YACHT
· 22.05.2026
Hubert Merkelbach vom Bodensee Yacht Club Überlingen und Markus Koy vom Norddeutschen Regatta Verein sicherten sich vor Radolfzell den Titel bei der Internationalen Deutschen und Schweizer Meisterschaft der Starboote. Die Regatta auf dem Bodensee zog 56 Teams aus Deutschland, der Schweiz, Dänemark, Ungarn, Kroatien, den Niederlanden, Frankreich und Portugal an. Unter den Teilnehmern befanden sich Olympiateilnehmer, Europameister und Vizeweltmeister. Der Yacht-Club Radolfzell und der Schweizer Yacht Club Rapperswil richteten die Starboot- Meisterschaft gemeinsam auf dem Gelände des Yacht-Club Radolfzell aus. Die ehemalige olympische Bootsklasse zeigte ihre internationale Strahlkraft. „Die IDM war international stark besetzt, die Starbootklasse hat nichts von ihrer Attraktivität verloren, wir erleben gerade einen regelrechten Boom und es gelingt zunehmend, junge Leute für unseren Ferrari auf dem Wasser zu begeistern", sagt Hubert Merkelbach, der bis vor kurzem Starboot-Weltpräsident war. Bei Europa- und Weltmeisterschaften starten über 100 Boote.
Der Bodensee präsentierte sich während der gesamten Meisterschaft von seiner anspruchsvollen Seite. Meist einstellige Temperaturen und kräftiger Wind forderten Mensch und Material gleichermaßen. Besonders turbulent verläuft der Himmelfahrtstag. Bei starkem Wind kam es zu zahlreichen Kollisionen und insgesamt vier Mastbrüchen. Dennoch konnten bereits am ersten Tag vier der acht ausgeschriebenen Wettfahrten gesegelt werden, womit die offizielle Meisterschaftswertung gesichert war. Merkelbach und Koy setzten sich nach diesem Auftakt zunächst an die Spitze des Feldes. Die Teilnehmer lobten die Durchführung durch die beiden Ausrichtervereine. „Von allen Teilnehmern, vor allem denen, die eine weite Anreise hinter sich hatten, haben wir nur Begeisterung über die Meisterschaft und die Durchführung durch die beiden Ausrichtervereine gehört", berichtet Merkelbach.
Am Freitag erschwerten drehende Nordwestwinde die Rennen. Bei inzwischen immerhin zweistelligen Temperaturen konnte nur noch eine weitere Wettfahrt abgeschlossen werden. Wettfahrtleiter Dani Wehrle von den Jollenseglern Reichenau brach den zweiten Lauf des Tages wegen weiter nachlassender Winde ab. Das Duo Merkelbach und Koy verlor seine Spitzenposition. Vor dem abschließenden Regattatag hatten noch vier Teams realistische Titelchancen. Die wechselnden Bedingungen sorgten für Spannung im Feld.
Der Samstag begann freundlich und sonnig, weshalb einige Segler leichter bekleidet aufs Wasser gingen. Eine Entscheidung, die sich rächen soll. Eine Regen- und Hagelfront ließ die Temperaturen erneut drastisch sinken. Mehrere Mannschaften musten wegen Unterkühlung vorzeitig in den Hafen zurückkehren und konnten die letzten beiden Wettfahrten nicht mehr bestreiten. Betroffen waren unter anderem Marin Misura und Tonco Barac vom Yacht Club Split, die bis dahin auf Podiumskurs lagen und schließlich auf Rang zwölf zurückfielen. Mit einem Sieg im ersten Rennen des Abschlusstages machten Merkelbach und Koy ihren Titelgewinn perfekt. Auf einen Start in der letzten Wettfahrt verzichteten auch sie – die Bedingungen auf dem Wasser sind schlicht zu kalt.
Auf den zweiten Rang kamen Piet Eckert und Frederico Melo vom Zürcher Segel Club, die damit zugleich Schweizer Landesmeister wurden. Rang drei ging an Michael Hestbaek und Jan Eli Gravad vom Vallensbaek Sejlklub aus Dänemark. Knapp am Podium vorbei segelten Daniel Fritz vom Chiemsee Yacht Club und Uli Seeberger vom gastgebenden Yacht-Club Radolfzell. Seeberger ist 69 Jahre alt und segelt seit mittlerweile 50 Jahren Starboot. Das zweitbeste deutsche Team beendete die IDM auf dem vierten Rang.
Für Merkelbach und Koy ist der Gewinn der Internationalen Deutschen Meisterschaft 2026 ein weiterer großer gemeinsamer Erfolg. 2014 werden sie Europameister im Starboot, 2015 folgt der südamerikanische Meistertitel, 2018 gewinnen sie zum ersten Mal die deutsche Meisterschaft zusammen. „Unser Plan in der Vorbereitung ist voll aufgegangen", sagt Hubert Merkelbach. „Wir haben noch vor zwei Wochen mit unserer Trainingsgruppe in Riva am Gardasee intensiv trainiert und sind im Anschluss daran bei der italienischen Meisterschaft Vizemeister geworden." Der 62-jährige Orthopäde aus Überlingen feiert nun seinen siebten deutschen Meistertitel.
Markus Koy ist 51 Jahre alt und ehemaliger Kadersegler, der zuvor gemeinsam mit Michael Koch, Robert Stanjek und Johannes Polgar segelte. Er wurde bisher insgesamt dreimal Starboot-Europameister und gewann zahlreiche deutsche Meistertitel. Nach über zwanzig Jahren in der Starbootklasse, in die er nach dem olympischen Aus des Dreimannbootes Soling wechselte, zählt er zu den erfolgreichsten deutschen Profiseglern der Klasse. „Ich segle überwiegend Drachen und Starboot und kann alle meine Erfahrungen, mein Wissen und meinen Background aus vier Olympiakampagnen und einer America's Cup-Teilnahme einbringen", sagt Markus Koy. „Das Starboot ist sehr trimmsensibel und intensiv zu segeln. Was man auf dem Starboot lernt, kann man auf alle anderen Bootsklassen übertragen. Außerdem ist es ein Riesenspaß, das Boot zu segeln."
Steuermann Hubert Merkelbach blickt auf eine ähnliche Erfolgsbilanz zurück wie sein Vorschoter. „Nach einer kleinen Pause, in der wir mit anderen Partnern gesegelt sind, sitzen wir nun seit einem Jahr wieder zusammen in einem Boot und konnten sofort wieder an die alte Vertrautheit und seglerischen Erfolge anknüpfen", sagt der Überlinger. „Wir sind beste Freunde und verstehen uns auch an Land prima – das ist eine wichtige Grundlage für gute Ergebnisse." Die Chemie zwischen den beiden Seglern stimmt sowohl auf als auch neben dem Wasser. Diese Harmonie zahlt sich in konstanten Leistungen aus.
Die nächste große Herausforderung für das wieder vereinte Erfolgsduo startet bereits in zwei Wochen mit der Eastern Hemisphere-Regatta auf dem ungarischen Balaton, einem Silver Star-Event, das mit einer Europameisterschaft zu vergleichen ist. Es folgt die Teilnahme an der EM im niederländischen Medemblik, bevor als Saisonhöhepunkt die Weltmeisterschaft im US-amerikanischen Miami auf dem Programm steht. Das ehemals olympische Starboot verlangt seinen Seglern eine große Fitness und Kraft ab. Die Bootsklasse erlebt derzeit einen Boom und zieht zunehmend junge Segler an.
Deutscher Segler-Verband