SilverrudderBoote, Böen und Bruch

Ursula Meer

 · 16.09.2022

Silverrudder: Boote, Böen und BruchFoto: Yacht/U.Meer

Nach einem fulminanten Auftakt ist das Silverrudder 2022 im vollen Gang – und für manche schon zu Ende, bevor es richtig begonnen hat

Bei gut 20 Knoten Wind mit kräftigen Böen und Schauern gingen die Teilnehmer des Silverrudder 2022 heute Vormittag an den Start. Während viele von ihnen im Sonnenuntergang mit Flaute und Gegenstrom im Großen Belt lange um die Eroberung der Brücke kämpfen (im Tracker zu sehen), ist für einige das Rennen zu Ende, ehe es richtig begonnen hat.

Guter Dinge: Marlene Brudek auf ihrer First 27
Foto: Yacht / U. Meer
Impressionen vom Start

Im dicht gedrängten Startfeld reicht manchmal schon ein zu beherztes Anluven aus, um viele andere in Bedrängnis zu bringen. „Wenn man einmal in so einem Pulk drin ist, hat man keine Chance mehr auszuweichen“, sagt Rolf Beckmann, der heute mit seiner Archambault in der Gruppe „Medium“ gestartet ist. Um nach gut 500 Metern aufzulaufen.

„Da hat es richtig gekachelt im sehr vollen Teilnehmerfeld“, erzählt Rolf Beckmann. Es sollte das siebte Silverrudder des erfahrenen Skippers und Segellehrers werden. Nicht zum ersten Mal hatte er es mit solchen Windverhältnissen wie heute zu tun, gern startet er dann aus der zweiten Reihe. „Wir hatten heute extrem starke, einlaufende Strömung. An der Innenseite ist dann erfahrungsgemäß kein Strom. Ich bin dort schon öfter langgefahren, das hat immer geklappt. Aber da ist dann auch nicht mehr viel Raum, ehe es flach wird“, ist seine Erfahrung aus den letzten Jahren. Heute aber wurde es zu eng für ihn. „Als alle anfingen hochzudrücken, habe ich lieber darauf geachtet, keinem ins Boot zu fahren, als auf das Echolot zu schauen“, erzählt er.

Schon wieder im Hafen, aber dennoch guter Dinge ist Rolf Beckmann, nachdem er heute auf Grund gelaufen ist. „Ich werde hier weiter an den Start gehen, so lange ich das kann“Foto: Yacht/U. Meer
Schon wieder im Hafen, aber dennoch guter Dinge ist Rolf Beckmann, nachdem er heute auf Grund gelaufen ist. „Ich werde hier weiter an den Start gehen, so lange ich das kann“

Kurz darauf sitzt er auf Grund. Nicht zum ersten Mal. „Mit sechs, sieben Knoten auflaufen ist normalerweise kein Problem, da komme ich immer wieder raus. Aber heute hatte ich zehn Knoten auf der Logge, das war viel zu schnell.“ Wind von der einen, Strom von der anderen Seite: Seglerisch war das nicht mehr zu lösen, immer weiter ging die Drift gen Ufer. Ein Motorboot versuchte ihn herauszuschleppen, aber ohne den Einsatz der eigenen Maschine kam er nicht frei. Damit war das verflixte siebente Silverrudder für ihn vorbei. Immerhin konnte er auf dem Weg in den Hafen noch einem anderen Skipper Schlepphilfe geben, der sich die eigene Festmacherleine in den Propeller gefahren hatte.

Wuhling am Start bedeutete auch für Stefan Knabe und seine J 39 das vorzeitige Ende. „Wir fuhren im großen Pulk, und einer ist von Lee einfach nicht im Pulk mitgefahren, sondern hat angeluvt. Er meinte, ich sei ja Überholer und müsste ausweichen. Das konnte ich aber nicht, weil ich Luv sechs, sieben Boote hatte“, berichtet er von einem Dilemma mit Folgen. Am Ende wird es so eng, dass er doch anluven muss. Ein Aufkommer kann nicht mehr weit genug ausweichen und nimmt seinem Großbaum den Heckkorb der J 39 mit, die sich dabei leicht dreht und dem Boot eines Schweden mit dem Gennakerbaum ins Heck fährt. Der wiederum dreht sich ebenfalls und kracht mit dem Gennakerbaum in das nächste Boot in Luv. Dabei bricht auch der Gennakerbaum des Schweden, und nicht nur das: Er hat ein Loch im Schiff und liegt jetzt in der Werft. Stefan Knabe war schon öfter mit seiner J 39 dabei, bisher mit meist guten Erfahrungen. „Das heute war so eine Verkettung: Der eine kommt von Luv hoch und drückt sie alle zusammen.“

Das Rennen ist vorbei, Peter Wrede räumt wieder ein, was er vorher aus Gewichtsgründen ausgelagert hat
Das Rennen ist vorbei, Peter Wrede räumt wieder ein, was er vorher aus Gewichtsgründen ausgelagert hat

Der Hamburger Peter Wrede hatte Pech der anderen Art: Am Vorabend half ihm ein Nachbar, die Genua zu setzen. Ohne sie zu kontrollieren, rollte er sie ein. Heute beim Ausrollen dann die böse Überraschung: Die Genua war nicht ganz in den Keder eingeführt und löst sich nun Meter für Meter aus der Führung. Er setzt noch den Code Zero, schießt aber in einer Bö in die Sonne; der Code Zero reißt, Peter Wrede kehrt um. „Vielleicht war das eine zu schnelle Entscheidung; ich hätte auch einfach weitersegeln können, bis der Wind weniger wird. Das wäre ja gegangen. Hinterher ist man immer schlauer“, resümiert er.

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