Classic Weekend BodenseeGelassenheit schlägt Ehrgeiz

Antonia von Lamezan

 · 04.09.2026

Segeln, Austausch und Beisammensein: Zahlreiche hölzerne Klassiker kommen zum Classic Weekend am Bodensee zusammen.
Foto: Lennart Thiemann
Das Classic Weekend Bodensee vereinte Ende August klassische Yachten und Jollen, gemeinsames Fahrtensegeln und eine Wettfahrt mit Augenzwinkern. Im Rennen um die „goldene Ananas“ führte die Strecke in diesem Jahr durch alle drei Anrainerländer des Sees. Niedrigwasser und eine Unwetterfront verlangten durchdachte Organisation und gute Seemannschaft.

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Wer an ein Regattawochenende denkt, hat meist emsiges Treiben vor Augen: Die Crew wird pünktlich an Deck zitiert, das Unterwasserschiff geschrubbt, überflüssige Ausrüstung an Land gestapelt und die Segelgarderobe für den Wettkampf vorbereitet. Im Sporthafen Bregenz auf der österreichischen Seite des Bodensees zeigt sich zum Classic Weekend jedoch ein anderes Bild. Dort liegen zahlreiche hölzerne Klassiker, von der kleinen Hansajolle und BM Kieljolle über Jollenkreuzer verschiedener Größe und Drachen bis hin zur eindrucksvollen skandinavischen Hochseeyacht, ein Havskryssare. Statt hektischer Manöverbesprechungen prägt gelassene Geselligkeit das Bild: Auf den Schiffen wird bei geöffneter Luke geplaudert, und aus Gewichtsgründen am mitgebrachten Grillgut und guten Getränken zu sparen, kommt nicht infrage.

Das Classic Weekend Bodensee, organisiert von Sylvie Schneider als regionale Vertreterin des Freundeskreises Klassische Yachten (FKY), besetzt eine Nische, die im stark durchorganisierten Regattasport selten ist. Die mehrtägige Ausfahrt ist vor allem als Treffen unter Gleichgesinnten gedacht: eine Reminiszenz an das italienische „La dolce far niente“, das süße Nichtstun auf dem Wasser. Zugelassen sind traditionell gebaute Boote und Yachten aller Größen und Baujahre.

Kaltgetränke statt Strafrunden

Zwar wird das Treffen formell als Regatta-Veranstaltung geführt und über die Klassiker-Länge-Rennwert-Formel (KLR) ausgewertet, der wettkämpferische Ehrgeiz wird jedoch zugunsten des Gemeinschaftserlebens hinten angestellt. Um den lockeren Charakter einer Spaßregatta zu bewahren, änderte die Organisatorin die klassischen Wettfahrtregeln kurzerhand ab: Wer auf dem Kurs eine Wegerechtsverletzung begeht oder zu früh startet, muss keine 360-Grad-Strafrunde drehen. Stattdessen gibt der Verursacher des Fehlers im nächsten Zielhafen ein Kaltgetränk für alle aus. Dahinter steckt ein pragmatischer Gedanke: Die Teilnehmenden sollen fair miteinander umgehen und den Spaß in den Vordergrund stellen, statt um jeden Preis gewinnen zu wollen. Lieber räumt man sich gegenseitig Wegerecht ein, als die schönen alten Boote durch Kratzer zu gefährden.

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Niedrigwasser und Unwetterfront

Dass beim Classic Weekend Bodensee gute Seemannschaft vor Podestplätzen steht, zeigte sich auch in diesem Jahr: Die extrem niedrigen Wasserstände stellten die Veranstalter vor die Herausforderung einer vorausschauenden Routenplanung. Die Organisatoren vermaßen die Liegeplätze vorab und verlegten Yachten mit bis zu zwei Metern Tiefgang teilweise in Nachbarhäfen, um etwa Grundberührungen in flachen Hafeneinfahrten zu verhindern. Der Kurs führte in diesem Jahr von Bregenz über Steinach und Friedrichshafen nach Konstanz und damit durch Österreich, die Schweiz und Deutschland. Das Besondere: Erstmals wurden alle drei Anrainerländer des Bodensees in die Strecke einbezogen.

