Interessanter Vorstoß der Organisatoren des Vegvisir Race Nyborg: Um das Solosegeln in ihrem Rennen sicherer zu machen, haben sie speziell für die längere 200-Seemeilen-Einhandprüfung eine neue Regel eingeführt. Schon ab diesem Jahr sollen Ruhephasen zum festen Bestandteil der anspruchsvollen Offshore-Herausforderung werden. Damit erhält die zehnte Jubiläumsauflage des Rennens durch dänische und deutsche Gewässer einen neuen Aspekt.
Das Rennen startet in diesem Jahr am 3. September in Nyborg und führt seine Herausforderer – nach Wahl einhand oder zweihand – auch dorthin zurück. Die neue Regel richtet sich an Solisten, Ihr Grundprinzip ist so gestaltet: Das insgesamt auf dem längeren Kurs rund 55 Stunden lange Vegvisir Race Nyborg ist in aufeinanderfolgende 42-Stunden-Zyklen unterteilt. Innerhalb jedem dieser Zyklen dürfen die Einhandsegler maximal 30 Stunden am Stück segeln, müssen aber auch mindestens sechs Stunden Pause einlegen.
Für diese vorgeschriebene Erholungsphase ist jedoch kein fester Zeitpunkt vorgeschrieben. Der Skipper oder die Skipperin entscheiden selbst, wann sie die sechs Stunden in Anspruch nehmen und nutzen. Das kann ebenso unmittelbar nach dem Start oder auch während windarmer Phasen erfolgen. Ebenso zu anderen, taktisch sinvollen Zeiten. Für die Starter bringt die neue Regel einerseits die Chance zum Ausruhen, andererseits die durchaus anspruchsvolle Aufgabe, die Pause für sich zeitlich optimal zu wählen.
So wird die Ruhephase Teil der Rennstrategie. Die zu berücksichtigenden 42-Stunden-Zyklen beginnen mit dem Start des Solos im Vegvisir Race Nyborg. Der erste Zyklus beginnt am 3. September um 10 Uhr und läuft bis Samstag im 4 Uhr früh. Danach beginnt der zweite Zyklus, obwohl das Rennen am Samstag um 17 Uhr endet. Skipper oder Skipperinnen legen dann erneut eine Ruhepause ein, die vor dem Zieleinlauf absolviert sein muss.
Die Ruhepausenzeiten werden im Ziel von der gesegelten Zeit mit jeweils sechs Stunden abgezogen. Eine Ruhepause von mehr als sechs Stunden zählt als verstrichene Zeit. Die Veranstalter sind überzeugt: “Das Ergebnis ist eine ungewöhnliche Kombination aus einem festen Sicherheitsrahmen und beträchtlicher taktischer Freiheit.” Die neue Regel soll “nicht das 200-Seemeilen-Rennen in eine reglementierte Ausdauerübung verwandeln”. Vielmehr möchten die Organisatoren, “dass die Skipper weiterhin eine der wichtigsten Entscheidungen im Seesegeln tragen: wann sie stoppen”. Die neue Regel schaffe lediglich den Sicherheitsrahmen dafür.
Zur neuen Sechs-Stunden-Regel gibt es noch eine Sonderregel auf dem Weg ins Ziel: Wenn Boote den 15-Seemeilen-Kreis um die Ziellinie des Vegvisir Race Nyborg erreichen, bevor die Grenze von 36 Stunden ununterbrochener Segelzeit erreicht ist, können die Solisten selbst entscheiden, auf direktem Weg ins Ziel zu fahren. Sie müssen keine Ruhepause mehr einlegen. Diese Entscheidung liegt alleine bei den Teilnehmern, die jedoch die Rennleitung darüber informieren müssen. Ist die Entscheidung einmal gefallen, kann sie nicht mehr rückgängig gemacht werden.
Die neuen Regeln beziehen auch eine weitere Thematik ein: Was passiert, wenn der Skipper oder die Skipperin ankern oder Schutz suchen wollen, dafür aber den Motor benutzen müssen? Der Motor darf genutzt werden, sobald sich das Boot innerhalb einer halben Seemeile der gewählten Ruheposition befindet. Die Position, an der die Solisten ihren Motor starten, wird als “Motorstartposition” erfasst.
Am Ende der Ruhepause darf der Skipper mit Motorantrieb von der Ruheposition wegfahren, muss jedoch zur Motorstartposition zurückkehren, bevor der wieder Motor abgeschaltet und das Vegvisir Race Nyborg fortgesetzt wird. So soll erreicht werden, dass die Solisten zwar ihren Motor nutzen können, um sicher zu ihrer Ruheposition zu gelangen, dadurch aber keinen Vorteil im Sinn von Vorsprung erzielen.
Jeder Teilnehmer am Vegvisir Race Nybord muss vor Rennstart eine “Designated Person Ashore” (DPA), also eine Bezugsperson an Land benennen. Diese DPA muss über Qualifikationen verfügen, die mit denen des Skippers oder der Skipperin vergleichbar sind. So wollen die Veranstalter sicherstellen, dass jeder Teilnehmer an Land jemanden hat, der die Situationen auf See verstehen und einschätzen kann, die während einer Offshore-Regatta auftreten können.
Die DPA funktioniert an Land als Skippervertreter, wenn Sicherheitsfragen aufkommen oder Krisenmanagement erforderlich ist. Die DPA muss durchgehend erreichbar sein, aber weder beim Skipper’s Briefing anwesend sein noch sich während des Rennens in Dänemark aufhalten. Die Anmeldung für das Vegvisir Race Nyborg ist noch bis zum 24. August hier möglich.
Das Rennen fasziniert und lockt regelmäßig auch eine große Schar deutscher Boote in den Start- und Zielhafen Nyborg. In diesem Jahr kommen rund zwei Drittel aller gemeldeten Boote aus Deutschland. Für den Bekanntheitsgrad sorgen regelmäßig die Geschichten derer, die es schon gemacht haben. Jeweils sieben Einhand- und Zweihand-Divisionen sind für den kürzeren und den längeren Kurs über rund 100 und 200 Seemeilen für Kielboote und Einrumpfyachten ausgeschrieben.

Freie Reporterin Sport
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