Es geht zur Sache bei der 52 Super Series in Spanien. Im Revier vor Lanzarote bleiben die Teams von immer wieder druckvollen Winden stark gefordert. Am dritten Renntag war es Wettfahrtleiterin Mari Torrijo aber gelungen, in Böen von 30 Knoten und mehr ein Fenster für eine der beiden geplanten Wettfahrten zu finden. Damit sind fünf von zehn Rennen gesegelt.
Bewährt hat sich bislang Neuzugang Yoann Richomme. Der französische Vendée-Globe-Zweite und zweimalige Route du Rhum-Gewinner bringt als Neu-Navigator seine Erfahrung ins Spiel des Teams um “Paprec”-Eigner Jean-Luc Petithuguenin. Bislang schon erfolgreich geführt von Offshore-Legende Loïck Peyron, beflügelt nun ein weiterer Hochseekönner Les Bleus in der frührenden internationalen Serie für Einrumpfboote. Für Richomme ist es der erste Einsatz in der für ihn neuen Kurzstreckendisziplin.
Zwar segelt Yoann Richomme auch seine Rennen auf Booten namens “Paprec”, doch unterscheiden sich die Langstrecken und die Weltumseglungen in der Imoca-Klasse und die 52 Super Series mit ihren Kurzrennen krass. Den Einsatz in der 52 Super Series genießt der studierte Schiffbauingenieur sehr, denn trotz seiner erfolgreichen Offshore- und Solo-Engagements ist der 43-Jährige liebend gerne auch Teamplayer.
Gleich am ersten Tag der Marina Rubicon 52 Super Series Lanzarote Sailing Week waren zu Wochenbeginn Yoann Richommes MacGyver-Qualitäten gefordert. Noch vor seinem ersten Rennen mit Team Paprec fiel die Bordelektronik aus – nicht der ideale Einstieg für einen neuen Navigator. Richomme ließ sich davon nicht beeindrucken und erzählte später: “Ich habe mich hingesetzt und es mit dem Kompass gemacht, ganz nach alter Schule.”
Dazu grinste er und sagte: “Es war ein fantastischer Tag. Wir hatten zwei wunderschöne Starts, und Loïck Peyron war als Taktiker großartig. Er hat uns in unglaublicher Weise durch die Windlöcher gebracht und durch die Flotte gelotst.” Auch sah Richomme, was um sein Team herum passierte: “Wir haben gesehen, wie so viele Spinnaker gerissen sind. Und wir haben den sicheren Entscheidungen den Vorzug gegeben. Genau das war heute der richtig Weg.”
Der Lohn der Kompass-Mühe: Die Ränge 2 und 1, dazu die Auftaktführung, die Team Paprec bis zum Halbzeitmorgen verteidgte. Dann kam das “Sled”-Team von Takashi Okura mit Taktiker Francesco “Checco” Bruni, Navigator Andrea Visintini und Stratege Murray Jones, der den America’s Cup nicht weniger als sechs Male gewonnen hat. Rang drei im einzigen Rennen am Donnerstag reichte den Weltmeistern mit insgesamt nur 13 Punkten auf dem Lanzarote-Konto zur Halbzeitführung.
Was auch daran lag, dass sich Team Paprec gleichzeitig mit Rang neun den ersten unfreiwilligen Patzer erlaubte. Bei den Franzosen an Bord hatte in Rennen fünf erst der Overdrive der Grindersäule versagt, dann geriet noch die Gennakerschot unters Boot. Da es in der erbarmungslosen 52 Super Series keine Streicher gibt, fielen die Franzosen nach Rang neun mit 17 Punkten zunächst auf Platz zwei zurück.
Auf Platz drei lag nach fünf Wettfahrten die italienische “Alkedo Vitamina” mit 18 Zählern. In den Top-Fünf folgten Shawn Kangs und Tina Yus “Alpha+” (23 Punkte) aus Honkong und Harm Müller-Spreers “Platoon Aviation” (Norddeutscher Regatta Verein, 31 Punkte) mit dem Eigner am Steuer, Taktiker Vasco Vascotto, Navigator Juan Vila und Stratege Jordi Calafat. Zu den Zwischenständen geht es hier.
Im Ringen der 13 Boote aus elf Ländern konnten die WM-Dritten auf “Platoon Aviation” zur Halbzeit am Donnerstag mit Rang fünf ein solide-gutes Ergebnis in der Top-Gruppe einfahren und sich im Klassement um eine Position auf Platz fünf verbessern. Der Weg an die Spitze ist bei 18 Punkten Rückstand auf “Sled” weit geworden. Doch mit der ehrgeizigen Crew auf der einzigen deutschen TP52 von Harm Müller-Spreer bleibt im hochkarätigen Wettbewerb der 52 Super Series angesichts ihrer bekannt guten Endspurtqualitäten meist bis zum letzten Tag zu rechnen.

Freie Reporterin Sport
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