MidsummerSailKnierim-Multi “Nica” auf Rekordkurs? “Es wird echt eng!”

Tatjana Pokorny

 · 25.06.2026

So blickte die "Nica"-Crew am Donnerstagmorgen nach fast vier Tagen auf See auf den Horizont.
Foto: Team Nica

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Viel Flaute und nur Funken Hoffnung: Team Nica ringt bei der MidsummerSail von Wismar nach Töre um eine neue Bestzeit. Zu schlagen sind 4 Tage, 19 Stunden, 7 Minuten und 46 Sekunden. Inzwischen ist klar: Das wird knapp.

​Sechs Männer treiben den Knierim-Multi „Nica“ seit dem Start zur MidsummerSail am 20. Juni um 13.45 Uhr maximal an. Sie sind aufgebrochen, den vier Jahre alten Rekord von Mathias Müller von Blumencrons früherer „Red“ anzugreifen. Die Class40 hatte die längste Ostseeregatta über rund 900 Seemeilen von Wismar nach Töre 2022 in 4 Tagen, 19 Stunden, 7 Minuten und 46 Sekunden gemeistert. Seitdem hält der Rekord.

Noch eine Nacht: “Nica” im MidsummerSail-Endspurt

Die bei der MidsummerSail dominant führende “Nica” müsste die Ziellinie bis Freitagmorgen (26. Juni) um 8:52:46 Uhr erreichen, um den Rekord zu egalisieren. Jede Sekunde früher würde eine neue Bestzeit markieren. Doch die Windbedingungen bei der laufenden 11. Edition des Ostsee-Marathons haben es den aktuellen Rekordjägern schwer gemacht. Die Rekordhoffnungen sind nicht mehr riesig – aber auch noch nicht erloschen.

Es wird echt eng.” Michael Höfgen

“Nica”-Navigator und Stratege Michael Höfgen ist Teil des Teams um Skipper Gorm Gondesen. Knierim-Partner Steffen Müller, Tim Kunze, Till Eggert und Sven Jacobsen bilden die Crew auf dem quietschgrünen und schnell segelnden Mehrrumpfboot. Der High Performance Cruiser aus der Feder von Roger Hill war 2022 bei Knierim vom Stapel gelaufen. Seine zwei Rümpfe sind in Kohlefasersandwich-Konstruktion gebaut.

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Mehrrumpfrekord für “Nica” machbar

Bei der MidsummerSail hatten diese Rümpfe das Team knapp vier Tage nach dem Start des Rennens vom südlichsten zum nördlichsten Punkt der Ostsee bis Donnerstagmittag schon auf die Höhe von Umea gebracht. Etwa auf gleicher Höhe – aber auf der Straße an Land – fuhr am Donnerstagmittag zeitgleich Organisationsleiter Robert Nowatzki dem Zielhafen entgegen. “Wir haben noch etwa vier Stunden Fahrt vor uns. Wir schaffen den Rekord”, erzählte Nowatzki augenzwinkernd.

Der Initiator der Agora direct MidsummerSail sagte: “Der Wind wird für ‘Nica’ noch etwas besser, aber sie müssen auch noch kreuzen, sobald sie in den Fjord kommen. Mit viel Glück wird es ein Anlieger. Die Crew hat Michael Höfgen dabei. Der ist da im vergangenen Jahr mit seiner ‘Lightworks’ als erster eingekreuzt und weiß, wo es eng wird.”

Sollte es für “Nica” nicht mit dem Streckenrekord über alle Klassen klappen, könnte das Team immer noch der Mehrrumpfrekord für die MidsummerSail angreifen. Die hält “Flaneur” – ebenfalls seit 2022 – mit 5 Tagen, 38 Minuten und 16 Sekunden. Da müsste die gut 19 Meter lange “Nica” erst am Nachmittag ankommen.” So oder so gilt: Die Stimmung an Bord von “Nica” ist positiv angespannt. “Die Flautenzone hat uns ganz schön ausgebremst. Wir werden sehen… Die Stimmung an Bord ist super, das Essen auch. Nach der letzten Nacht wissen wir mehr.”

Zahme MidsummerSail, Segeln in Sichtweite

Drei Ausfälle und ein pausierendes Team zeigen den eher milden Charakter der elften Auflage der MidsummerSail, die im vergangenen Jahr auch wilde Zeiten erlebte. “Es ist auch interessant, dass sich das Feld erst jetzt langsam zu teilen beginnt. Da waren zwei große Gruppen irre lange zusammen, so um Stockholm herum konnten sie sich gegenseitig sehen”, erzählt Robert Nowatzki.

​Eine besondere Eigenschaft der MidsummerSail, so der Ideengeber und Veranstalter der Agora direct MidsummerSail, sei die Vielfalt der startenden Boote in Kombination mit der Kurslänge. “Das Rennen zeigt mit seinen wechselnden Bedingungen, was ein Boot wirklich kann. Das ist wie ganz viele Bootstests in Folge in Nicht-Laborbedingungen – einfach faszinierend zu sehen”, sagt Robert Nowatziki.

Im Zielhafen Töre indessen sind die Vorbereitungen für die Zieldurchgänge schon angelaufen. Dorthin waren Harald Libuda und Daniel Lewin auf der “Passatempo” vom Spandauer Yacht-Club vorausgefahren, haben bereits alle Flaggen hochgezogen. Schon in der Vergangenheit als Helfer bei der MidsummerSail im Einsatz, unterstützen sie das Rennen auch in diesem Sommer im Zielhafen Töre, wo die Teilnehmenden die berühmte gelbe Tonne ansteuern.

RÜCKBLICK! Die immer noch gültigen Speedrekorde der MidsummerSail wurden 2022 aufgestellt. Hier der Clip dazu:

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Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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