Seit Jahrzehnten gehören die Rennen der historischen Skûtsjes zu den größten Segelsport-Ereignissen der Niederlande. Gesegelt wird auf mehr als hundert Jahre alten Frachtschiffen, die einst Torf und Waren durch Friesland transportierten und heute in packenden Wettfahrten gegeneinander antreten.
Mit der Einführung einer neuen Segelformel will die Skutsje-Vereinigung “Sintrale Kommisje Skûtsjesilen” (SKS) die sportliche Leistung der Crews fairer bewerten.
In Zukunft werden Gewicht und Ballast der Schiffe bei der Berechnung deutlich mehr berücksichtigt. Damit sollen seglerische Fertig- und Fähigkeiten, wie Feintrimm, taktisches Geschick und das handwerkliche Können der Crews stärker in den Vordergrund gerückt werden. Teure Umbauten, manche Skutsjes sind echte Rennmaschinen und haben mit den historischen Vorbildern nur noch bedingt zu tun, sollen nicht mehr so großen Vorteile bringen wie in der Vergangenheit.
Die SKS-Meisterschaft im Skûtsjesilen um das „Sulveren Skûtsje“, die am 17. Juli 2026 startet, wird der erste Testlauf für das neue Regelwerk. Die Saisons 2026 und 2027 gelten als Übergangsphase; ab 2028 muss die gesamte Flotte verpflichtend nach den neuen Parametern vermessen sein.
Das Meisterschaftsfeld setzt sich aus Crews zusammen, welche von niederländischen Städten gemeldet werden - es ist also so etwas wie eine Stadtmeisterschaft. Als Titelverteidiger geht in diesem Jahr die Crew aus Heerenveen an den Start. Skipper Sytze Brouwer will die „Gerben van Manen“ erneut auf Meisterschaftskurs halten.
Besonders gespannt blicken viele Beobachter jedoch auf die Meldung aus Huizum. Dort übernimmt mit dem 29-jährigen Sander Meeter ein neuer Skipper die traditionsreiche Skûtsje „It Doarp Huzum“. Nach seinem Wechsel aus der IFKS-Liga gilt er als eines der spannendsten neuen Gesichter der Saison. Die IFKS-Liga ist eine offene Meisterschaft, an der auch private Eignern teilnehmen können, wohingegen die traditionsbewusste SKS-Liga ein streng reglementierter Einladungswettbewerb für feste, ortsgebundene Schiffe ist. Meeter selbst spricht zwar von einem Lehrjahr, viele sind jedoch neugierig, wie schnell er sich im hochklassigen SKS-Feld behaupten kann.
Für Segelbegeisterte und Urlauber bietet das Skûtsjesilen eine besondere Kulisse. Die Regatten werden dicht unter Land ausgetragen; Wenden, Halsen und Tonnenmanöver sind aus kurzer Distanz zu verfolgen.
Die örtlichen Komitees erheben an den offiziellen Zuschauerplätzen an Land einen kleinen Beitrag von rund 3 Euro, um den Erhalt der Traditionsschiffe zu unterstützen. Die Crews laufen meist ab etwa 12:30 Uhr aus den Häfen aus. Wer früh da ist, sichert sich gute Sicht auf die Startphase und die ersten Manöver.
(Startzeit der Wettfahrten jeweils planmäßig um 14:00 Uhr)
Wer nicht live in Friesland sein kann, profitiert 2026 von einem erweiterten Medienangebot. Das Skûtsjesilen wird medial für ein breites Publikum zugänglich aufbereitet, sowohl für Kenner als auch für Zuschauer, die das Plattbodensegeln neu entdecken:
Wer nach der SKS-Meisterschaft Lust auf mehr historische Plattbodensegler bekommt, sollte sich bereits jetzt die Strontweek im Herbst vormerken. Dort stehen nicht kurze Wettfahrten, sondern mehrtägige Traditionsreisen über das IJsselmeer im Mittelpunkt.
Bei der historischen Beurtveer segeln Klipper, Tjalken und weitere Plattbodenschiffe mehrere Tage lang ohne Motorkraft über das IJsselmeer bis nach Amsterdam und zurück. Wie sich diese außergewöhnliche Regatta anfühlt, beschreibt Teilnehmerin Hanneke Beers in unserem Bericht “Wenn Plattbodenschiffe um die Wette segeln”.
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