Elbe-SeitenkanalGigantische Schleuse soll Schiffshebewerk Scharnebeck ersetzen

Jill Grigoleit

 · 09.07.2026

So soll die neue Schleuse mal aussehen.  Ansicht aus dem unteren Vorhafen Ost.
Foto: INGE Schleuse Lüneburg

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Mit dem Start des Planfeststellungsverfahrens hat eines der größten Wasserstraßenprojekte Europas die nächste Hürde genommen. Am Elbe-Seitenkanal soll eine gigantische Schleuse das rund 50 Jahre alte Schiffshebewerk Lüneburg ersetzen. Der Neubau soll die Leistungsfähigkeit der wichtigen Binnenwasserstraße langfristig sichern und größere Schiffe aufnehmen können.

​Die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt (GDWS) hat das Planfeststellungsverfahren für den Ersatzneubau der Schleuse Lüneburg eröffnet. Das Genehmigungsverfahren wird mindestens zwei Jahre dauern. Mit einem Planfeststellungsbeschluss ist Ende der 2020er Jahre zu rechnen. Der Baubeginn ist für Anfang der 2030er Jahre vorgesehen, für die Bauarbeiten werden rund zehn Jahre veranschlagt.

​Lukas Brodersen, Sachbereichsleiter im Wasserstraßen-Neubauamt Hannover: „Mit der Einleitung des Planfeststellungsverfahrens rücken wir der Realisierung dieses wegweisenden Infrastrukturprojekts ein großes Stück näher. Die neue Schleuse wird nicht nur die Kapazitäten erhöhen, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Verlagerung von Transporten auf umweltfreundliche Verkehrsträger leisten. Damit setzen wir einen entscheidenden Schritt zur Modernisierung und Zukunftssicherung der Wasserstraße Elbe-Seitenkanal.“

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​Warum eine neue Schleuse notwendig ist

Das heutige Schiffshebewerk Lüneburg bei Scharnebeck gehört zu den markantesten Bauwerken des Elbe-Seitenkanals. Mit einer Fallhöhe von rund 38 Metern überwindet es den Höhenunterschied zwischen Elbe und Mittellandkanal. Der Elbe-Seitenkanal ist eine der wichtigsten Verbindungen zwischen dem Mittellandkanal und dem Hamburger Hafen und daher als Hinterlandanbindung des Seehafens eine „Schlagader“ der norddeutschen Verkehrsinfrastruktur.

Allerdings entspricht die Anlage nicht mehr den Anforderungen der modernen Binnenschifffahrt. Das Schiffshebewerk wurde 1975 in Betrieb genommen und war damals für das Europaschiff (Länge: 85m, Breite: 9,50m, Abladetiefe: 2,50m) bemessen. Der Kanal ist zwar grundsätzlich für die aktuell gängige Schiffsklasse „Großmotorgüterschiff“ (GMS) mit 110 Metern Länge sowie für Schubverbände von bis zu 185 Metern Länge zugelassen, jedoch können nur Schiffseinheiten bis zu einer Länge von 100 Metern das Schiffshebewerk passieren. Gleichzeitig steigt mit zunehmendem Alter der Anlage das Risiko längerer Ausfälle – mit erheblichen Folgen für den Schiffsverkehr auf einer der wichtigsten Nord-Süd-Wasserstraßen Deutschlands.

​Bau der höchsten Sparschleuse der Welt

Geplant ist deshalb der Bau einer neuen Sparschleuse westlich des bestehenden Schiffshebewerks. Die Schleusenkammer soll eine Nutzlänge von 225 Metern und eine Breite von 12,5 Metern erhalten. Damit können künftig auch deutlich längere Binnenschiffe und komplette Schubverbände den Elbe-Seitenkanal ohne zeitaufwendige Teilungen passieren.

