RekordversuchSchafft Nordbert Sedlacek diesmal sein großes Lebensziel? Heute Start.

Fridtjof Gunkel

 · 26.07.2026

Der Open 60 AAL ist an eine Imoca angelehnt und......
Foto: Innovation Yachts
Open 60 AAL
Heute um 15.30 Uhr startet Norbert Sedlacek in Les Sables d'Olonne zum sechsten Versuch, die Welt nonstop und ohne Hilfe zu umsegeln. Fünf frühere Anläufe scheiterten an technischen Defekten. Die Route führt über 32.000 Seemeilen bis 80 Grad Nord nach Svalbard und rund um die Antarktis.

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Norbert Sedlacek nimmt am 26. Juli 2026 um 15.30 Uhr in Port Olona, Les Sables d'Olonne, den sechsten Anlauf für einen Weltrekord. Die geplante Route des ANT ARCTIC LAB Challenge umfasst rund 32.000 Seemeilen und führt den österreichischen Skipper nonstop und ohne Unterstützung durch alle fünf Ozeane. Die Innovation Yachts Open60AAL soll dabei westlich der Britischen Inseln nach Norden steuern, bis 80 Grad Nord bei Svalbard erreicht sind, dann südwärts über den gesamten Atlantik zur Antarktis fahren, Kap Hoorn runden und schließlich zurück zum Start- und Zielhafen segeln. Die kalkulierte Dauer liegt bei einem halben Jahr allein auf See. Das Projekt dient gleichzeitig als Praxistest für nachhaltige, vollständig recycelbare Yachtbau-Konzepte.

​Tod oder Leutnant: “Diesmal ziehe ich das durch!”
Norbert Sedlacek in Les Sables d’ Olonne.Foto: J.-M. LiotNorbert Sedlacek in Les Sables d’ Olonne.

Fünf gescheiterte Versuche seit 2018

Der erste Startversuch fand am 29. Juli 2018 statt. Südlich von Irland musste Sedlacek umkehren, weil mehrere Ausrüstungsteile nicht einsatzbereit waren. Im Jahr 2019 folgte der zweite Anlauf, der ebenfalls südlich von Irland endete. In einem aufkommenden Sturm unterliefen dem Skipper Handhabungsfehler mit dem Vorsegel J1, Ausrüstungsteile brachen und das Segel ging verloren. Der dritte Versuch war für 2020 geplant, wurde jedoch wegen der Covid-Pandemie und einer notwendigen Operation Sedlaceks auf 2021 verschoben. Beim dritten tatsächlichen Start 2021 traten südöstlich von Island Probleme mit wesentlichen Elementen der erneuerbaren Energieversorgung auf, was erneut zur Rückkehr zwang. Die Route war zu diesem Zeitpunkt bereits auf die arktischen Gewässer um Svalbard angepasst worden, da die Durchfahrt durch die Nordwestpassage weiterhin verboten blieb.

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Kritiker zweifelten an der Ernsthaftigkeit der Rekordversuche. Immerhin versuchen Regattaskipper bei der Vendée Globe oder anderen Hochseelangstrecken selbst deutlich aussichtlosere Reparaturen so abzuschließen, dass Sie noch im Rennen bleiben oder starten wieder, obwohl das sinnlos erscheinen mag. Und Sedlacek hätte deutlich mehr Zeit gehabt, um neu starten können und nicht erstein Jahr für einen neuen Versuch warten müssen.

Das Projekt bei YACHT-TV

Technische Defekte zwangen Sedlacek zu weiteren Abbrüchen

Der vierte Versuch im Jahr 2022 endete kurz nach der Überquerung des Ärmelkanals unweit der Südküste Irlands. Nach einer stürmischen Nacht stellte Sedlacek Probleme in den Achsbuchsen des Steuerbordruders fest. Die Entscheidung fiel erneut für Vernunft statt Ehrgeiz, der Rekordversuch wurde abgebrochen. Am 6. August 2023 startete die fünfte Auflage des Projekts ANT ARCTIC LAB. Auch dieser Anlauf musste aufgegeben werden, diesmal wegen Problemen mit dem Kielkippkiel und dessen Elektronik. Sedlacek und sein Team bei Innovation Yachts haben nach jedem Abbruch die betroffenen Komponenten überarbeitet und verstärkt.

