Vendée ArctiqueAuftaktszenen wie beim Mutterrennen Vendée Globe

Tatjana Pokorny

 · 07.06.2026

Alle neun Solisten für das Vendée Arctique auf einen Blick – Selfies inklusive.
Foto: Eloi Stichelbaut/polaRYSE/Nefsea/SAEM Vendée
Mit der Kanalpassage ins Startgebiet und einem begeisterten Heer von Fans hat an diesem Sonntag das 3. Vendée Arctique begonnen. Neun Solisten haben den emotionalen Abschied in Les Sables-d’Olonne fast wie bei einem Vendée-Globe-Start genossen. Mit dem Startschuss zum Nordatlantik-Abenteuer hat das Rennen über rund 3000 Seemeilen zum Polarkreis und zurück begonnen.

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Frankreichs Segelfans haben an diesem Sonntag beim Auftakt zum Vendée Arctique einmal mehr ihre Begeisterung für den Seesegelsport demonstriert. Als die drei Skipperinnen und sechs Skipper am Vormittag den Hafen von Les Sables-d’Olonne verließen und den berühmten Kanal in Richtung Startarena zur kleinen Schwester des Vendée Globe passierten, war beide Uferseiten gespickt mit Zuschauern. Es ging emotional, bunt und laut zu, als die Imoca-Solisten die Parade abnahmen.

Vendée Arctique: erst Leichtwind-Start, dann schwere Aufgaben

Der Startschuss zum Vendée Arctique fiel nach Plan um 13.02 Uhr. Die nie ganz runden Startzeiten sind im segelaffinen Frankreich oft den Absprachen der Veranstalter mit den Fernsehsendern geschuldet, die auf diese Weise in der Mitte oder am Ende von zur vollen Stunde beginnenden Nachrichtensendungen live zum Start schalten. So können die Hauptnachrichten zuerst berichtet werden, bevor dann Live-Bilder in die Sendung eingebunden werden.

​Los ging es für das kleine, aber feine Feld im Vendée Arctique dann in einer schwachen Südbrise mit vier bis sieben Knoten Wind. Der Startverlauf war typisch für eine Imoca-Langstrecke: eher zurückhaltend, kontrolliert und – in diesem Fall – ohne Zwischenfälle. Die ersten Boote passierten die Startlinie fast 20 Sekunden nach dem Startschuss.

Schon in der ersten Nacht des Vendée Arctique werden es die Herausforderer mit Übergangsbedinungen zu tun bekommen. Für Montagmorgen wird ein Frontensystem erwartet, dem ein lebhafter Kurs in Richtung irischer Gewässer folgen dürfte. Verlässliche Bedingungen und die damit verknüpften Hoffnungen auf die Einkehr von Bordroutine sind vorerst kaum zu erwarten.

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Wir werden uns bis Irland ganz sicher nicht langweilen.” Nicolas d’Estais

​”Café Joyeux”-Skipper Nicolas d’Estais, einziger Starter mit einem Non-Foiler, der als “Macif” einst die Vendée Globe gewonnen hatte, sagte: “Die Brise wird im Laufe der Nacht auffrischen. Danach sagen die Vorhersagen die stärksten Bedingungen zwischen dem Ärmelkanal und Irland voraus.“ Die Flotte erwartet ein anspruchsvoller Kursabschnitt mit schnellen und häufigen Tempowechseln, begleitet von einer ständigen Abfolge von Manövern und Segelwechseln.

Powerplay in der Irischen See erwartet

So sah es auch der italienische “Allagrande Mapei”-Skipper Ambrogio Beccaria. Er ließ sich – wie auch sonst niemand – vom Leichtwindstart im nördlichen Golf von Biskaya nicht zur Entspannung verleiten. Beccaria sagte: „Zwischen den Winddrehern und dem sich allmählich aufbauenden Seegang wird es nicht unbedingt einfach sein, die richtige Bootsgeschwindigkeit zu finden.“

“Coup de Pouce”-Skipper Manu Cousin erinnerte auch an die zu erwartende Verkehrsdichte, sagte: “Wir durchqueren Gebiete mit enormem Schiffsverkehr. Frachtschiffe, Fischereifahrzeuge und andere Imocas. Die Schlafphasen werden zwangsläufig sehr kurz sein.“ Beim schnellstmöglichen Fortkommen richtete sich die Aufmerksamkeit der Solisten aber auch schon auf die Westküste Irlands.

„Dort wird es wahrscheinlich erst richtig ernst“, prognostizierte Sam Goodchild, der Imoca-Meister von 2025 und Gewinner des 1000 Race. „Wir könnten Windgeschwindigkeiten zwischen 25 und 30 Knoten und einen ausgeprägten Seegang erleben. Das sind keine außergewöhnlichen Bedingungen für unsere Boote, aber sie erfordern dennoch große Aufmerksamkeit.“

Neue Regel macht das Vendée Arctique spannend

Zusätzliche Spannung erfährt das Vendée Arctique in diesem Jahr durch seine wichtigste Neuerung: Die Solisten können den zu erreichenden Polarkreis an einem Punkt ihrer Wahl passieren, bevor sie umkehren und den schnellstmöglichen Rückweg antreten. Der Kurs kann damit in Abhängigkeit von den Bedingungen selbst gewählt werden. Dabei wird sich die Flotte in nur selten besuchte nordatlantische Gewässer vorwagen.

​Kalte Temperaturen, Nebel, schnell ziehende Tiefdruckgebiete und eine oftmals kurze und steile Welle werden in diesen anspruchsvollen und schwer berechenbaren hohen Breiten den sportlichen Alltag prägen. Doch bis dahin dauert es noch ein paar Tage.

Etwa drei Stunden nach dem Start hatte am 7. Juni zunächst Corentin Horeau die Führung vor Violette Dorange, Nico d’Estais und Sam Goodchild übernommen. Die ersten sieben Imocas lagen innerhalb von 1,9 Seemeilen noch sehr eng beeinander, die Positionen wechselten häufig. Schon mehr als sieben Seemeilen zurück, folgten Arnaud Boissières (”April marine - Recherche Co-Partenaires”) und Manu Cousin (”Coup de Puce”). Alle neun Starter hatten wir in unserer Vorschau aufs Vendée Arctique vorgestellt.

REPLAY! Hier geht es zur Live-Übertragung vom Abschied und vom Start ins Vendée Arctique Les Sables-d’Olonne mit englischem Kommentar:

Ein Vorab-Gespräch mit Francesca Clapcich, die mit dem Vendée Arctique auf “11th Hour Racing” (Ex-”Malizia 3”) ihr erstes großes Solo auf Kurs Vendée Globe bestreitet:

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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