Kurz, aber sehr intensiv: So verlief die zweite Auflage des Fig’Armor. Vier Solisten und neun Zweihand-Crews nutzten das 260-Seemeilen-Rennen von und nach Lorient in der Biskaya, um sich alleine oder im Doppel zu verbessern, auf weitere Saisonereignisse vorzubereiten oder – wie Jens Meiser und Andreas Wittmann – um ihr noch junges Figaro-Engagement weiter auszubauen, zu lernen und voranzukommen. Gewonnen haben die Zweihand-Wertung in der anspruchsvollen Ei(!nheitsklasse die Favoriten Hugo Dhallenne und Chloé Le Bars auf “Skipper Macif 2025” in 2 Tagen, 6 Minuten und 45 Sekunden.
Co-Skipperin Chloé Le Bars sagte in Lorient: „Es war ein spannender Kampf mit der ‘Faun’! Nach Groix haben wir uns gefragt, wann sie kommen würden, um uns unter Druck zu setzen. Wir durften keinen Fehler machen und mussten konzentriert bleiben, um gute Manöver zu zeigen. Am Ende eines Rennens ist es immer komplizierter, zumal das Tempo bis zum Schluss sehr hoch war. Sich auf der richtigen Seite zu positionieren, wenn man enge Verfolger hat, ist eine Aufgabe, an die ich noch nicht so gewöhnt bin – Hugo hat mir dabei gut geholfen!”
Nur 22 Sekunden (!) nach den Siegern kamen schon Adrien Simon und Nicolas Troussel auf “Faun” ins Ziel. Die beiden Top-Crews lieferten sich im Fig’Armor ein packendes Rennen bis zum Schluss. Als dritte Crew segelte nur gut 18 Minuten nach den Siegern mit Colombe Julia und Laure Galley die einzige rein weibliche Crew aufs Podium. Auch dieses Rennen hat gezeigt, wie eng es in der leistungsstarken Klasse der Figaro Bénéteau 3 zugeht. Eine Anregung kam im Ziel noch vom dreimaligen Fig’Armor-Teilnehmer Hugo Dhallene: “Wenn man bei diesem Rennen Punkte für die Meisterschaft im nächsten Jahr sammeln könnte, wäre das super!“
Für die deutschen Erstteilnehmer Jens Meiser und Andreas Wittmann war der neunte und letzte Platz in der Zweihandflotte nicht das, was sie wollten. Doch hinter dem Ergebnis, bei dem die Segelfreunde vom Bodensee auch nur gut zweieinhalb Stunden nach den Siegern ins Fig’Armor-Ziel kamen, steckt viel mehr.
Für uns war es das bislang intensivste Offshore-Rennen.” Jens Meiser
Nach kurzem technischem Schluckauf vor dem Start waren Jens Meiser und Andreas Wittmann zunächst gut über die Linie gekommen. Zwischenzeitlich hatten sie sich dann im Kraftakt im kleinen, aber feinen Feld sogar bis auf Rang drei vorkämpfen können. Die gute Botschaft für die Figaro-Lover aus Deutschland: die Manöver funktionierten, die Zusammenarbeit ebenso. Nur an Speed fehlte es im Vergleichs mit Frankreichs Figaro-Profis noch etwas.
Andreas Meiser, der im Dezember 2024 eher zufällig einer Figaro Bénéteau begegnet war, sie 2025 charterte und sein Können und seine Erfahrung in diesem Jahr mit unterschiedlichen Co-Skippern wie jetzt im aktuellen Fig’Armor mit seinem langjährigen Segelfreund Andreas Wittmann ausbaut, sagte nach der Intensivprüfung in der Biskaya: „Wir waren eigentlich sehr selbstbewusst ins Rennen gegangen. Andreas und ich haben an Bord vom ersten Moment an hervorragend zusammen funktioniert. Aber wir haben zunächst einfach nicht die Geschwindigkeit ins Boot bekommen.”
Taktisch hatte das Rennen für Meiser/Wittmann mit einer Überraschung begonnen: Die Flotte zog auf Backbord Richtung Île de Groix. Das vorbereitete Routing des deutschen Doppels dagegen hatte klar die andere Seite favorisiert. Meiser und Wittmann entschieden sich gegen das eigene Routing und für eine einfache Regattaregel: „Stick to the fleet – bleib bei der Flotte.“
Als „Yuman“ mit François Jambou und Pascal Fievet später wendete und den Weg zurück unter Land suchte, begann sich das Bild zu verändern. Die “Chipmunk” (GER 20) fand zunehmend in den eigenen Rhythmus und konnte den Speed der Konkurrenz besser mitgehen. Vor Penmarc’h folgte die erste echte navigatorische Bewährungsprobe. Die französischen Revierkenner trauten sich auf ihrem Kurs tief in den anspruchsvollen Felsgarten hinein. Meiser und Wittmann folgten – ließen sich von den Tracks der vorausfahrenden Figaros leiten, mussten dabei aber mit entsprechend hoher Konzentration in der Navigation agieren.
Zu dem Zeitpunkt segelte die “Chipmunk” der Konkurrenz im Fig’Armor immer noch hinterher. Dann kam der Raz de Sein, eine Meerespassage im südlichen Iroise-Meer zwischen der Île de Sein und der Pointe du Raz. Schon in der Vorbereitung hatte die GER-Crew diese Passage als einen der kritischen Punkte des Rennens identifiziert. Sie wussten: Insbesondere die starken lokalen Gezeitenströme am Raz de Sein und an der Chaussée de Sein würden ein präzises Timing erfordern.
