Route du RhumWie einst Boris Herrmann – Clapcich auf Championskurs

"11th Hour Racing"-Skipperin Francesca Clapcich in ihrem Element.
Foto: Marie Lefloch/11th Hour Racing
Mit Engagement, Kampfgeist und Beharrlichkeit: Francesca Clapcich hat es in ihrem ersten Jahr mit eigener Imoca weit gebracht: Vor dem Start zur Route du Rhum führt die Italo-Amerikanerin sogar die Imoca-Meisterschaftsserie an. Sie geht mit Boris Herrmanns Ex-“Malizia 3” unter dem neuen Namen “11th Hour Racing” ins Solo-Transat.

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Erst war sie Olympionikin und Skiff-Europa- und Weltmeisterin, trat im Laser Radial und zuletzt 49erFX bei den Spielen an, wo sie in Rio de Janeiro Fünfte wurde. Dann gewann die in Triest geborene und in den USA lebende Francesca Clapcich als erste Italienerin 2023 mit Team 11th Hour Racing The Ocean Race. Das aktuelle Ziel ist die erste Teilnahme an der VendéeGlobe 2028/2029. Schon bei ihrem Einstieg mit eigenem Boot in die Imoca-Klasse war im vergangenen Jahr klar, dass eine Vollblutathletin in den Ring gestiegen ist.

Francesca Clapich: im ersten Jahr mit eigener Imoca an der Spitze

Dennoch überraschte die 38-Jährige mit ihren Ergebnissen bei den ersten Einsätzen mit “11th Hour Racing”, die sie als ehemalige “Malizia 3” von Boris Herrmann übernommen hatte. Vor allem der zweite Platz im Café L’Or, den sie am 7. November 2025 an der Seite von Will Harris im Zweihand-Modus ins Ziel brachte, ließ gleich zu Beginn ihrer neuen Herausforderung als Imoca-Skipperin stark aufhorchen. Den silbernen Podiumsplatz hatten sich Clapcich und Harris mit intensiver Handsteuerung und guter Taktik erobert.

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Es folgten zwei fünfte Plätze im 1000 Race und bei der Vendée Arctique, bevor Frankie Clapcich ihr Team im neuen Ocean Race Atlantic gerade auf den zweiten Podiumsplatz führte. Den Sieg hatte 11th Hour Racing auf dem Kurs von New York nach Lorient nur schmerzlich knapp verpasst, weil Paul Meilhats Team United by the Ocean im Endspurt noch vorbeizog.

Die Gesamtleistung von Francesca Clapcich in ihrem ersten Imoca-Jahr ist bemerkenswert. Natürlich sind noch Neubauten im Entstehen und nicht alle Imoca-Asse im Einsatz. Dennoch muss man die kampfstarke Allrounderin Clapcich als Spitzenreiterin der Imoca-Meisterschaftswertung vor dem Start zur Route du Rhum am 1. November um 13.02 Uhr auf dem Zettel haben. Sie führt die Rangliste mit 356 Punkten vor Top-Favorit Sam Goodchild (”Macif”, 280 Punkte) und Ambrogio Beccaria (”Allagrande Mapei”, 245 Punkte an).

Erfolgreich mit breitem Segelhorizont und dem Boot von Boris Herrmann

Damit segelt Francesca Clapcich nicht nur das frühere Boot von Boris Herrmann, sondern auch in seinem Meisterschaftsheckwasser. Der 45-Jährige war 2021 zum Champion der Imoca-Serie von 2018 bis 2021 gekürt worden – damals noch mit “Malizia 2” (Ex-”Gitana 16”). Mitausschlaggebend dafür war der fünfte Platz bei seiner Vendée-Globe-Premiere 2020/2021. Auch Boris Herrmann startet mit seiner neuen “Malizia 4” hungrig in die 13. Route du Rhum, weiß aber, dass er erst noch dabei ist, seiner erst Anfang Juli in Lorient vom Stapel gelaufenen Rakete ihr volles Potenzial im Solo-Modus zu entlocken.