Die Schleuse wird ebenfalls eine Fallhöhe von rund 38 Metern überwinden und wird damit die höchste Sparschleuse der Welt werden. Um den Wasserverbrauch möglichst gering zu halten, kommt ein aufwendiges Sparsystem mit mehreren Wassersparkammern zum Einsatz. Außerdem werden die Vorhäfen ober- und unterhalb der Schleuse verbreitert und verlängert. Neue Warteplätze sowie eine angepasste Zufahrt sollen das Ein- und Ausfahren für die Schifffahrt sicherer machen. Die Achse der neuen Schleuse wird um etwa 120 Meter parallel nach Westen versetzt zur Achse des Schiffshebewerks liegen.

Bau der Schleuse bei laufendem Betrieb

Während der voraussichtlichen Bauzeit von etwa zehn Jahren soll das bestehende Schiffshebewerk grundsätzlich in Betrieb bleiben. Erst wenn die neue Schleuse fertiggestellt und in Betrieb genommen wurde, soll das Hebewerk außer Dienst gehen. So soll der Schiffsverkehr auf dem Elbe-Seitenkanal möglichst wenig beeinträchtigt werden.

​Seit einigen Jahren wird das Schiffshebewerk abschnittsweise von Grund auf instandgesetzt. Die Arbeiten können voraussichtlich 2028 mit der Sanierung des Westtrogs abgeschlossen werden. Die Grundinstandsetzung soll einen sicheren und zuverlässigen Betrieb des Schiffshebewerks bis mindestens 2051 gewährleisten. Doch rechtzeitig vor Ablauf der Restnutzungsdauer des Schiffshebewerks soll das neue Abstiegsbauwerk betriebsbereit sein, voraussichtlich in den 2040er Jahren

Bedeutung der Schleuse für die Sportschifffahrt

Zwar richtet sich das Projekt vor allem an die Berufsschifffahrt. Von einer höheren Betriebssicherheit profitieren jedoch auch Sportbootfahrer. Das Schiffshebewerk ist der einzige Übergang am Elbe-Seitenkanal zwischen Elbe und Mittellandkanal. Fällt die Anlage aus, sind weiträumige Umwege notwendig. Mit der neuen Schleuse soll die Verbindung langfristig zuverlässiger werden und gleichzeitig den Anforderungen einer modernen Wasserstraße gerecht werden.

Was bedeutet das Planfeststellungsverfahren?

Mit der Einleitung des Planfeststellungsverfahrens beginnt nun die gesetzlich vorgeschriebene Genehmigungsphase. Sämtliche Planunterlagen, Gutachten und Umweltuntersuchungen liegen öffentlich aus beziehungsweise sind online einsehbar. Bis 24.8.2026 können Behörden, Verbände sowie Bürgerinnen und Bürger Einwendungen zum Vorhaben einreichen. Anschließend prüft die Planfeststellungsbehörde alle Eingaben und entscheidet über den Planfeststellungsbeschluss, der das notwendige Baurecht schafft. Ausführliche Informationen zur Funktion der neuen Schleuse und eine Übersicht zum Bauvorhaben gibt es auf der Seite des WNA Hannover.


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Jill Grigoleit

Jill Grigoleit

Redakteurin Reise

Jill Grigoleit lebte zehn Jahre mit ihrer Familie auf einem Hausboot im eigenen Hafen südlich von Hamburg und schrieb ein Buch über den Hausbootbau und das Leben mit Kindern auf dem Wasser. Seit 2020 schreibt sie vor allem Reisereportagen und Revierporträts für YACHT und BOOTE und konnte damit ihre zwei großen Leidenschaften zum Beruf machen: Reisen und darüber schreiben. Seit Januar 2024 gehört sie fest zum Team des Reiseressorts der Wassersportredaktion von Delius Klasing. Seither sammelt sie in den verschiedensten Regionen Reviertipps und Geschichten über Menschen, die am und auf dem Wasser leben - von der Mecklenburgischen Seenplatte über die bretonische Küste bis ins kanadische Ontario.

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