Open60AAL als Labor für nachhaltigen Yachtbau

Die Innovation Yachts Open60AAL wurde 2016 in Les Sables d'Olonne auf Kiel gelegt und am 16. Mai 2018 zu Wasser gelassen. Das Boot erhielt bereits bei der Premiere Anerkennung für technische Features und das Branding. Das Konzept des Projekts geht über den reinen Rekordversuch hinaus. Die Yacht dient als schwimmendes Labor für zukunftsweisende, nachhaltige und vollständig recycelbare Baumaterialien und -methoden. Indessen: Abgesehen von den Rekordversuchen rund um Arktis und Antarktis hat es keinen ernsthaften Einsatz für das Boot gegeben.

Innovation Yachts arbeitet mit Partnern zusammen, die reduzierten CO2-Ausstoß, recycelte Materialien und Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt stellen. Zu den Partnern zählen unter anderem 3A Composites für Kernmaterialien, BTO Epoxy für Harzsysteme, Oceanvolt für elektrische Antriebslösungen sowie Dimension Polyant und Incidence für Segel. Die Materialtests unter Extrembedingungen in Arktis und Antarktis sollen Erkenntnisse für künftige Yachtbauprojekte liefern.

Route durch extreme Klimazonen

Die geplante Strecke beginnt in Les Sables d'Olonne und führt westlich der Britischen Inseln nach Norden. Bei Spitrzbergen wird die Route bis 80 Grad nördlicher Breite verlaufen, bevor es südwärts über den gesamten Atlantik geht. Auf der Südhalbkugel folgt die Umrundung der Antarktis im Südpolarmeer, inklusive der Passage von Kap Hoorn. Anschließend geht es nordwärts zurück zum Start- und Zielpunkt. Die psychische und physische Belastung für Sedlacek wird enorm sein. Die Wahl von Les Sables d'Olonne als Starthafen basiert auf Sedlaceks erfolgreichen Erinnerungen an seine Teilnahme am Vendée Globe.

Partnernetzwerk für Ausrüstung und Logistik

Das Projekt ANT ARCTIC LAB wird von einem breiten Partnernetzwerk unterstützt. Neben Innovation Yachts selbst sind Unternehmen wie Kapsch für Kommunikationstechnik, Katadyn für Wasseraufbereitung, Lorima für Carbon-Masten, Robline für Tauwerk und Sioen Ursuit Muillon für Schutzkleidung beteiligt. Weitere Partner liefern Nahrung, Navigationssysteme und Wettervorhersagen. Die Les Sables d'Olonne Agglomération und Course au Large unterstützen das Projekt vor Ort. Vincent Lebailly zeichnet als Schiffsarchitekt verantwortlich, Lebailly Fils für Isolierungsarbeiten. Das österreichische Unternehmen Saaf Rent und die britische Firma Expedition Zero sind ebenfalls Teil des Teams. Die Zusammenarbeit zielt darauf ab, die höchste Qualität und sauberste Materialien für maßgeschneiderte Yachten anzubieten.

Wer den Start und den weiteren Verlauf verfolgen möchte: Hier geht es zum Tracker

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Fridtjof Gunkel

Fridtjof Gunkel

Stellvertretender Chefredakteur YACHT

Fridtjof Gunkel, geboren auf Helgoland, startete dort seine Segelkarriere im Opti und stieg schnell auf Kielboote um. Admiral’s Cup, Weltmeisterschaften und weitere internationale Regatten sowie eine Teilnahme im Whitbread Round the World Race Race waren seine prägenden seglerischen Stationen, ebenso wie ausgedehnte Fahrtentörns in Europa und Übersee. Bei der YACHT ist er bereits seit 1985. Er segelt privat einen Performance/Cruiser mit Liegeplatz an der Ostseeküste, seine Lieblingsreviere sind die schwedischen Schären und die Bretagne.

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