Wenig Wasser und anfangs viel zu wenig Wind: Als ob der Rhein mit seiner Strömung und der Berufsschifffahrt als Segelrevier nicht schon anspruchsvoll genug wäre, sahen sich die Teilnehmer der diesjährigen Rheinwoche mit zusätzlichen Herausforderungen konfrontiert.
Schon das Einkranen der Boote der teils von weit her angereisten Crews gestaltete sich schwierig, weil der Wasserstand nicht nur auf dem Strom selbst, sondern auch im Starthafen Oberwinter recht niedrig war. Darüber hinaus wehte am ersten Tag nicht mal ein Hauch Wind. Die Regattaleitung sagte daraufhin die erste Wettfahrt nach Mondorf bei Bonn ab.
Die Boote wurden durch das Mittelrheintal und vorbei am Siebengebirge in Schlepp genommen. Einfach sein Boot mit der Strömung treiben zu lassen, ist auf dem Rhein aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt.
Der guten Stimmung konnte das nichts anhaben, berichtet Helge von der Linden gegenüber der YACHT. Er bildet gemeinsam mit Andreas Wiebeck und Christoph Zander den Vorstand der Regattagemeinschaft Rhein, die die Rheinwoche alljährlich auf die Beine stellt. Über die 100. Rheinwoche vor drei Jahren hatten wir ausführlich im Heft und auf yacht.de berichtet.
Das Engagement vieler der Teilnehmer sei bemerkenswert, so Helge von der Linden weiter. „Einige nehmen lange Fahrten in Kauf, um hier dabei zu sein.“ In der Meldeliste standen unter anderem Crews aus Bayern und Baden-Württemberg, von der Ostsee und auch aus den Niederlanden. Eine Schar Segler aus dem Rheingau absolvierten die Anreise sogar auf eigenem Kiel. Und auch die beiden teilnehmenden Assos mussten schon in Koblenz eingekrant und anschließend bis Oberwinter motort werden.
„Die meisten machen hier jedes Jahr mit. Aber wir haben immer auch ein paar Teilnehmer, die das erste Mal dabei sind“, erzählt von der Linden. „Diesmal beispielsweise einen Ilca-7-Segler aus der Nähe von Tübingen.”
Zu den versierten Rheinwoche-Seglern zählen aber keineswegs nur die Crews aus den am Mittel- und Niederrhein ansässigen Vereinen. Prinz Luitpold von Bayern etwa tummelte sich auch in vergangenen Jahren schon im illustren Teilnehmerfeld. Er und seine fünfköpfige Crew vom Bayerischen Yacht-Club holten in diesem Jahr mit der Asso 99 „König Ludwig“ das Blaue Band für die am schnellsten gesegelten Zeiten.
Darauf hätte auch die zweite Asso-Crew gute Chancen gehabt, wäre sie nicht zwischendurch mal auf einer Sandbank gestrandet. „Der Rhein hat halt so seine Tücken“, schmunzelt Helge von der Linden.
Für den berechneten Gesamtsieg über alle Wertungsgruppen reichte es für Prinz Luitpold und seine Mannen freilich nicht. Den sicherten sich die Weseler Lokalmatadore Ralf Teichmann, Jos Vaes und Theresa Neu auf der Yngling „immer süd³“.
Auf den zweiten Gesamtplatz schaffte es ein Einhandsegler: Frank Suchanek vom Segelsportklub Uerdingen absolvierte die Rheinwoche mit einem Skiff vom Typ D-One. Dritter wurde die Zugvogelcrew Jörg Friedlein und Jan Beyer, die für den Segel-Club-Hattingen gestartet waren.
Auf den windlosen Auftakt folgten vier Wettfahrten mit mehr Wind. „Der stand zum Glück sogar gegen den Strom oder wehte zumindest von der Seite. Das macht das Segeln mit der Strömung deutlich einfacher“, erklärt Revierkenner von der Linden. Allerdings: „Rhein-Anfänger tun sich bei dieser Konstellation mitunter schwer, das Boot wirklich bergab zu steuern. Stattdessen kreuzen sie von einer Flussseite zu anderen, weil sie befürchten, andernfalls den Druck aus den Segeln zu verlieren. Dabei machen sie dann aber kaum Strecke zum Ziel.“
Von Mondorf ging es zunächst weiter nach Köln-Porz. Der dortige Club für Wassersport Porz e. V. 1926 wird 100 Jahre alt. Die Rheinwochen-Segler zu Gast zu haben war für die Porzer der Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten. “Im ehemaligen Eiskeller einer Brauerei, unserer “Grotte”, die unserem Verein inzwischen als Bootshalle dient, wurde zur Party geladen”, berichtet Friedrich Wilhelm Teutschbein. Er ist Vorstandsmitglied des CfWP und war für die Porzer Organisator der Rheinwoche 2026.
“Der Stopp in Porz und die Feier dort war toll“, schwärmt Helge von der Linden. „Die Stimmung war fantastisch und man konnte sich bei den heißen Temperaturen wunderbar zwischendurch in der Halle abkühlen.”
Weitere Stationen waren der Hafen von Leverkusen-Hitdorf sowie der des Düsseldorfer Yachtclubs. Am Pfingstmontag nahm die Flotte schließlich Kurs aufs Ziel in Duisburg. Begleitet wurden die Segler während der Tage von einem Passagierschiff, der “Eureka”. Das diente als Versorgungsstation und nächtliches Schlaflager für die Jollensegler. Und auch das Regattabüro war darauf untergebracht.
Außerdem wurden die Segler von mehreren DLRG-Booten begleitet. „Der Organisationsaufwand ist nicht unerheblich, und finanziell können wir die Rheinwoche auch nur dank unserer Sponsoren stemmen”, betont von der Linden. Dazu zählen allen voran die boot Düsseldorf, Pantaenius und von der Lindens eigenes Unternehmen.
Trotz der nicht mehr so hohen Teilnehmerzahlen wie in den Jahren vor der Corona-Pandemie lohne sich die Zeit und Arbeit, die die Ehrenamtlichen in die Rheinwoche steckten, nach wie vor. Von der Linden: “Für viele Segler ist sie eine liebgewonnene Tradition.” Und wenn dann noch, wie in diesem Jahr, manche Boote generationenübergreifend mit Oma, Sohn und Enkelinnen besetzt seien, mache er sich um die Zukunft wenig Sorge. „Der Nachwuchs ist bei vielen Crews schon mit an Bord. Daher bin ich guter Dinge, dass es die Rheinwoche noch sehr lange geben wird.“

Textchef YACHT