Zwölf Boote bildeten beim Start die kompakte Flotte der Erstauflage im Tanis von der Mosel Race. Einige weitere hatten Teams hatten kurzfristig abgesagt. Der Blick auf die Windprognosen mag den einen oder anderen bewogen haben, das Rennen kurz vor den Sommerferien in diesen Bedingungen doch nicht anzugehen. “Om”-Skipper Stefan Voss hat sich mit seiner Crew für den spannenden Langstreckensport entschieden, dafür aber seit dem Mastbruch knapp zwei Stunden nach dem Start am Samstagmittag nun keine Sommerferien mehr mit dem eigenen Boot. Er würde es dennoch wieder tun.
Ursprünglich war als Name für das neue Bucketlist-Rennen vom Kieler Yacht-Club 400 Islands Race angedacht. Später wurde es in Tanis von der Mosel Race umbenannt. Jetzt erlebt es seine Premiere, die eher einer Feuertaufe denn einem Sonnenritt durch die dänische Inselwelt gleicht.
Doch der Reihe nach: Die Premiere des Tanis von der Mosel Race über 700 Seemeilen von und nach Kiel hatte die deutsche Seesegelszene bei ihrer Ankündigung entflammt. So eine Ostsee-Prüfung im Juni erschien vielen als erstrebenswerte Seesegelherausforderung. Doch als das Event näher rückte, beeindruckten die Windvorhersagen dann doch. 14 Teams standen zuletzt noch auf der Meldeliste. Zwölf kreuzten an der Startlinie auf. Unter ihnen war mit “Rafale” eine ausgewiesene Rekordjägerin, die zuletzt gerade das Pantaenius Rund Skagen Rennen gesegelt und berechnet gewonnen hatte.
Schon beim gutgelaunten Farewell-Dinner im Kaisersaal des Kieler Yacht-Clubs war die Wettervorhersage das dominierende Thema des Abends, weil sich starker Westwind angekündigt hatte. Dabei hatten die Crews von ganz unterschiedlichen Booten ihre jeweils eigenen Blickwinkel auf die zu erwartenden Bedingungen. Die Flotte spiegelt die ganze Bandbreite des Yachtsports wieder.
Ins Rennen gingen am oberen Ende des Spektrums ultra-modernen Rennyachten wie Wolf Scheder-Bieschins J/V 43 “Vineta” (Schwesterschiff von Mathias Müller von Blumencrons “Red 2”) oder die schnelle Elliott 52 SS “Rafale”. Am Start waren auch Racer/Cruiser wie die JND „Sakura“ oder die A-35 „Om“ bis hin zu Performance Cruisern wie der Dufour 325 „Plastique“ oder der klassischen S&S Swan 57 „Kairos“.
Die Teilnahmemotivationen der Crews dagegen ähnelten sich sehr: Alle suchten und fanden mit dem Tanis von der Mosel Race die Herausforderung einer langen Strecke in voller Mannschaft vor der eigenen Haustür in Kiel. Der Kurs führt die Wagemutigen seit dem 13. Juni gegen den Uhrzeigersinn um alle dänischen Inseln. Bornholm und die “Erbseninseln”, Læsø und Årø sind an Backbord zu lassen. Gesegelt wird in zwei ORC-Gruppen.
Am Starttag kam, was den Crews schon klar war: Kiel war ruppig drauf, zeigte sich böig, wolkenverhangen und regnerisch. Der angekündigte Westwind war schon da. Zum Start wurden bei Kiel Leuchtturm bereits deutlich über 20 Knoten gemessen. Tendenz steigend. Der Start selbst verlief kontrolliert: “Rafale” und “Vineta” taten, was Rennpferde tun, deren Boxentüren sich mit dem Start öffneten: Sie gingen am Pin-End bei Null über die Linie. Der Rest der kleinen Flotte eröffnete die Langstrecke etwas konservativer.
Mit einem Reach ging es aus der Innenförde hinaus. Dabei bot Henri de Bokays “Rafale” – triple-headed mit Jib Top, J3 und Inner Staysail – ein imposantes Bild. Es war keine Überraschung, dass sich das sehr diverse Feld schnell auseinanderzog. Auf Höhe des Verkehrstrennungsgebietes setzte dann auch die Welle ein. Es ging nun mit deutlich über 20 Knoten Wind auf VMG-Downwindkurs.
Knapp zwei Stunden nach dem Startschuss traf am Samstag der Mastbruch-Schock die “Om”-Crew. Eigner und Skipper Stefan Voss hatte gerade noch erfolgreich mit Tim Kröger das Baltic 500 bestritten, war jetzt mit fünfköpfiger Crew beim Tanis von der Mosel Race im Einsatz. “Wir waren kontrolliert rausgefahren und auch richtig schnell unterwegs”, berichtet Voss vom Rennauftakt. Die Crew war unter A5 und Großsegel in etwa 25 Knoten Wind unterwegs, als ein kleiner Ausrutscher des Steuermanns im Seegang zum kurzzeitigen Unterschneiden des Bugs führte.
