Seit der Jahrtausendwende gehört der Streckenrekord für das Pantaenius Rund Skagen Rennen der 67-Fuß-Baltic “Uca”. Die Mannschaft des 2014 verstorbenen früheren Unternehmers und Arbeitgeberpräsidenten hatte im Jahr 2000 den Lauf ihres Lebens im 510-Seemeilen-Langstreckenklassiker. Fast perfekte Segelbedingungen in Nord- und Ostsee, im Skagerrak und im Kattegat und dazu eine sehr starke Segelleistung ergaben vor 26 Jahren den idealen Mix für die Bestmarke, an der sich seitdem alle zwei Jahre die Herausforderer die Zähne ausbeißen. Bislang vergeblich.
So war es auch in diesem Jahr, in dem Henri de Bokays Elliot 52 “Rafale” vom Verein Seglerhaus am Wannsee als Rekordhoffnungsträgerin ins Pantaenius Rund Skagen Rennen gestartet war. Frühe Prognosen hatten noch vielversprechend ausgesehen. Doch dann bescherte eine allzu ausgedehnte flaue Phase im Skagerrak vor der Westküste Dänemarks bei Hanstholm dem Team einen frühen Rückschlag. Da wusste “Rafale”-Navigator Robin Zinkmann schon, dass es mehr als eng werden würde.
Trotz fabelhafter schneller zweiter Halbzeit reichte es für die Crew auf der Elliot 52 “Rafale” auch bei ihrem zweiten Versuch nach 2024 nicht ganz, die 43 Stunden und 46 Minuten zu unterbieten, in denen “Uca”-Steuermann Walter Meier-Kothe und seine Crew den Kurs im Pantaenius Rund Skagen Rennen 2000 abgeritten hatten. Als die “Uca”-Rekordzeit in diesem Jahr abgelaufen war, hatte die “Rafale”-Crew Kiel Leuchtturm schon in Sicht. Am Ende aber fehlten “Rafale” bei einer gesegelten Zeit von 44 Stunden, 8 Minuten und 27 Sekunden gut eineinhalb Stunden (1 Stunde, 37 Minuten, 33 Sekunden) auf die erneut nicht zu knackende Rekordmarke der “Uca”.
Walter Meier-Kothe hat das aktuelle Rennen wie all die Jahre zuvor wieder aus der Ferne beobachtet. Am Ende sagte der in Bremen aufgewachsene und heute in Hamburg lebende 82 Jahre alte “Mr. Baltic” zur “Rafale”-Leistung: “Malte und die Crew hätten eine Chance gehabt, wenn der Parker bei Hanstholm nicht gewesen wäre. Danach waren sie sehr schnell unterwegs.” Die Crew, die “Rafale” als First Ship Home ins Ziel brachte, waren Eigner Henri de Bokay, Steuermann Malte Päsler, Navigator Robin Zinkmann, Johannes Polgar, Klaas Höpcke, Marc-Daniel Mählmann, Philipp Sudbrack, Holger Lehnung, Ludger Gawlitta, Christian Rathgen, Lindsay Stead und Marco Schürmann.
Walter Meier-Kothes Rückblick auf die “Uca”-Leistung vor mehr als einem Vierteljahrhundert fiel sportlich aus: “Wir haben einfach mit dem Wind Glück gehabt, damals in der Nordsee Spitzengeschwindigkeiten von 26 Knoten erreicht.” Auf Nachfrage der YACHT sagte der Steuermann aber mit dem ihm eigenen Augenzwinkern auch: “Wir haben damals nicht so viele Fehler gemacht. Dafür haben wir uns bei einem kleinen Meeting unter Freunden im vergangenen Jahr auf dem Boot von Jörgi Heinritz ein bisschen beweihräuchert. Vielleicht werden wir jetzt mal eine kleine Feier organisieren.”
Wir haben damals auch zwei Spinnaker aus den Lieken gesegelt. Aber wir hatten immer noch einen.” Walter Meier-Kothe
Nach “Rafale”, die um 13:38:27 Uhr ins Ziel kam, wurden am Nachmittag als nächste Boote Daniel Baums Tison 48 “Elida” und die Carkeek 47 “Störtebeker” mit Skipperin Katrina Westphal im Ziel vor Kiel erwartet. Die beiden Boote hatten beim Zieldurchgang von “Rafale” noch knapp 60 und knapp 70 Seemeilen vor sich.
Spannend blieb es auch im Kampf um den ORC-Gesamtsieg im Pantaenius Rund Skagen Rennen. Und auch im Kampf um die ORC-Podien bei den Meisterseglern der IDM-Offshore und den Teilnehmern der Nordseewoche. Mit den doppelt gewerteten Ergebnissen der Langstrecke fällt die Entscheidung im Kampf um die Deutsche Offshore-Meisterschaft. Hier geht es zu den IDM-Zwischenständen.
Weil in den ersten beiden leichtwindigeren IDM-Wettfahrten – Sundowner (Wertungsfaktor: 1,25) und Capitell Cup Rund Helgoland (Wertungsfaktor: 1,5) – die kleineren Boote stark abgeschnitten haben, wird es interessant sein zu sehen, wie sich die Resultate der Langstrecke auf die Schlusswertung auswirken. Darauf muss aber noch eine Weile gewartet werden.

Freie Reporterin Sport