Max Gasser
· 17.10.2023
Die polnische “Aspire”-Crew um Steuermann Mateusz Kusznierewicz gewann vor wenigen Wochen die 5.5er-Weltmeisterschaft 2023 in einem engen Duell gegen Kristian Nergaards “Artemis” aus Norwegen. Die Entscheidung fiel auf den letzten hundert Metern der letzten Wettfahrt – eines der knappsten Ergebnisse jemals.
Fünf Tage lang wurden zuvor hart umkämpfte Wettfahrten bei 5 bis 18 Knoten Wind und teilweise sehr hohen, kurzen Wellen gesegelt. Das Tyrrhenische Meer vor Porto Cervo bot den 34 Seglern aus zehn Nationen bei perfektem Wetter und angenehmen Temperaturen eine sehr anspruchsvolle Regattawoche auf höchstem Niveau. Begleitet wurde die Flotte vom britischen Fotografen Robert Deaves, der die Regatta in eindrucksvollen Bildern festgehalten hat (siehe oben stehende Bilderstrecke).
Die britischen Titelverteidiger mit Skipper Peter Morton hatten kurz zuvor den traditionellen Scandinavian Gold Cup wiederholt gewonnen und eröffneten auch die Weltmeisterschaft erneut dominant. Ihrem hochmodernen Design “Jean Genie”, das auf Backstagen und Trimmruder verzichtet, spielten die zunächst starkwindigen Bedingungen voller Böen perfekt in die Karten. Daraufhin sollte es für sie allerdings eine harte Woche werden.
In den darauffolgenden sieben Wettfahrten gab es bei meist deutlich schwächerem Wind sieben unterschiedliche Sieger. Konstanz bewiesen dabei ausschließlich die beiden Teams der “Artemis” und “Aspire”, sodass es am Finaltag zum Showdown kam. Die bereits mehrfachen Weltmeister aus Norwegen segelten im einzigen Rennen des Tages auf Platz zwei und lagen damit lange auf Titelkurs. Doch die “Aspire” kämpfte sich nach anfänglichen Schwierigkeiten auf dem letzten Vorwind-Kurs noch auf den fünften Platz vor. Das reichte, um mit einem Punkt Vorsprung zu gewinnen und den Pokal erstmals nach Polen zu holen.
Für die mit zwei Rennsiegen gestartete “Jean Genie” reichte es mit 33 Punkten Rückstand schlussendlich lediglich für den siebten Platz. Eine Position dahinter gelang dem Schweizer Flavio Marazzi ein echter Achtungserfolg. Er war mit seinen beiden 12 und 15 Jahre alten Töchtern an den Start gegangen, die Familiencrew schloss als erstes Schweizer Boot ab. Beste deutsche Yacht war die “Ali-Baba” mit Steuermann Wolf-Eberhard Richter, daneben konnte die ebenfalls deutsche “Criollo” als bestes Evolution-Boot (Bj. zw. 1970 und 1993) die “Frank Tolhurst Trophy” gewinnen.
Denn neben den 23 Modern-Booten waren auch sechs Classics-5.5-Meter-Boote mit Langkiel und fünf Evolutions-Boote im Rennen. Die 5.5-mR-Konstruktionsklasse, die von 1952 bis 1972 olympisch war, ist eine der wenigen Meterklassen, in denen es immer wieder Designinnovationen gibt. Durch die behutsame Anpassung der Bauvorschriften sind die neuesten Boote jeweils ein Spiegel der Yachtbauentwicklung ihrer Zeit.

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