Arkea Ultim ChallengeCaudrelier auf Kurs Point Nemo, Duell um Platz zwei

Tatjana Pokorny

 · 30.01.2024

Charles Caudreliers "Maxi Edmond de Rothschild" segelt bei der Arkea Ultim Challenge auf Erfolgskurs
Foto: Yann Riou/polaRYSE/Gitana S.A.
Der Begriff des “einsamen Spitzenreiters” trifft bei der Arkea Ultim Challenge in doppelter Hinsicht auf Charles Caudrelier zu. Der 49-jährige “Maxi Edmond de Rothschild”-Skipper dominiert das Feld auch nach der 22. Nacht der Arkea Ultim Challenge. Mit riesigem Vorsprung raste Charles Caudrelier am Morgen des 30. Januar im Pazifik Point Nemo entgegen. Weit hinter ihm musste Thomas Coville den von hinten heranstürmenden Armel Le Cléac’h fürchten

Der “einsame Spitzenreiter” der Arkea Ultim Challenge nähert sich dem einsamsten Ort der Welt: Charles Caudrelier segelte am Dienstag nach der 22. Nacht der Arkea Ultim Challenge mit rund 2.600 Seemeilen Vorsprung vor dem Zweitplatzierten Thomas Coville Point Nemo entgegen. Bis zum pazifischen “Pol der Unzugänglichkeit” hatte der “Maxi Edmond de Rothschild”-Skipper am Dienstagmorgen nur noch rund 1.500 Seemeilen zu absolvieren. Point Nemo ist der Punkt auf der Erde, der am weitesten von Festland und Inseln entfernt ist.

Arkea Ultim Challenge: Charles Caudrelier segelt auf Rekordkurs

Vom Point-Nemo-Längengrad aus hat der mit einem jüngsten Vier-Stunden-Schnitt von fast 35 Knoten Bootsspeed durch den Pazifik sprintende Charles Caudrelier dann noch einmal etwa 2.000 Seemeilen bis Kap Hoorn zu meistern. Dann darf er wieder links in den Atlantik abbiegen und auf die Zielgerade einbiegen.

Nach gut drei Wochen auf See segelt Gitanas Nummer eins damit weiter auf Rekordkurs. Rekordhalter François Gabart hatte die Welt 2017 in 42 Tagen, 16 Stunden, 40 Minuten und 35 Sekunden umsegelt. Caudrelier hat in seiner ersten Rennhalbzeit gezeigt, dass er und sein Boot das Zeug dazu haben, die Fabelzeit zu knacken.

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Duell um Platz zwei: Coville vs. Le Cléac’h

Immer spannender entwickelt sich das Senario hinter Caudrelier. Lange Zeit hatte Thomas Coville (”Sodebo Ultim 3”) seinen zweiten Platz unangefochten inne. Nun kommt ihm von hinten Armel Le Cléac’h mit hohem Tempo von zuletzt 36 Knoten Speed immer näher. Am Dienstagmorgen trennten die beiden nur noch rund 300 Seemeilen.

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Bedenkt man den 24-Stunden-Reparaturstopp von Armel Le Cléac’h im brasilianischen Recife, so ist das eine herausragende Leistung von ihm auf der blauen “Banque Populaire XI”. Über Nacht hat Armel Le Cléac’h Kap Leeuwin passiert. Schon bald könnte er zu Thomas Coville aufschließen, der in den vergangenen Stunden “nur” auf einen Schnitt von rund 30 Knoten kam.

“Viel Wind, viel Meer … Ohne einen Moment der Ruhe”, so hatte Armel Le Cléac’h die Bedingungen am Sonntag beschrieben. Und in etwa so waren sie auch am Dienstagmorgen noch. “Banque Populaire XI” segelt an der Vorderseite einer Front, die sich in seinem Südwesten vertieft.

Starke Aufholjagd von Armel Le Cléac’h

“Dieses Tiefdruckgebiet ermöglicht ihm einen ausgezeichneten Kurs", erklärt Fred Le Peutrec von der Rennleitung. Es sei aber kompliziert, denn Le Cléac’h müsse vor der Front bleiben, dürfe nicht von dem Tiefdruckgebiet eingeholt werden. Dazu hat der “Banque Populaire XI”-Skipper mit reichlich Seegang zu kämpfen. Seine Aufholjagd hält der 46-jährige Skipper aus Saint-Pol-de-Léon aktuell aber sehr gut durch.

Für Thomas Coville dagegen ist nichts einfach. Laut Fred Le Peutrec ist es schwer vorstellbar, dass der Skipper nicht “durch ein (oder mehrere) technische Probleme behindert” ist. Man merke, dass er langsamer fährt, dass der Geschwindigkeitsunterschied erheblich ist, erklärte Fred Le Peutrec. Außerdem sei Coville sehr nördlich geblieben, viel nördlicher als “Maxi Banque Populaire XI”. Bisher hat sich das Sodebo-Team aber noch nicht zu möglichen weiteren technischen Problemen geäußert.

Mehr als einen Ozean hinter dem Spitzenreiter

Mit 5.785 Seemeilen Rückstand auf den führenden Charles Caudrelier ist als Vierter auch Anthony Marchand auf “Actual Ultim 3” wieder gut in Fahrt gekommen. Der 38-Jährige aus Saint-Brieuc segelte am 30. Januar etwa beim 45. Breitengrad Süd am tiefsten im Indischen Ozean.

Seine Verfolgung hat “Adagio”-Skipper Éric Péron in weiter leichten Winden aufgenommen. Péron lag am Dienstagmorgen bei knapp 6.900 Seemeilen Rückstand auf Charles Caudrelier mehr als einen ganzen Ozean hinter dem einsamen Spitzenreiter.

Charles Caudrelier, Thomas Coville, Armel Le Cléac’h, Anthony Marchand und Éric Péron – hier berichten die Skipper von Bord:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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