Skûtsjesilen 2026Neue Regeln wirbeln die Plattboden-Szene auf

Antonia von Lamezan

 · 16.07.2026

Skutsjesilen-Flotte auf den friesischen Seen: Ein spektakulärer Anblick, wenn die alten Segelschiffe um die Wette segeln.
Foto: Getty Images / Sjoerd van der Wal
Ab diesem Wochenende liefern sich historische Plattbodenschiffe zwei Wochen lang spektakuläre Rennen auf Frieslands Seen. Einige Regeländerungen sollen dafür sorgen, dass der Titelkampf an Spannung gewinnt. Segelkönnen vor Material, so die Devise.

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​Seit Jahrzehnten gehören die Rennen der historischen Skûtsjes zu den größten Segelsport-Ereignissen der Niederlande. Gesegelt wird auf mehr als hundert Jahre alten Frachtschiffen, die einst Torf und Waren durch Friesland transportierten und heute in packenden Wettfahrten gegeneinander antreten.

Mit der Einführung einer neuen Segelformel will die Skutsje-Vereinigung “Sintrale Kommisje Skûtsjesilen” (SKS) die sportliche Leistung der Crews fairer bewerten.

In Zukunft werden Gewicht und Ballast der Schiffe bei der Berechnung deutlich mehr berücksichtigt. Damit sollen seglerische Fertig- und Fähigkeiten, wie Feintrimm, taktisches Geschick und das handwerkliche Können der Crews stärker in den Vordergrund gerückt werden. Teure Umbauten, manche Skutsjes sind echte Rennmaschinen und haben mit den historischen Vorbildern nur noch bedingt zu tun, sollen nicht mehr so großen Vorteile bringen wie in der Vergangenheit.

Die SKS-Meisterschaft im Skûtsjesilen um das „Sulveren Skûtsje“, die am 17. Juli 2026 startet, wird der erste Testlauf für das neue Regelwerk. Die Saisons 2026 und 2027 gelten als Übergangsphase; ab 2028 muss die gesamte Flotte verpflichtend nach den neuen Parametern vermessen sein.

Favoriten und neue Gesichter

Das Meisterschaftsfeld setzt sich aus Crews zusammen, welche von niederländischen Städten gemeldet werden - es ist also so etwas wie eine Stadtmeisterschaft. Als Titelverteidiger geht in diesem Jahr die Crew aus Heerenveen an den Start. Skipper Sytze Brouwer will die „Gerben van Manen“ erneut auf Meisterschaftskurs halten.

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Besonders gespannt blicken viele Beobachter jedoch auf die Meldung aus Huizum. Dort übernimmt mit dem 29-jährigen Sander Meeter ein neuer Skipper die traditionsreiche Skûtsje „It Doarp Huzum“. Nach seinem Wechsel aus der IFKS-Liga gilt er als eines der spannendsten neuen Gesichter der Saison. Die IFKS-Liga ist eine offene Meisterschaft, an der auch private Eignern teilnehmen können, wohingegen die traditionsbewusste SKS-Liga ein streng reglementierter Einladungswettbewerb für feste, ortsgebundene Schiffe ist. Meeter selbst spricht zwar von einem Lehrjahr, viele sind jedoch neugierig, wie schnell er sich im hochklassigen SKS-Feld behaupten kann.

So verfolgen Zuschauer die Meisterschaft

Für Segelbegeisterte und Urlauber bietet das Skûtsjesilen eine besondere Kulisse. Die Regatten werden dicht unter Land ausgetragen; Wenden, Halsen und Tonnenmanöver sind aus kurzer Distanz zu verfolgen.

Die örtlichen Komitees erheben an den offiziellen Zuschauerplätzen an Land einen kleinen Beitrag von rund 3 Euro, um den Erhalt der Traditionsschiffe zu unterstützen. ​Die Crews laufen meist ab etwa 12:30 Uhr aus den Häfen aus. Wer früh da ist, sichert sich gute Sicht auf die Startphase und die ersten Manöver.

Wettkampfprogramm 2026

(Startzeit der Wettfahrten jeweils planmäßig um 14:00 Uhr)

  • 17. Juli: Traditionelle Auslosung in Grou (Abend)
  • 18. Juli: Eröffnungsrennen in Grou (Pikmar)
  • 20. Juli: De Veenhoop
  • 21. Juli: Earnewâld
  • 22. Juli: Terherne
  • 23. Juli: Langweer
  • 24. Juli: Stavoren (Ruhetag / Nachholtag)
  • 25. Juli: Stavoren
  • 27. Juli: Woudsend
  • 28. Juli: Elahuizen
  • 29. Juli: Lemmer I
  • 30. Juli: Lemmer II (Nachholtag)
  • 31. Juli: Großes Finale auf dem Snitser Mar bei Sneek

Digital & TV: noch näher am Geschehen

Wer nicht live in Friesland sein kann, profitiert 2026 von einem erweiterten Medienangebot. ​Das Skûtsjesilen wird medial für ein breites Publikum zugänglich aufbereitet, sowohl für Kenner als auch für Zuschauer, die das Plattbodensegeln neu entdecken:

  • SKS-Liveblog:
    Erstmals gibt es auf der offiziellen SKS-Website einen Liveblog mit regelmäßigen Updates, Fotos und taktischen Einordnungen direkt vom Wasser. So lassen sich Startphasen, Winddreher und Positionskämpfe auch aus der Ferne nachvollziehen.
  • TV-Übertragung:
    Das „MAX Skûtsje Journaal“ erhält einen prominenteren Sendeplatz. Ab dem 18. Juli wird täglich (außer sonntags) um 19:00 Uhr auf NPO 1 und NPO 2 berichtet. Die Sendezeit erlaubt ausführliche Rennanalysen und Interviews direkt nach den Wettfahrten.

Faszination Plattboden: Blick zur Strontweek

Wer nach der SKS-Meisterschaft Lust auf mehr historische Plattbodensegler bekommt, sollte sich bereits jetzt die Strontweek im Herbst vormerken. Dort stehen nicht kurze Wettfahrten, sondern mehrtägige Traditionsreisen über das IJsselmeer im Mittelpunkt.

​Bei der historischen Beurtveer segeln Klipper, Tjalken und weitere Plattbodenschiffe mehrere Tage lang ohne Motorkraft über das IJsselmeer bis nach Amsterdam und zurück. Wie sich diese außergewöhnliche Regatta anfühlt, beschreibt Teilnehmerin Hanneke Beers in unserem Bericht “Wenn Plattbodenschiffe um die Wette segeln”.


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Antonia von Lamezan ist gebürtige Hamburgerin und studierte Kultur- sowie Sozialwissenschaftlerin (Lüneburg/Kopenhagen). Obwohl die Seefahrt zur Familiengeschichte gehört, fand sie den eigenen Weg aufs Wasser erst als Erwachsene – dann jedoch mit voller Begeisterung und Konsequenz: Innerhalb eines Jahres absolvierte sie alle für die Langfahrt erforderlichen Scheine, tauschte das geregelte Stadtleben gegen das eigene Boot und segelte zwei Jahre lang auf eigenem Kiel durch Europa. Als Volontärin in der Redaktion verbindet sie nun fachlichen Hintergrund mit ihrer Leidenschaft für das Meer, Boote und das Schreiben.

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