Tatjana Pokorny
· 21.01.2024
Am Ende der zweiten Woche der historischen Premiere der Arkea Ultim Challenge ist Charles Caudrelier der Meilenkönig im Indischen Ozean. Sein Vorsprung vor dem zweitplatzierten Thomas Coville auf “Sodebo Ultim 3” war am dritten Rennsonntag auf fast 1.300 Seemeilen angewachsen. Nach dem Motto “Die Reichen werden reicher” rauschte Caudrelier auf “Maxi Edmond de Rothschild” am 21. Januar an den Crozetinseln im südlichen Indischen Ozean vorbei.
Die Leute reden viel mit mir über Rekordzeiten. Aber mein Ziel ist es, Kap Hoorn mit einem Boot in gutem Zustand zu passieren und dieses Rennen zu gewinnen” (Charles Caudrelier)
Der in Paris geborene und in der Bretagne aufgewachsene ehemalige Offizier der französischen Handelsmarine lässt die Muskeln seiner Ultim-Gigantin aus dem Gitana-Rennstall spielen. Auf Kurs Kap Leeuwin erreichte Caudreliers Riesenfoiler zuletzt über 24 Stunden eine Durchschnittsgeschwindigkeit jenseits von 32 Knoten. Caudreliers Video-Clip am Ende des Beitrags zeigt, wie das in der Realität etwa beim 45. Breitengrad Süd in den Brüllenden Vierzigern aussieht.
“Die Leute reden mit mir viel über Rekordzeiten. Aber mein Ziel ist es, Kap Hoorn mit einem Boot in gutem Zustand zu passieren und dieses Rennen zu gewinnen”, stellte Charles Caudrelier am Wochenende klar. Der zweimalige Ocean-Race-Gewinner sagte: “Ich versuche, eine gute Geschwindigkeit zu finden – nicht zu schnell. Und ich versuche, nicht über 40 Knoten zu fahren.”
Caudreliers Verfolger Thomas Coville hat inzwischen als Zweiter das Kap der Guten Hoffnung passiert und ebenfalls den Indischen Ozean erreicht. Um 3.18 Uhr deutscher Zeit kreuzte er bei der Nonstop-Weltumsegelung am sehr frühen Sonntagmorgen den relevanten Längengrad nach 13 Tagen, 13 Stunden und 48 Minuten. Der mit 55 Jahren älteste der sechs Skipper der Arkea Ultim Challenge brauchte damit etwa einen Tag und knapp 13 Stunden länger als Charles Caudrelier für diesen ersten Abschnitt der Hatz um die Welt.
Während Charles Caudrelier aktuell mit stetigem Nordwestwind, der am Montagmorgen auf Südwest drehen soll, gut vorankommt, hat Thomas Coville eine Front zu passieren und im Laufe des Tages voraussichtlich mehrere Halsen vor sich. Weshalb Charles Caudrelier seinen ohnehin riesigen Vorsprung zunächst weiter ausbauen dürfte.
Mehr als 2.700 Seemeilen hinter Caudrelier liefert sich der Vor-Start-Co-Favorit und “Banque Populaire”-Skipper Armel Le Cléac’h nach seinem Reparaturstopp ein spannendes Duell mit Anthony Marchand auf “Actual Ultim 3”. Der Abstand zwischen dem auf dem Papier überlegenen Le Cléac’h und Marchand war zuletzt auf nur 30 Seemeilen geschmolzen.
Armel Le Cléac’h und Anthony Marchand müssen sich erst noch aus den Fängen der schwächeren Winde befreien. “Im Moment befinden sie sich hinter dem Hochdruckgebiet, das sich mit ihnen bewegt”, erklärte mit Pierre Hayes der Assistent der Rennleitung. “Leider werden sie bis zum Kap der Guten Hoffnung damit zu kämpfen haben.” Dadurch lagen die Durchschnittgeschwindigkeiten von “Banque Populaire XI” und “Actual Ultim 3” zuletzt “nur” bei etwa 21 Knoten. Weshalb sie im Vergleich zu den vorderen Booten beständig an Boden verlieren.
Schlusslicht Éric Péron hat auf “Adagio” bei knapp 4.000 Seemeilen Rückstand auf die Spitzenreiterin “Maxi Edmond de Rothschild” inzwischen seinen Bug nach Osten gerichtet. Hays sagt: “Er hat einen Nord-Nordost-Wind von 15 bis 18 Knoten, der es ihm erlaubt, auf einer relativ direkten Route zu segeln.” Der 42-jährige “Adagio”-Außenseiter aus Quimper war am Sonntagmorgen mit mehr als 20 Knoten Bootsgeschwindigkeit unterwegs.
Tom Laperche indessen wird mit seiner in der vergangenen Woche bei einer “Ufo”-Kollision beschädigten “SVR Lazartigue” voraussichtlich schon am Montag in Kapstadt eintreffen. Dort erwartet ihn das Technik-Team von SVR Lazartigue, um das demolierte Boot zu untersuchen und über die nächsten Schritte zu entscheiden.
Die Situation wird nicht schlechter” (Tom Laperche)
Bei stabiler Lage an Bord hat Tom Laperche auf “SVR Lazartigue” am Sonntagmorgen noch rund 400 Seemeilen bis nach Kapstadt vor sich. Er wird voraussichtlich am späten Montag ankommen. In der Live-Sendung zum Rennen hatte der erst 26 Jahre alte Tom Laperche seine Fans am Samstag beruhigt: “Auf dem Boot läuft es ganz gut. Ich führe regelmäßig Checks durch. Die Situation wird nicht schlechter.”
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