Andreas Fritsch
· 01.02.2024
Gestern überraschte der Blick auf den Race Tracker viele Fans: Nachdem Thomas Coville wegen eines gerissenen Backbord-Trampolins und eines beschädigten Bugkorbs einen Stopp in Hobart angekündigt hatte und gestern Abend dort angekommen war, segelte “Banque Populaire XI” immer weiter nach Norden bis nach Australien kurz vor Canberra und versteckte sich dort im Schutz des Festlands, fuhr stundenlang nur noch mit 2,5 bis 4 Knoten Speed. Was war los? Le Cléac’hs Team meldete wenig später, dass er für ”technische Checks” kurz den Schutz des Landes suchte. Erst gegen 10 Uhr heute Morgen ging der Franzose wieder auf Kurs, allerdings eher in Richtung Neuseeland. Dafür aber mit Vollgas: Mit 33 Knoten versucht er dem schweren Sturmtief aus dem Weg zu gehen, das von Süden aufzieht, scheint entweder zwischen Neuseelands Nord- und Südinsel passieren zu wollen oder vielleicht sogar im Norden. Doch dort wird am Samstagmorgen ebenfalls ziemlicher Seegang erwartet, sechs Meter werden es wohl auch dort.
Die hatte Thomas Coville wohl schon gestern bei der Anfahrt nach Hobart, sein Team, das die sichere Ankunft des Skippers gegen 19 Uhr UTC gestern vermeldete, bestätigte das. Doch “Sodebo Ultim 3” könnte jetzt in der Falle sitzen: Eigentlich dürfte Coville heute um 19 Uhr nach der obligatorischen Zeitstrafe wieder ablegen, doch die Rennleitung vermutet, dass er seinen Re-Start wegen des Seeganges von neun Metern und Wind von über 50 Knoten verschiebt, von vielleicht erst Sonntag ist die Rede.
Wenn “Banque Populaire XI” die Flucht vor dem übelsten Wetter gelingt, dürfte das einen Rückstand auf Platz zwei von bestimmt über 2.000 Meilen für Thomas Coville bedeuten. Was natürlich bitter für den Franzosen wäre, der sich mit seiner Reparatur des Foil-Mechanismus so lange auf Platz zwei gehalten hatte. Während die beiden also durch das raue Wetter im Süden reichlich Boden verlieren, macht Charles Caudrelier unbeeindruckt in Riesenschritten Meilen auf Kap Hoorn gut. Keine 2.000 Meilen trennen ihn von der letzten großen Landmarke des Rennens. Kein Wunder, dass der Führende sich trotz aller Vorsicht mittlerweile in ersten Sieg-Kalkulationen ergeht. Sollte er von größerem Bruch verschont werden, sollte er wohl als Erster ins Ziel kommen, so der Skipper erstmals.
Derweil steckt Verfolger Anthony Marchand mit seiner “Actual Ultim 3” in der Mitte des Ozeans in leichten Winden fest, die er vermutlich erst morgen überwunden haben wird. Dann beginnt für ihn die Verfolgungsjagd. Falls Thomas Coville wirklich bis Sonntag stoppen sollte, dürfte er seine 3.000 Meilen Rückstand auf den dann Drittplatzierten wohl halbieren können.

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