Tatjana Pokorny
· 10.10.2026
Harm Müller-Spreers “Platoon Aviation” war als Tabellenführerin der 52 Super Series ins fünfte und letzte Event des Jahres gestartet. Mit einem Elf-Punkte-Vorsprung auf die US-Yacht “Sled” von Takashi Okura ging die einzige deutsche TP in die fünftägige Serie. Eigner und Steuermann Harm Müller-Spreer hatte vor dem ersten Startschuss gesagt: “Wir fühlen uns gut. Ich glaube, wir können gewinnen. Das ist das absolute Ziel, mit dem wir in die Saison gestartet sind.”
Acht Rennen danach war der übers Jahr hart erfolchtene Saisonsieg erreicht. “Platoon Aviation” konnte sich im Duell mit der Botín-Schwester “Sled” klar durchsetzen. Harm Müller-Spreers Team segelte in Valencia hinter “Alkedo Cetilar (Italien, 36 Punkte) und “No Way Back” (Niederlande, 43 Punkte) mit 45 Zählern auf auf Rang drei. Damit konnten “Platoon Aviation ihre Führung in der Gesamtwertung beim Showdown im ehemaligen America’s-Cup-Revier sogar noch ausbauen.
Den Saisontitel der 52 Super Series gewann “Platoon Aviation” bei insgesamt 216 Punkten mit fast sagenhaften 30 Punkten Vorsprung vor “Sled” (246 Punkte) und “Alkedo Cetilar” (253 Punkte). “No Way Back” wurde mit 277 Punkten Saison-Vierte vor der schwedischen “Trinity” (290 Punkte). Ein Rekordfeld von 16 kraftvollen TPs hat dem Finale der 15. Saison der 52 Super Series Gipfelqualität verliehen.
Die Vorentscheidung zum zweiten Saisonsieg nach 2023 – damals punktgleich mit der türkischen “Provezza” – war für “Platoon Aviation” bereits in den drei Rennen am Vorschlusstag gefallen, als der deutsche Rennstall mit internationaler Crew zwar nach Matchrace-Attacken von “Sled” einmal kurz aus dem Rhythmus kam, dann aber die souveräne Führung mit den Rängen vier und fünf wiederhergestellt hatte, während für die “Sled”-Crew zu wenig zusammenlief.
“Am Ende war es gestern entschieden. Da hatten wir drei Rennen. Heute war nicht so sicher, ob überhaupt noch etwas geht. Als klar war, dass es nur noch ein Rennen geben würde, hätten wir schon gar nicht mehr segeln müssen, weil der Punktabstand dann doch so groß war”, fasste der dreimalige TP52-Weltmeister Harm Müller-Spreer die Ereignisse am Schlusstag zusammen. Auch der Saisonverlauf sprach für “Platoon Aviation: “Wir sind immer in Podiumsnähe gewesen.”
Harm Müller-Spreers Rückblick im Detail: “Ich glaube, wir haben in dieser Saison nur einmal einen Vierten gemacht. Einmal haben wir sogar gewonnen. Und in Wirklichkeit hätten wir auch Lanzarote 1 gewinnen müssen, wo wir in vier Rennen geführt hatten, als Spinnaker geplatzt oder Winschen explodiert sind. Aber das gehört eben auch dazu.” Auch mit dem Botin-Design ist das Team nach viel Optimierungsarbeit und Änderungen in allen Bereichen inzwischen zufrieden.
Wir waren bei Starkwind extrem gut. Auch bei Leichtwind sind wir gut klargekommen. Jetzt haben wir eigentlich raus, wie man fahren muss.” Harm Müller-Spreer
Auf die Arbeit seines Teams ist Harm Müller-Spreer auch mit Blick auf die hochkarätigen Gegner besonders stolz. Der Hamburger Unternehmer und erfolgreichste “Owner/Driver” der 52 Super Series erklärte lächelnd: “Unser Hauptgegner war eine reine Profimannschaft. Der Eigner war nicht einmal da. Adam Beashel hat gesteuert, Francesco Bruni die Taktik gemacht, Murry Jones siebenmal den America’s Cup gewonnen. Das ist auf dem Papier das beste Team gewesen. Dass wir die so im Griff hatten, war doch gut.”
Für Team Sled geriet der Valencia-Showdwon zum entsprechend enttäuschenden Abschied. Die Mannschaft tritt im kommenden Jahr nicht mehr in der 52 Super Series an. Sorge um die imposante Flottenstärke hat Harm Müller-Spreer deshalb aber keine. Im Gegenteil, wie er sagt: “Es werden zwei neue Boote gebaut und es sieht so, als würden wir im kommenden Jahr voraussichtlich mit 15 Booten in die neue Saison starten.” Den eigenen Saisonsieg ordnete Harm Müller-Spreer in diesem Jahr vor allem der seglerischen Leistung seiner Mannschaft zu.
Am Ende haben die gewonnen, die am besten gesegelt sind.” Harm Müller-Spreer
Für den Hamburger, der nach diesem TP-Triumph vom 21. bis 29. November mit der Drachen-Weltmeisterschaft in Hongkong einen weiteren Segelgipfel noch in diesem Jahr ansteuert, bleibt die 52 Super Series weiter hochattraktiv. Was für ihn diesen Reiz ausmacht? “Am Ende ist es im Einrumpfbereich das technisch beste Boot. Das ist einfach so. Es ist wie ein großes Dinghy. Es wird von allen Klassen, die es weltweit gibt, mit Abstand am professionellsten betrieben, gesegelt und auch gemanagt. Wir haben in der 52 Super Series 50 Mitarbeiter bei Regatten, die sich darum kümmern.”
Auch sportlich sei die 52 Super Series eine einzigartige Serie, so Harm Müller-Spreer. Seine Erfahrung: “Amateure gibt es hier nicht. Der Reiz besteht darin, die vermeintlich Besten der Welt, die hier aktiv sind, zu schlagen. Gegen sie zu segeln, das ist schon gut.” Und so wird es auch 2027 sein, wenn die Serie ihre neue 16. Saison erstmals in ihrer Geschichte mit zwei Events in Thailand eröffnet. Dorthin werden die TPs im November verschifft.

Freie Reporterin Sport
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.