Was als Hobby auf der Elbe begann, hat sich zu einem erfolgreichen Segelprojekt mit eigener Community entwickelt. Hannes Cord, heute 28 Jahre alt, filmte vor zehn Jahren erstmals seine Erlebnisse auf einer Jolle – zunächst nur für sich, mit einer GoPro und ohne konkrete Pläne. Aus den privaten Aufnahmen entstand später mehr: Cord machte sich als Filmemacher mit eigener Agentur selbstständig und gründete „Sailing Generation“.
Gemeinsam mit drei Freunden betreibt er heute die „Helium“, eine Matcher 37, die als schwimmendes Labor für Video-Content dient. Die vier teilen sich alle Kosten – von der Ausrüstung über den Liegeplatz bis zu Sicherheits-Equipment und ORC-Messbrief. Mit maximalem Einsatz zeigt die Crew, dass Regattasegeln auch mit begrenzten Mitteln möglich ist.
Inspiriert von Offshore-Seglern wie Lennart Burke, Melwin Fink oder Newcomer Jannes Llull zeigen sie auf ihre Weise, was möglich ist. Sie dokumentieren alles: Bootsarbeit, Bordleben, Törns – und neuerdings ihre ersten Regatten, bei denen sie lernen, was es heißt, zu racen, statt nur zu segeln. „Es geht nicht um Perfektion, sondern darum, als junge Menschen gemeinsam ein Boot zu betreiben“, sagt Cord im Gespräch mit der YACHT. Die Lernkurve sei steil, doch genau das mache das Konzept aus: Rückschläge, Improvisationen, Emotionen – alles eingefangen im Video, charmant, sympathisch und unterhaltsam.
Und das kommt an. Nach eigenen Angaben zählte der gleichnamige Kanal im letzten Jahr über 150.000 Aufrufe, die Community wächst. Als Nächstes stehen das Ærø Rund und das 24-Stunden-Segeln in der Kieler Bucht auf dem Programm. Gewinnen wäre schön, sagt Cord. Doch Gemeinschaft und guter Content sind das eigentliche Ziel.
Nach dem Tod seines Vaters 2014 stand Runar Åsly vor der Entscheidung, die familieneigene Dufour 425 zu übernehmen oder einen anderen Weg zu gehen. Er entschied sich gegen das Boot und die hohen Unterhaltskosten. Stattdessen wählte er einen älteren, dänischen 30-Füßer und baute ihn nach eigenen Vorstellungen um.
Was erst wie ein Kompromiss wirkte, entwickelte sich zu einem eigenen Projekt: Maximale Leistung mit kleinem Budget. Der Name „Terra Pi“ ist dabei Programm – eine Kombination aus „Terra“ für Erde und „Pi“ für den Raspberry Pi, mit dem Åsly seine eigene Navigationslösung mit OpenPlotter gebaut hat.
Im Vergleich zur Dufour wirkte das Boot anfangs einfach und abgenutzt, sagt Åsly. Doch schon nach wenigen Wochen änderte sich seine Sicht komplett: Das Boot war wendig und bot genau das, was er suchte. Er erneuerte die Segel, ersetzte das Ruder, überholte den Innenausbau und modernisierte die Elektronik. „Ganz billig ist sie nicht mehr“, sagt er, „im Vergleich zu den modernen Yachten, gegen die ich bei Regatten antrete, liege ich aber noch immer bei einem Bruchteil der Kosten.“ Seine Erfahrungen teilt er bei Instagram.
Die größte Herausforderung stellte allerdings eine große Rumpfreparatur dar. Ein Vorbesitzer hatte vergebens versucht, die Unterwasserform zu verändern. Mit Hilfe von Freunden meisterte er die Reparatur: „Das meiste habe ich noch nie zuvor gemacht. Es geht um den Lernprozess.“ Åslys Empfehlung: „Kaufe ein Boot mit guter Substanz, nicht mit gutem Anstrich.“ Sich früh daran zu gewöhnen, Arbeiten selbst durchzuführen, sei entscheidend. Zudem müsse man akzeptieren, dass so ein Projekt nie abgeschlossen ist. „Das ist Sinn der Sache.“
Beide Beispiele erzählen nicht von perfektem Material oder fertigen Konzepten. Sie erzählen von Leuten, die mit begrenzten Mitteln anfangen, Verantwortung übernehmen und ihr Projekt Schritt für Schritt weiterentwickeln. Genau darin liegt der Reiz dieses Low-Budget-Racings: nicht im Hochglanz, sondern im Machen.
Ist Regattasegeln heute wirklich vor allem eine Geldfrage, oder entscheiden am Ende eher Einsatz, Lernbereitschaft und Teamgeist? Schreiben Sie Ihre Meinung in die Kommentare.

Redakteur News & Panorama
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