Jochen Rieker
· 28.05.2024
Der eigentliche Start zur New York Vendée geht erst morgen Abend um 20 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit über die Bühne. Doch für die Teilnehmer, deren Boote teils in Newport, teils in New York liegen, heißt es schon heute ablegen und warmsegeln.
Am frühen Nachmittag brechen die Skipperinnen und Skipper zur Überführung auf. Bei der Hin-Regatta, dem Transat CIC, war es die Ziellinie, die 100 Seemeilen vor der US-Ostküste lag. Jetzt ist es die Startlinie, die aus zwei Koordinaten besteht. Ein virtueller Auftakt, welcher der Sicherheit dient.
Obwohl fernab der US-Metropole, die dem Rennen den ersten Teil seines Namens gibt, wird der Auftakt im Internet live übertragen und kommentiert – und zwar via Youtube. Der Feed enthält neben dem GPS-Tracker der Veranstalter hochauflösende An-Bord-Videos einiger der Teilnehmer, darunter auch Boris Herrmanns Team Malizia, die ihre Bilder via Starlink streamen. Nach dem Start kann das Live-Tracking auch wieder über yacht.de abgerufen werden. Der Artikel erklärt zudem die wichtigsten Funktionen des Live-Trackers und wie Sie ihn richtig deuten.
Der Auftakt verspricht, ganz anders zu werden als der beim Transat CIC vor einem Monat. Eine ausgeprägte Leichtwindzone, die den Rand eines Tiefs mit Kern über Kanada und Neufundland markiert, liegt über dem Startbereich und wird auch die ersten Tage wetterbestimmend sein. Rekord-Bedingungen jedenfalls sind es nicht, auch wenn die Referenzzeit von Jérémie Beyou von 2016, dem ersten und bisher einzigen Rennen dieser Art, mit 9 Tagen und 16 Stunden absolut schlagbar erscheint. Denn die vergangenen acht Jahre haben derart große Fortschritte im Foil-Design, bei den Autopiloten und der Segelentwicklung gebracht, dass es verwunderlich wäre, fiele die Bestmarke nicht.
Zu den Top-Favoriten zählen zweifellos der Transat-CIC-Sieger Yoann Richomme (“Paprec Arkéa”), Charlie Dalin (“Macif”), Rekordhalter Beyou (“Charal”) und Thomas Ruyant (“Vulnerable”, bis vor Kurzem noch unter dem Namen “For People” unterwegs). Vor allem der Letztgenannte dieser fantastischen Vier gilt als heißer Sieganwärter. Er kommt frisch und ausgeruht an den Start, weil er während der Rückregatta pausierte, und er hat mit seinem Finot-Conq/Koch-Design ein Schwesterschiff von Yoann Richomme, dem sehr gute Allround-Eigenschaften nachgesagt werden.
Boris Herrmann ist mit seiner neu beflügelten “Malizia – Seaexplorer” Teil des erweiterten Favoritenkreises. Sein VPLP-Design hat beim The Ocean Race bewiesen, dass es auch bei Leichtwind funktioniert; in gröberer See gilt es raumschots als überlegen. Nur im Übergang zwischen Verdränger- und Foil-Modus hat es noch leichte Defizite, die angesichts der Prognosen womöglich relevant werden.
Außer dem Hamburger, der seinen 43. Geburtstag heute allein auf See feiern wird, haben Sam Goodchild, Sam Davies, Nico Lunven, Seb Simon, Justine Mettraux, Damien Seguin, Yanick Bestaven und Maxime Sorel reelle Chancen aufs Podium. Mehr Infos über ihre Chancen finden sich in unserem Form-Guide anlässlich des Transat CIC. Paul Meilhat ist nach einem schweren Foil-Schaden auf der Hin-Regatta leider nicht am Start.

Herausgeber YACHT