“Da ist das Rigg in sich zusammengefallen. Zum Glück wurde niemand verletzt”, erzählt Stefan Voss. Auch die Relinge und die Heckkörbe wurden eingedrückt, weil Teile draufgefallen waren. Der unversehrten Crew war schnell klar, dass es nichts zu bergen gab. Mit Spezialsägen, großen Zangen und Messern machten sie sich ans Werk, das erst drei Jahre alte und regelmäßig intensiv gewartete Rodrigg zu trennen und aus Sicherheitsgründen für Crew und Boot zu versenken. Die traurige, aber konzentriert und zügig durchgeführte Prozedur dauerte etwa eine halbe Stunde.
Übrig blieb ein Stumpf im Boot. Die Mannschaft schaffte es dann aus eigener Kraft, rund dreieinhalb Stunden später den Hafen von Strande zu erreichen. Zuvor hatte der Skipper die umliegenden Boote darüber informiert, dass keine Hilfe von außen notwendig sei. “Ein kleiner Rettungskreuzer hat dann doch Kontakt zu uns aufgenommen. Denen habe ich gedankt und gebeten, dass sie uns gerne auf dem Schirm behalten mögen. Es war schon echt Wind und Welle gegenan. Wenn da dein Motor versagt, kannst du plötzlich doch ganz schnell zum Seenotfall werden”, erklärte Voss.
Für die 2009 gebaute Archambault war es der erste Mastbruch. Der genaue Grund dafür ließ sich zunächst nicht ermitteln. “Ich baue jeden Winter alles auseinander, prüfe den Mast. Aber in so einem Aluminiumding steckst du natürlich nie ganz drin”, sinnierte Stefan Voss am Tag nach dem Unglück, dass ihn und seine Crew nicht nur das Rennen, sondern auch die geplanten Sommerferien mit dem eigenen Boot kostete, während das Schwesterschiff “Skuum” – beim Mastbruch von “Om” etwa eine halbe Meile achteraus – das Rennen weiter fortsetzte.
Das Rennen forderte auch anderen anderen Crews viel, manchen zu viel ab. Acht Boote waren 26 Stunden nach dem Samstagstart am Sonntagnachmittag noch im Rennen. Allen voran preschte “Rafale” mit Skipper Klaas Höpcke voraus. Auch deren sehr erfahrener Navigator Robin Zinkmann hatte schon am Vorabend des Rennens gewusst, dass es wohl “das härteste Rennen werden wird, das unsere Crew je vor der Nase gehabt hat”.
Nach Marstal abgelaufen ist inzwischen auch die “Vineta”-Crew mit gerissenem A6. Als „Rafale“ nach 16 Stunden um 2 Uhr am sehr frühen Sonntagmorgen Christiansö rundete, war die JPK 10.30 “Alma Roberta 2” schon mit zerrissenem Großsegel nach Warnemünde abgelaufen. Zum Race Tracker für das Tanis von der Mosel Race 2026 geht es hier. “Rafale” befand sich am Sonntagnachmittag auf dem Weg in den Øresund während sich das Gros der verbliebenen Flotte im Norden von Bornholm vorankämpfte.
Dass die Premiere des Tanis von der Mosel Race so heftig ausfällt, brachte und bringt den Veranstaltern und Teilnahmern große Herausforderungen. Die Idee zu diesem Langstreckenrennen bleibt dennoch gut. Das hielt auch Mathias Müller von Blumencron fest, der schon an vielen großen Rennen wie dem Fastnet Race oder vielfach am Normandy Channel Race teilgenommen hat. Auch der “Red 2”-Skipper wollte mit seiner Crew am neuen Rennen teilnehmen, hatte dann aber angesichts der Windprognosen in der Abwägung zum Schutz seines Materials auf den Start verzichtet.
Mathias Müller von Blumencron sagte: “Wir hätten gerne einen schönen Fight mit ‘Rafale’ und ‘Vineta’ ausgefochten. Aber das Risiko fürs Material, nicht für das Boot selbst, war mir zu hoch. Es ist trotzdem super, dass sie dieses Rennen gestartet haben. Es ist eine super Idee und soll bitte bleiben. Vielleicht kann man überlegen, in Zukunft noch etwas mehr Flexibilität reinzubringen. Ich habe viele Normandy Channel Races zu Ende gesegelt, aber keines ging über die volle Distanz, weil die Veranstalter das Ziel vorverlegt oder den Kurs geändert haben. Vielleicht muss man ja bei sehr schwierigen Bedingungen nicht alle dänischen Inseln umsegeln.”

Freie Reporterin Sport
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