Es waren 2022 Skipper Mathias Müller von Blumencron, Felix Oehme und Wolf Scheder-Bieschin, die der Agora direct MidsummerSail eine neue Bestmarke schenkten. Die 900 Seemeilen von Wismar ins kleine schwedische Töre meisterte das Trio in 4 Tagen, 19 Stunden, 7 Minuten und 46 Sekunden. Damals unterboten sie mit Mathias Müller von Blumencrons früherer Class40 “Red” den Rekord gleich um fast einen ganzen Tag.
Das Rennen hatte der Skipper auch abseits vom Rekordjubel begeistert beschrieben: “Es war wunderbar mit magischen Momenten. Das Tolle ist: Du fährst dem Licht entgegen. Und alle 24 Stunden wird es so viel heller. Toll waren auch diese Farben, die wir am Ende hatten. Die Sonnenuntergänge und -aufgänge hier dauern ja ewig – es war ein tolles Erlebnis.”
Der “Red”-Streckenrekord konnte seitdem bei drei weiteren Auflagen nicht geknackt werden. In diesem Jahr ist er wieder die Messlatte für die Schnellsten. Am 21. Juni, wenn bei der Kieler Woche das erste Wochenende brummt, fällt in Wismar der Startschuss zum 11. MidsummerSail, deren vorherige Auflage 2025 “Flying Dragon” und “Lightworks” bei den Multi- und Monohulls gewonnen hatten.
Auch in diesem Jahr beginnt die MidsummerSail ganz klassich am südlichsten Punkt der Ostsee in Wismar und endet nach 900 Seemeilen im schwedischen Töre an der berühmten gelben Tonne. Die markiert den nördlichsten Punkt der Ostsee und ist bei allen Finishern das beliebteste und wichtigste Fotomotiv. “Deswegen machen wir es auch!”, sagt Steffen Müller und lacht. Die meisten im Ziel ankommenden Segler steigen auf die Tonne und machen Fotos. Die Tonne symbolisiert: Wir haben es geschafft!
Die Startschüsse zur MidsummerSail werden von Mitgliedern des Schützenvereins Hanse e.V. 1990 in historischen schwedischen Uniformen aus traditionellen Musketen auf der Seebrücke in Wendorf abgefeuert. Los geht es am 21. Juni ab 13 Uhr mit dem ersten von vier Starts. Die Sonne wird dann ihren höchsten Stand des Jahres erreicht haben, denn das Mittsommer-Wochenende fällt in diesem Jahr auf den 19. bis 21. Juni. Der 21. Juni ist der längste Tag des Jahres. Der Startschuss für die vierte und letzte Gruppe soll um 13.45 Uhr fallen.
Die Kulisse könnte dafür mit Blick auf das große Schwedenfest kaum passender sein, denn die Startlinie verläuft zwischen den sogenannten Schwedenköpfen in der Wismarbucht. Crews auf 81 gemeldeten Yachten wollen die Herausforderung annehmen. Das Feld bietet mit großer Bandbreite vom Hightech-Racer bis zum Familienboot alle Typen, die der Segelsport zu bieten hat. Preise gibt es für die Einrumpf- und Mehrrumpf-Schnellsten, das kleinste Boot im Ziel, die kleinste Crew im Ziel, dazu ORC- und IRC-Medaillen und eine Erinnerungsmedaille für jeden Finisher.
Zu jenen, die in diesem Jahr den Rekord angreifen könnten, zählt Gorm Gondesens Knierim-Multi “Nicca”. “Das Boot ist top ausgerüstet, leicht und im sehr guten Zustand”, sagt Crew-Mitglied und Knierim-Yachtbau-Partner Steffen Müller. Die vierköpfige Crew vervollständigen Tim Kunze udn Till Eggert. Das Quartett hat naturgemäß den “Red”-Rekord im Blick. Ob sie eine Chance haben, die Bestmarke zu knacken? “Da kann man nur vorsichtig antworten: Das hängt vom Wetter ab”, sagt Steffen Müller.” Dabei sind er und die Crew, “zum einen, weil wir es noch nicht gemacht haben, zum anderen, weil es eine herausragende Möglichkeit ist, zu einem Punkt zu segeln, zu dem man sonst nie kommt”.
Gefasst machen müssen sich alle Teilnehmer auf alles. Das 2016 aus der Taufe gehobene Rennen Agora direct MidsummerSail wird seinem Ruf als längste und härteste Ostseeregatta oft und immer wieder anders gerecht. Sie überrascht ihre Teilnehmer jedes Jahr aufs Neue. Die Bedingungen reichen von Flaute bis Sturm. Manche erleben auch die völlige Isolation vom Feld, auf der anderen Seite aber auch das von Mathias Müller von Blumencron so schön beschriebene Licht in den langen Sommernächten das Nordens.
Eine Bitte an die Teilnehmenden kam vor gut einer Woche von der Schwedischen Küstenwache noch auf die Aufgabenliste der Crews dazu. Die Skandinavier schrieben in einer Email an die Veranstalter: “Während der Midsummer-Regatta 2025 durchquerten viele Segelboote auf ihrer Hin- und Rückfahrt Robbenreservate entlang der Küste. Wir möchten dies im Jahr 2026 verhindern und bitten Sie daher, Ihre Teilnehmer über die Gebiete zu informieren, in denen 2025 Verstöße festgestellt wurden, damit niemand versehentlich gegen Umweltgesetze verstößt.”

Freie Reporterin Sport
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