Im Herbst dieses Jahres serviert der New York Yacht Club eine neue Regatta: die NYYC Women’s International Championship – eine Meisterschaft nur für Frauen. Gesegelt wird bei der Einladungsregatta auf den Booten der IC37-Clubflotte. Zur Meisterschaft vom 12. bis zum 19. September 2026 sind im Bilderbuchrevier von Newport ausschließlich Seglerinnen zugelassen. 20 Skipperinnen aus 14 Nationen stehen auf der Teilnehmerliste.
Unter ihnen sind Erfolgsseglerinnen wie Laser-Radial-Olympiasiegerin und Weltmeisterin Lijia Xu (Royal Hong Kong Yacht Club), die Matchrace-Könnerin Katie Spithill (Royal Prince Alfred Yacht Club) und auch die Ocean-Race-Weltumseglerin und Women’s-America’s-Cup-Zweite Hannah Diamond (Royal Themses Yacht Club), die mit SailGP-Erfahrung antritt.
Unter deutscher Flagge, aber mit internationaler Crew nimmt Lena Weißkichel Kurs auf das Einladungsrennen des New York Yacht Club. Ihr Aurora Sailing Team hat sich aus dem Netzwerk des Magenta-Projekts rekrutiert, das sich auf vielen Ebenen und mit Mentoring-Programmen für Frauen im Segelsport stark macht. Ziel der als ehrgeizige Amateur-Mannschaft ins Rennen gehenden Seglerinnen ist es, „mit Exzellenz und Professionalität“ in der Flotte der 20 Teams zu bestehen.
Lena Weißkichel war in olympischen Klassen wie Laser Radial, 49erFX und Nacra 17 aktiv, bevor Shorthanded-Offshore-Einsätze folgten. Mit “Booteflüsterer” Max Gurgel hat sie für die mögliche Olympia-Premiere der neu angedachten Mixed-Pffshore-Disziplin im Zweihandmodus trainiert und Regatten bestritten, bis das IOC diesen Vorschlag des Weltseglerverbandes ablehnte.
Auf Sönke Meyer-Sawatzkis ClubSwan 50 „Niramo“ war Lena Weißkichel von 2021 bis 2023 als Navigatorin im Einsatz. „Das hat auch mit dazu beigetragen, dass ich mir jetzt diese Skipperrolle zutraue“, erzählt Lena Weißkichel mit Blick auf die Herbst-Herausforderung beim New York Yacht Club, die dort von Gründungspartner Rolex unterstützt wird.
Seit 2024 segelt Lena Weißkichel intensiv in der nicht-olympischen Nacra-17-Schwesterklasse F18. IAuf diesem Katamaran würde sie in der Zukunft gerne im Mixed-Team mit ihrem Steuermann und Weltmeister Ravi Parent die erste Frau werden, die einen Weltmeistertitel holt. „Das ist so ein Ziel von mir“, sagt die 26-Jährige, die sich gerne hohe Ziele steckt. Parallel segelt sie noch den eigenen A-Class-Katamaran. Die andere XL-Herausforderung wird in diesem Jahr die Teilnahme an der Women's International Regatta beim New York Yacht Club sein.
Im Idealfall wollen die Seglerinnen für ihr Aurora Sailing Team 80.000 bis 100.000 US-Dollar an Sponsorengeldern und Unterstützung einwerben, um die Meldegebühren, das Training und Teilnahme zu finanzieren. 25.000 US-Dollar sind schon beisammen. Die an Land als Führungskräftecoach und als Leiterin des Mentoring-Programms für The Magenta Project aktive gebürtige Hannoveranerin will beim Frauengipfel ihre Leidenschaft für die Förderung von Seglerinnen mit ihrer professionellen Erfahrung im Bereich Teamentwicklung verknüpfen.
Über das Aurora Sailing Team, das zunächst als Ein-Jahres-Kampagne angelegt ist, sagt Lena Weißkichel: „Wir sind ein Team mit starken Seglerinnen ganz unterschiedlicher Hintergründe aus dem großen Netzwerk des Magenta-Projekts. Wir wollen viel lernen, zusammenwachsen und außergewöhnliche Erfahrungen machen.” Die Crew-Mitglieder repräsentieren sieben Nationen: Deutschland, die USA, Indien, Schweden, die Türkei, Großbritannien und Neuseeland.
