EM Seascape 18Heimspiel für Lisa Berger – vom Globe40 zum EM-Gold

Tatjana Pokorny

 · 07.06.2026

Die neuen Europameister in der Seascape 18: Ursoš Krasevac und Lisa Berger.
Foto: privat
Sportboote kann sie auch: Globe40-Weltumseglerin Lisa Berger hat mit dem slowenischen Steuermann Uroš Kraševac die Beneteau First 18 SE Europameisterschaft gewonnen. Für die Österreicherin war es nach Segeleinsätzen rund um die Welt das erste Heimspiel auf dem Attersee seit mehr als vier Jahren. Es war auch ihr erster Einsatz auf einer Seascape.

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Globe40-Weltumseglerin Lisa Berger hat es bei der EM für die Klasse Beneteau First 18 SE zuhause auf dem Attersee krachen lassen. Mit dem slowenischen Steuermann Uroš Kraševac ersegelte sie in zehn Rennen über vier Tage vier Tagessiege und insgesamt nur 27 Punkte. Die Seascape 18-Gala reichte zu EM-Gold vor dem versierten slowenischen Matchracer Dejan Presen und Dénes Szilágyi. Zu den EM-Endergebnissen geht es hier.

Nach sieben Jahren: zweites EM-Gold für Lisa Berger

Raphael Lorenz vom Yacht-Club Seeshaupt segelte mit Leoni Kluge und Antonia Schirner als beste deutsche Crew zu EM-Bronze. Sie waren als einzige unter 33 Crews in Dreier-Konstellation im Einsatz. Angelika Stark und Martin Pöll holten als EM-Sechste den österreichischen Meistertitel bei einer Serie wie aus dem Segelbilderbuch. Vor bergiger Kulisse waren die Bedingungen auf dem Attersee “herrlich”, wie viele Teilnehmer berichteten. Nur das Rennen am Finaltag musste in sehr leichten Winden verkürzt werden.

Erfahrener EM-Gastgeber war der Union-Yacht-Club Attersee. Für Lisa Berger bedeutete das Austragungsrevier einen Glücksfall. Sie ist am Attersee zuhause, war aber viele Jahre nicht mehr auf dem Heimatrevier im Einsatz. Zuletzt hatte sie mit Jade Edwards-Leaney die Zweihand-Weltumseglung Globe40 bestritten. Gemeinsam hatten die oberösterreichische “Wilson”-Skipperin und der Waliser gezeigt, was mit einem Boot von 2010, unbedingtem Willen und Leidenschaft möglich ist.

Der aktuelle EM-Einsatz, den sie mit ihrem zweiten EM-Gold nach dem Gewinn der Mixed-Offshore-EM 2019 mit Christian Kargl krönte, war eher spontaner Natur. Der Anruf vom Steuermann Uroš Kraševac, ob sie mit ihm die Serie bestreiten wolle, war wenige Tage vor dem ersten Startschuss gekommen. Lisa Berger ist spontan – und sagte zu, obwohl sie nie zuvor eine Seascape gesegelt hatte. Das EM-Gold spricht daher zum einen für die Güte ihres Steuermanns und zum anderen für ihre schnelle Adaptionsfähigkeit. Und Lisa Berger weiß jetzt: “Diese Boote machen so viel Spaß! Ich hätte nicht gedacht, dass es auch im Handling so coole Boote sind!”

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Berger verneigt sich vor Kraševac

Auch hat ihr das Comeback auf dem See vor der eigenen Haustür hat der humorvollen Skipperin viel Freude gemacht. “Wir sind hier jeden Tag Rennen gesegelt. Das ist auf dem Attersee keine Selbstversändlichkeit. Die Bedingungen waren ideal”, sagt die junge Frau, die von der heimischen Terrasse aus auf den Attersee blicken kann, auf dem sie endlich wieder einmal aktiv sein und gleich den EM-Titel holen konnte.

​Ihren EM-Steuermann Uroš Kraševac kennt Lisa Berger aus der gemeinsamen Mini-Zeit. Er war 2023 als Serienboot-Fünfter bester Rookie im Mini-Transat. Sie erzählt: “Wir haben uns damals in der Qualifikation zum Mini-Transat kennengelernt. Er ist ein extrem guter Segler und war auch jetzt bei der EM “The Brain” bei uns an Bord. Ich bin sicher, dass er ein Mini-Transat gewinnen würde, wenn er die Unterstützung dafür finden würde.”

Lisa Berger selbst hat längst andere Pläne, will ab Herbst 2027 an der Einhandweltumseglung Global Solo Challenge teilnehmen. Ihre Class40 “Wilson” liegt aktuell in Kiel-Schilksee, geht dort demnächst aus dem Wasser. “Im ersten Schritt lassen wir Mast, Rumpf und Kiel scannen, wollen schauen, ob das Boot strukturell okay ist. ‘Wilson” ist ja ein älteres Boot. Deshalb ist das wichtig”, erklärt die 36-Jährige.

“Wilson” in Kiel, die nächste Weltumseglung im Visier

Die weiteren Pläne, so die unerschrockene Meeresstürmerin, seien dann von den Testergebnissen abhängig. Lisa Berger denkt laut und sagt: “Im besten Fall bastle ich einige Monat am Boot. Im Idealfall geht es im Herbst zurück ins Wasser. Die Teilnahme am RORC-Transat mit Gästen wäre danach eine Möglichkeit. Vielleicht auch der Start im Caribbean 600.” In der perfekten Welt würde Lisa Berger das Boot danach einhand nach Europa zurücksegeln. “Ich muss ja das Solosegeln trainieren”, erklärt die “Wilson”-Eignerin ihre Planungsgedanken. Sicher ist für sie: “Wilson fährt nochmal um die Welt!”

So haben Fans Lisa Berger im Globe40 kennengelernt – die “Wilson”-Skipperin im Q&A während der Weltumseglung:

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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