Auch das Wetter erforderte Umsicht: Als am Freitag eine unbeständige Wetterlage mit drohender Unwetterfront die 14 Kilometer lange Etappenüberquerung von der Schweiz auf die deutsche Seite gefährdete, wurde die Tages-Wettfahrt aus Sicherheitsgründen gestrichen. Die Eigner entschieden selbst, ob und wann sie zum nächsten Etappenziel aufbrechen: Kleinere, offene Boote motorten bereits im Morgengrauen über den See, um der Front zuvorzukommen, während andere Crews entschieden, den Tag sicher im Schweizer Hafen auszusitzen. Unterstützt wurde das Feld erstmals von einem Sicherungsschiff des Versicherungsvermittlers Pantaenius, das mit den Vertretern der Büros Schweiz, Österreich und Süddeutschland das Feld an allen Tagen begleitete.

Gemeinschaftskurs für Klassikerszene

Am Ende konnte eine Gesamtwertung aus zwei Wettfahrten ermittelt werden. Die Crew des Drachen “Liemba” sicherte sich die symbolische „goldene Ananas“, vor dem 35er Nationalen Kreuzer „Riki“ und auf Rang 3 kam der Vertenskreuzer „Sternle II“. Die Platzierung blieb eher Nebensache. Im Vordergrund standen die gemeinsamen Hafenabende, der Wissensaustausch und die geteilte Freude an den Youngtimern und historischen Schiffen.

Für Eigner aus fremden Revieren bietet das Format einen niedrigschwelligen Zugang zum anspruchsvollen Bodenseerevier. Die Organisation übernimmt administrative Hürden wie Hafenkoordination und Organisation vom Slippen oder Kranen sowie die Törnplanung. Ein Angebot, das von den Teilnehmern schmunzelnd als „betreutes Segeln“ bezeichnet wird.

Das Classic Weekend findet alle zwei Jahre im Wechsel mit der Bodensee Traditionswoche statt, die der Verein Oldtimerschiffer Bodensee (OSB) ausrichtet. Durch die enge Kooperation beider Initiativen rückt die süddeutsche Klassikerszene zusammen, mit dem gemeinsamen Ziel, die Faszination für historische Yachten auf dem Wasser erlebbar zu machen.

Im kommenden Jahr findet die Bodensee Traditionswoche 2027 vom 01.-06. August statt.


Buchtipp

Der Bodensee führt durch Obersee, Untersee und Überlinger See und bündelt die für Segler relevanten Informationen zu Häfen, Ansteuerungen, Navigation und den Besonderheiten des Reviers. Gerade nach einem Sommer mit extremem Niedrigwasser hilft der Hafenführer dabei, Törns und Liegeplatzwechsel fundierter zu planen. Luftbilder, Hafenpläne sowie Hinweise zu Wetterwarnsystem und Bodenseeschifferpatent ergänzen die historische Einordnung um konkrete Praxis.


Was macht für Sie den besonderen Reiz eines Klassikertreffens aus: das Segeln, die Boote oder die Begegnungen im Hafen?


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Antonia von Lamezan ist gebürtige Hamburgerin und studierte Kultur- sowie Sozialwissenschaftlerin (Lüneburg/Kopenhagen). Obwohl die Seefahrt zur Familiengeschichte gehört, fand sie den eigenen Weg aufs Wasser erst als Erwachsene – dann jedoch mit voller Begeisterung und Konsequenz: Innerhalb eines Jahres absolvierte sie alle für die Langfahrt erforderlichen Scheine, tauschte das geregelte Stadtleben gegen das eigene Boot und segelte zwei Jahre lang auf eigenem Kiel durch Europa. Als Volontärin in der Redaktion verbindet sie nun fachlichen Hintergrund mit ihrer Leidenschaft für das Meer, Boote und das Schreiben.

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