Francesca Clapcich hat ihre 2022 gebaute und über Jahre erprobte und weiterentwickelte “11th Hour Racing” auch dank Team Malizia, das ihre Kampagne mitmanagt, sehr gut kennengelernt. Ihre bisherigen Erfolge lobte gerade Imoca-Klassenpräsident Antoine Mermod, der sagte: “Ich bin sehr beeindruckt von der Leistung, vor allem, weil sie eine der vielseitigsten Seglerinnen ist, die von den Olympischen Spielen zum Offshore-Segeln gewechselt ist – zunächst mit Crew, dann als Soloseglerin.”

Es gibt nicht viele Segler, die diesen Hintergrund haben. Und mehr noch als dieser Hintergrund ist es auch ihre Leistung, die sehr beeindruckend ist.” Antoine Mermod

Francesca Clapcich ist die Athletin, die sich inklusive ihres Starts im Women’s America’s Cup 2024 in Barcelona anschickt, als historisch Erste unter allen Seglern – Männern wie Frauen – anschickt, alle vier großen Gipfel des Segelsports zu stürmen: Olympische Spiele, The Ocean Race, America’s Cup und – kommt noch – die Vendée Globe. Begleitet wird sie auf ihrem Kurs vom Slogan “Believe, Belong, Achieve”. Jedes einzelne der Worte – Glauben, Zugehörigkeit, Erfolg – ist ihr zweifelsfrei zuzuordnen.

Clapcich ist Kämpferin und sympathische Botschafterin ihrer Werte

Die Mutter einer kleinen Tochter lebt ihr Engagement für Vielfalt, Gerechtigkeit und Inklusion an Land und auf dem Wasser. Sie wirbt glaubwürdig für die Kraft des Gemeinschaftsgefühls im Sport sowie für die Rechte der LGBTQ+-Community, während Klimagerechtigkeit und Nachhaltigkeit ebenfalls ganz oben auf ihrer Agenda stehen. Für Clapcich geht es beim Imoca-Segeln zwar ums Gewinnen, aber auch darum, ihre Werte zu vermitteln und zu versuchen, die Welt zu einem freundlicheren Ort zu machen.

Wie ehrgeizig sie in ihrem Sport ist, war im Ziel des Ocean Race Atlantic sympathisch zu erleben. Sie ärgerte sich seh- und hörbar über den verpassten Sieg, redete ihre Frustration über die Last-Minute-Niederlage im Duell um den Sieg auch als starke Zweite mit ihrem Team nicht schön. Ehemals bei der italienischen Luftwaffe aktiv, ist die mit ihrer Familie in Utah lebende Seglerin eine Kämpferin durch und durch.

Francesca ist ein sehr gutes Vorbild für andere und zeigt, dass es nicht nur einen Weg gibt, in unserem Sport erfolgreich zu sein.” Antoine Mermod

Die Ansage von Francesca Clapcich, die als Elfjährige mit dem Segelsport im italienischen Heimatrevier begann, ist für die Route du Rhum so klar wie die Frau selbst: “In einigen Tagen werde ich zu meinem ersten Solo-Transat an der Startlinie zur Route du Rhum – Destination Guadeloupe sein. Ich führe in der Imoca Globe Series und werde hart racen. Aber bei dieser Überquerung geht es um noch mehr als das Ergebnis.”

​Ich habe mein ganzes Leben damit verbracht, meinen Platz im Segelsport zu finden. Jetzt arbeite ich daran, den Segelsport zu einem Ort für möglichst viele Menschen zu machen.” Francesca Clapcich

Es gibt wenige Segler, die so oft und gerne lachen oder lächeln wie Francesca Clapcich. Das ist auch ihrer optimistischen Lebenseinstellung geschuldet. Niemanden sollte die Freundlichkeit und Lebensfreude darüber hinwegtäuschen, dass diese Frau höchst ehrgeizige Ziele verfolgt. Die Route du Rhum ist wie für viele Imoca-Segler auch ihr Jahreshöhepunkt. Es wird spannend zu beobachten sein, was sie im Solo aus “11th Hour” rausholen kann.

Hier geht es zu einem Rückblick auf das Ocean Race Atlantic mit Francesca Clapcich und ihrem Team 11th Hour Racing. Es zeigt auch, aus welchem Holz die Italo-Amerikanerin geschnitzt ist und wie sie auf die Imoca-Herausforderungen blickt:

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