Als die Flotte in den einsetzenden Gegenstrom geriet, konnte “Chipmunk” wieder aufschließen. Meiser und Wittmann entschieden sich für einen Kurs dicht unter Land, arbeiteten sich bei zeitweise rund 2,6 Knoten Gegenstrom am Leuchtturm La Plate vorbei. Die Passage gelang – und erstmals war die deutsche Zweihand-Crew nicht mehr Letzter. “Das war ein wichtiger Moment für uns. Nach dem schwierigen Beginn merkten wir plötzlich: Jetzt sind wir wieder im Rennen”, blickte Jens Meiser auf den Rennverlauf zurück.
Noch besser kam es wenige Stunden später. In den frühen Morgenstunden schlief der Wind zunehmend ein. Es kamen Bedingungen, mit denen die beiden Seglern, die sich vor allem in den Nächten im Ein-Stunden-Rhythmus abwechselten, von ihren heimischen süddeutschen Revieren bestens vertraut sind. Den Übergang meisterten Meiser und Wittmann stark. Mit einer sauberen Ansteuerung der nächsten Kursmarke an der Chaussée de Sein schoben sie sich durchs Feld und rundeten dort als drittes Boot.
Es folgte ein langer Offshore-Schlag in die Biskaya – mit mehr als 100 Seemeilen der mit Abstand längste Abschnitt des Rennens. In der folgenden Nacht entwickelte sich das zuvor von Taktik und Strategie geprägte Rennen zum Speedwettkampf. Unter Reacher, Jib und Groß lief “Chipmunk” mit 11 bis 13 Knoten durch die Dunkelheit. Gischt fegte permanent über Deck. „Das Wasser kam irgendwann so massiv über das Boot, dass eine Skibrille durchaus ihre Berechtigung gehabt hätte”, erzählte Meiser. Aber auch dies: „Genau in solchen Momenten merkt man auch, warum einen dieses Segeln nicht mehr loslässt.“
Etwa fünf Prozent Speed fehlte dem noch nicht so erfahrenen deutschen Figaro-Doppel im Vergleich zu den Top-Booten, so tippte Jens Meiser. Das machte sich auf dem langen Schlag bemerkbar. Nach der Wende zurück Richtung Bretagne folgte am Morgen die andere Seite des Offshore-Segelns: Sonnenaufgang, Gennaker und rauschende Gleitfahrt vorbei an Belle-Île und Quiberon. Nach einer langen Nacht wurde dieser Part für Meiser und Wittmann zum Genussabschnitt. Dass sie die Ziellinie als Letzte erreichten, schmälerte die Erstleistung nicht. “Es gibt keinen Grund, das Ergebnis schönzureden, aber es ist auch keien Enttäuschung”, sagte Jens Meiser.
Der Figaro-Neueinsteiger, der zuhause auf dem Bodensee eine Esse 850 solo oder mit Freunden segelt, hatte sich über den anspruchsvollen Einstieg in Frankreichs Talentschmiedeklasse keine Illusionen gemacht, sagte: “Das Zweihandfeld war klein, aber mit erfahrenen französischen Figaro-Seglern stark besetzt. Unter anderem standen François Jambou und Pascal Fievet, Adrien Simon und der frühere Solitaire-Sieger Nicolas Troussel sowie Hugo Dhallenne und Chloé Le Bars auf der Meldeliste.”
Entscheidender als der neunte Platz war für das deutsche Duo deshalb der Abstand: Nach rund 270 Seemeilen erreichte GER20 das Ziel nur rund zweieinhalb Stunden nach dem Top-Team im Ziel. Meiser weiß: „Wir sind Amateure und segeln hier gegen eine Profiflotte mit enormer Figaro- und Reviererfahrung. Natürlich wollen wir weiter nach vorne. Aber dieses Rennen hat uns gezeigt, dass wir den Faden gefunden haben.”
Zwischenzeitlich als Dritte eine Marke zu runden und am Ende zeitlich so nah an der Flotte zu sein, macht uns eher hungrig als enttäuscht.“ Jens Meiser
Fast wichtiger als die Platzierung ist für Meiser und Wittmann eine andere Erkenntnis. Die langen Stunden auf See, schwierige Entscheidungen, Schlafmangel, Navigation, Manöver und das permanente gemeinsame Arbeiten am Boot haben die beiden langjährigen Freunde als Crew enger zusammengebracht. „Andreas und mich hat dieses Rennen noch einmal enger zusammengeschweißt. Wir haben gelernt, uns auch unter Belastung aufeinander zu verlassen, gemeinsam Entscheidungen zu treffen und das Boot weiter zu pushen. Das möchten wir nicht missen.“
Für die beiden Segler vom Bodensee endet das Fig’Armor deshalb weniger mit einem neunten Platz als mit einer positiven Erkenntnis, die Meiser auf den Punkt brachte: “Das war nicht das Ende. Das macht Lust auf mehr!” Am Samstag war das Duo bereits auf dem Heimweg nach Süddeutschland. Dort wartet vom 21. bis 23. August bereits die nächste Herausforderung: Die Ein- und Zweihand-Regatta rund um den Bodensee in Regie des Yacht Club Bregenz.
Jens Meiser plant nach dem Fig’Armor den Doppeleinsatz im Heimatrevier, will mit seiner Esse 850 erst das Solo und dann die Doublehand-Prüfung angehen. Für den Zweihand-Einsatz schaut er noch nach einem Mitstreiter, weil Andreas Wittmann im Urlaub ist. Was er auch dieses Mal wieder in Frankreichs Seesegelwiege La Base und in der Figaro-Klasse erlebt und gelernt, will Meiser daheim einbringen. Er sagt: “Es war ein tolles Erlebnis. Wir haben als Segler viel gelernt, sind weitergekommen. Du bist ja als Segler nie fertig mit dem Lernen. Diesen Spirit aus dem hochprofessionellen französischen Umfeld nehmen wir gerne mit nach Hause.”

Freie Reporterin Sport
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