Neben Lena Weißkichel ist mit der in Kiel lebenden Bundesliga- und Champions-League-Seglerin Alexandra Lauber aus Überlingen mindestens eine weitere deutsche Seglerin dabei. In der Liga startet sie für den Bodensee-Yacht-Club Überlingen. Die Medizinerin bringt auch Erfahrung aus dem ClubSwan-36- und Cape-31-Racing mit.
„Mir war es sehr wichtig eine gute Taktikerin und eine gute Vorschiffsfrau an Bord zu haben“, sagt Lena Weißkichel. „Unsere Taktikerin Beka Schiff kommt aus den USA, hat viel Matchrace-Erfahrung und ist auch als Mentorin in diesem Bereich aktiv. Bei Alex kann ich mich darauf verlassen, dass der Spi immer sauber runterkommt. Sie hat den Überblick und die Augen überall, erkennt Probleme schon, bevor sie da sind.“
Mit zehn berufstätigen Frauen und Seglerinnen aus fünf Ländern will sich das Aurora Sailing Team mit seinem Einsatz bei der vom New York Yacht Club veranstalteten internationalen Frauen-Meisterschaft dafür einsetzen, „die Positionen von Frauen im Segelsport und in der breiteren maritimen Industrie zu verbessern“.
Unser Team ist für alle Frauen, die im Segelsport unterwegs sind und sich fragen: Wie kann ich auf einem hohen Level segeln, ohne dass ich gleich meinen Job kündigen und als Profi einsteigen muss.” Lena Weißkichel
Lena Weißkichel sagt: „Wir haben alle einen normalen Job, den wir nicht kündigen wollen, segeln aber trotzdem auf sehr hohem Niveau. Wir sind nach Definition des Weltsegler-Verbandes alle in der Amateur-Kategorie, treten aber professionell auf und bewegen uns auf hohem Level, haben sehr hohe Ansprüche an uns.“ Gelingt der Erstaufschlag, soll die Kampagne weitergehen, die in Newport für den Long Beach Yacht Club startet. Weitere Vereine können dazukommen.
Nicht jeder kann losgehen und ein eigenes Segelteam gründen. Daher gibt es unser Segelteam, für das sich Leute bewerben, einsteigen und hoffentlich in Zukunft auch bei anderen Projekten mitmachen können.” Lena Weißkichel
Die Teilnahme an der Meisterschaft ist nur auf Einladung möglich, aber trotzdem mit Kosten verbunden: Die Meldegebühr beträgt 5000, die Kaution (”Damage Deposit”) 10.000 US-Dollar. “Die müssen auch wieder aufgefüllt werden, wenn während der Regatta Schäden entstehen”, erklärt Lena Weißkichel. Hinzu kommen Reise- und Übernachtungskosten. Hier haben die Gastgeber aber bereits Unterstützung signalisiert, wollen nach Möglichkeit mit der Unterbringung bei Clubmitgliedern helfen.
Auf Kurs New York Yacht Club sucht das Team langfristige und nachhaltige Sponsoren, die den Frauen die Möglichkeit bieten, „weibliche Elitesport-Segelprojekte“ über die Saison 2026 hinaus zu betreiben. Die NYYC Women’s International Championship beschreiben sie als „eine seltene rein weibliche Veranstaltung in der Bootsklasse, in der nach wie vor überwiegend Männer antreten“.
Die Regatta selbst und ihre Teilnahme sehen die Frauen sowohl als „wichtigen Meilenstein für das Team als auch als bedeutenden Schritt nach vorne für Frauen in diesem Sport“. Ein Ergebnisziel haben sich die Frauen in dieser Kampagnenphase des Teamaufbaus noch nicht gesetzt. “Gewinnen will man natürlich immer, vor allem aber wollen wir super viel lernen”, sagt Lena Weißkichel, die sich und das Projekt hier kurz vorstellt. Dabei unterstreicht sie auch: “Es geht bei diesem Projekt nicht um mich, es geht ums Team!”
Die erste Ausgabe der Frauen-Meisterschaft beim New York Yacht Club findet vom 12. bis 19. September 2026 beim New York Yacht Club in Newport, Rhode Island statt. Die Regatta wird mit den 20 IC37-Booten im Besitz der Gastgeber ausgetragen. Das 37-Fuß-Kielboot mit Pinne und asymetrischem Spinnaker wurde von Mark Mills nach den Vorgaben des Clubs entworfen. Das One-Design IC37 ist ein 11,30 Meter langes leistungsstarkes und sportliches Einrumpfboot, das eine gute Teamarbeit und Athletik belohnt.

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