Arkea Ultim ChallengeDetails vom Crash, Caudrelier heute am Kap der Guten Hoffnung

Andreas Fritsch

 · 19.01.2024

Arkea Ultim Challenge: Details vom Crash, Caudrelier heute am Kap der Guten HoffnungFoto: Guillaume Gatefait/SVR Lazartigue
Läuft nach Kapstadt ab: Tom Laperche
Bittere Stunden für Tom Laperche, der sein Boot vorsichtig nach Kapstadt segelt, während Charles Caudrelier heute am frühen Nachmittag die erste große Landmarke, das Kap der Guten Hoffnung, passiert

Laperche meldete sich heute das erste Mal selbst zu Wort und berichtete, wie der Crash mit Treibgut gestern ablief: “Es hat die ganze Nacht ziemlich gut funktioniert. Ich hatte einige gute Segel- und Trimmkonfigurationen gefunden, und wir fuhren weder zu schnell noch zu langsam, mit einer guten Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 35 Knoten. Am Ende der Nacht gab es dann plötzlich einen gewaltigen Knall und einen heftigen Aufprall. Da das Schwert das Treibgut getroffen hatte, wurde die Unterseite des Rumpfes beschädigt, und im Bruchteil einer Sekunde drang Wasser in der zentralen Sektion ein. Ich schaute mich im Boot um und stellte fest, dass es noch beherrschbar war. Wir mussten die Fahrt so weit wie möglich verlangsamen und die Segel einholen. Jetzt müssen wir das Boot so unbeschädigt wie möglich zurückbringen.”

Es scheint also doch nicht das Foil des Lee-Rumpfes betroffen zu sein, sondern das Schwert des Hauptrumpfs.

“Jetzt ist es superhart, für das Boot, für mich und das ganze Team, mit all den Leuten, die dafür gearbeitet haben, dass der Trimaran SVR Lazartigue am Start war und dass wir nach zehn Tagen Regatta an der Spitze der Flotte auf einer Weltumrundung waren. Wir müssen jetzt die nächsten vier Tage auf See überstehen, ohne dass es noch schlimmer wird. Ich habe es geschafft, das Boot in die richtige Richtung zu steuern, und ich werde nicht zu schnell segeln. Wasserstand und Bewegungen des Schwertes werde ich überwachen. Wir haben immer noch 35 Knoten Wind, der aber im Laufe des Tages abflauen und die See ruhiger werden sollte.”

Meistgelesene Artikel

1

2

3

4

5

Stand des Rennens um 11 Uhr. “SVR” ist langsamer geworden, “Sodebo” kommt von achtern aufFoto: Arkea Ultim Challenge BrestStand des Rennens um 11 Uhr. “SVR” ist langsamer geworden, “Sodebo” kommt von achtern auf

Im Live-Tracker ist “SVR Lazartigue” in der letzten Stunde allerdings deutlich langsamer geworden, fährt nur noch etwa 7 Knoten und ist auf Südkurs gegangen, hoffentlich nicht, weil sich die Situation auf dem angeschlagenen Boot verschlechtert hat. Laperche hat noch knapp 1.000 Meilen bis Kapstadt zurückzulegen, bei seinem Speed gestern wären das vier Tage gewesen, sollte er deutlich langsamer werden, verlängert sich das natürlich entsprechend. Das Team hat sofort seine Abreise nach Kapstadt organisiert und wird den Skipper dort erwarten oder falls nötig ihm auch entgegenfahren.

Derweil steuert der Führende Charles Caudrelier auf die Länge des Kaps der Guten Hoffnung zu, zu dem es noch knapp 500 Meilen sind. Bei seinem derzeitigen Speed von rund 35 Knoten würde das bedeuten, dass er es am frühen Nachmittag passiert. Er zeigte sich betroffen von der Nachricht der Havarie von “SVR Lazartigue”:

“Traurige Nachrichten heute Morgen. Tom hat bekannt gegeben, dass er ein Problem an seinem Boot hatte. Es sieht so aus, als sei der Schaden ernst. Wir hatten einen großartigen Wettbewerb, der für jemanden, der erst 25 Jahre alt ist, unglaublich war. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie es war, als ich 25 war. Aber mit einem Boot wie diesem wäre ich nicht in der Lage gewesen umzugehen. Selbst jetzt mit fast 50 ... pfft. Um mich aufzumuntern, habe ich mir ein Seeteufel-Curry gegönnt. Ich weiß, dass Armel auch welches hat, also hoffe ich, dass es ihm schmeckt. Und ich habe heute Morgen den Vorteil, dass ich weniger Druck habe. Ich muss nicht so sehr auf die Geschwindigkeit achten wie zuvor, als Tom dabei war. Ich habe den Moment genutzt, um die Dinge aufzuräumen und das Boot einmal durchzuchecken. Wir sind mit einem verrückten Tempo unterwegs gewesen. Jetzt hat sich die Atmosphäre verändert. Und die Art, wie wir segeln.”

Währenddessen versucht Thomas Coville mit “Sodebo Ultim3” weiter im Norden des Tiefs den Anschluss an den Führenden nicht zu weit abreißen zu lassen, ist nach einem langsameren Tag gestern wieder etwas schneller geworden, doch sein Rückstand ist auf etwas über 900 Meilen angewachsen, und er segelt fast 10 Knoten langsamer als Charles Caudrelier. Seine Kurslinie führt ihn ziemlich dicht an “SVR Lazartigue” vorbei, der noch etwa 100 Meilen vor ihm liegt.

Dahinter haben “Actual Ultim 3” von Anthony Marchand und Armel Le Cléac’hs “Banque Populaire XI” endlich fast das Hoch umfahren, das ihnen den Weg gen Südosten versperrt hat. Doch sie mussten einen Umweg von fast 500 Meilen segeln, der Bug zeigt noch immer gen Süd, das VMG ist niedrig, ihr Rückstand ist auf über 2.300 Meilen angewachsen. Und vor ihnen entwickelt sich ein größeres Hoch, das sie noch weiter einbremsen könnte. Keine guten Aussichten also, Meilen auf die Führenden wettzumachen.


Das könnte Sie auch interessieren:

Artikel teilen:
Andreas Fritsch

Andreas Fritsch

Freier Autor

Andreas Fritsch segelte seit Kindesbeinen an, erst mit der Jolle, später mit eigenen Kielschiffen auf der Elbe und der Ostsee. Ab 1997 arbeitete er für die YACHT, ab 2001 schwerpunktmäßig im Bereich Reise und Charter. Er war in fast allen Revieren weltweit unterwegs und gilt als Charter-Experte. Er hat zwei Revierführer für das Mittelmeer geschrieben. Seit einigen Jahren segelt er mit einem GFK-Klassiker vom Typ Grinde auf der Ostsee und arbeitet aktuell als Freier Autor für YACHT und BOOTE.

Meistgelesen in der Rubrik Regatta