt ist. Für die Fortbewegung an der Wasseroberfläche sorgt der Wind. Die Qualle kann sich dabei nur treiben lassen, die Segelstellung - von der es in jeder Population allerdings zwei gibt - ist nicht veränderbar.
Jetzt wurden Exemplare der ungewöhnlichen Art erstmals an der deutschen Nordseeküste angespült - auf der Insel Sylt. Rainer Borcherding von der Schutzstation Wattenmeer zeigte sich über das Auftauchen überrascht: Denn die Quallen bräuchten auch im Winter eine Wassertemperatur von mindestens 14 Grad Celsius, sagte der Experte dem Norddeutschen Rundfunk.
Eigentlich sind die exotischen Meeresbewohner nur auf subtropischen Gewässern unterwegs. In den Nordatlantik mit seinen Nebenmeeren verirren sie sich dagegen nur selten, bislang waren nördliche Sichtungen vor allem auf die westlichen Bereiche der Britischen Inseln beschränkt. Und die Nordsee hat noch einen weiteren Nachteil: Für die Fortpflanzung der Segelqualle ist sie zu flach. Dieser Vorgang spielt sich in Wassertiefen bis zu 1.000 Metern ab.
Dass die Art trotz dieser Einschränkungen bis in die Nordsee vorgedrungen sei, sieht der Experte als Zeichen für den Klimawandel: Der Besuch zeige, “wie warm der Nordatlantik geworden ist”, so Borcherding im NDR. Tatsächlich erreichten die Weltmeere mit einer Durchschnittstemperatur von 21,1 Grad Celsius erst am vergangenen Wochenende die höchsten jemals ermittelten Werte.
Immerhin: Im Vergleich zu ähnlichen Lebewesen, wie der hochgiftigen Portugiesischen Galeere, die vor kurzem im Südwesten Frankreichs für gesperrte Strände sorgte, stellt die friedliche Segelqualle für Menschen und Meeresumwelt keine Gefahr da. Sie ist völlig ungiftig.

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