ImocaDrei Frauen, eine frühe Mission – ”Vielleicht besser organisiert?”

Tatjana Pokorny

 · 29.04.2026

Drei Imoca-Skipperinnen, ein Trainingsziel (v.r.n.l.): Frankie Clapcich, Elodie Bonafous und Violette Dorange machen sich fit für die neue Saison.
Foto: Eloi Stichelbaut/polaRYSE
Das erste Imoca-Solo der Saison ist in Sicht. Dafür haben drei der namhaftesten Skipperinnen ein gemeinsames Intensivtraining absolviert: Elodie Bonafous, Violette Dorange und Francesca Clapcich trafen sich zur einwöchigen Offshore-Session, bevor sie am 3. Mai ins 1000 Race von Port-la-Fôret via Fastnet-Felsen und zurück nach Concarneau starten.

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Sie sind drei der bekanntesten Skipperinnen der Imoca-Welt und jetzt so früh wie entschlossen mit einem gemeinsamen Intensivtraining in die neue Saison gestartet: Elodie Bonafous (“Association Petits Princes-Queguiner”), Violette Dorange (”Initiatives-Cœur”) und Francesca “Frankie” Clapcich (”11th Hour Racing”). Die beiden Französinnen und die italienisch-.amerikanische Skipperin von Boris Herrmanns ehemaliger “Malizia 3” haben ihre erste Offshore-Trainingswoche als Trio bestritten.

Bretonische “Mädels-Woche”: gemeinsam stark in der Imoca-Klasse

Ausgangspunkt der bretonischen “Mädels-Woche” war Port-la-Fôret, bekannt auch als Heimat des berühmten Offshore-Trainingszentrums Pôle Finisterre Course au Large. Hier trafen sich die drei Top-Seglerinnen zur kompakten Vorbereitung auf die Herausforderungen der Saison, die am 3. Mai direkt mit dem ersten Solo beginnt. Das 1000 Race wird sieben Skipper und Skipperinnen von Port-la-Fôret rund Fastnet Rock und wieder zurück nach Concarneau führen.

Gute Vorzeichen dafür bringt Elodie Bonafous mit: Sie hatte mit dem Sieg im Rolex Fastnet Race 2025 einen überzeugenden Auftakt zu ihrer Imoca-Karriere hingelegt. Das legendäre Rennen hatte sie im vergangenen Jahr an der Seite von Yann Elies auf der 2024 gebauten “Association Petits Princes-Queguiner” als erste Frau in der Imoca-Klasse gewonnen.

Elodie Bonafous war zuvor auch die erste Frau, die 2022 einen Podiumsplatz bei einer Etappe im hochanspruchsvollen Solitaire du Figaro hatte erobern können. Dem Zufall überlässt die 30-Jährige auch weiterhin nichts. Nach dem Motto “Der frühe Vogel fängt den Wurm” hat sie sich zum Intensiv-Trainingslager mit Violette Dorange und Francesca Clapcich getroffen. Die Möglichkeit, gemeinsam zu segeln und sich gegenseitig herauszufordern, hat sich aus Sicht der Skipperinnen als gelungener Start ins Imoca-Segeljahr erwiesen.

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Training mit drei Skipperinnen: “fordernd, ernsthaft, rigoros”

Elodie Bonafous berichtete im Anschluss von einer sehr effektiven Woche, sagte: Die anderen Mädels hatten im Winter eindeutig hart trainiert. Daran hatte ich keinen Zweifel. Aber sie waren wirklich bereit. Auch wenn ich etwa eine Woche Vorsprung hatte, weil ich mein Boot schon früher wieder ins Wasser gebracht hatte, war es dennoch fordernd, ernsthaft und rigoros.“

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Weiter sagte die wettkampfstarke Elodie Bonafous: “Wir haben sogar festgestellt, dass es vielleicht kein Zufall war, dass wir drei früher wieder auf dem Wasser waren. Vielleicht waren wir über den Winter besser organisiert? Oder hatten uns einfach das Ziel gesetzt, früh wieder mit dem Segeln anzufangen.” Das passte auch “Dauerläuferin” Frankie Clapcich gut in ihre Pläne.

Beflügelt vom starken zweiten Platz, den sie mit Boris Herrmanns langjährigem Co-Skipper Will Harris bei Transat Café L’Or im vergangenen Jahr erkämpft hatte, war auch Clapcich in diesem Jahr schon früh aus den Startblöcken gekommen. Die 38-Jährige, die sich mit ihrem Team für Chancengleichheit im Segelsport und bei Regatten einsetzt, beendete die Trainingswoche mit Bonafous und Dorange im Hoch.

Drei Frauen auf dem Wasser zu haben, die gegeneinander trainieren, sich gegenseitig helfen und gemeinsam nachbesprechen, war wirklich super schön.” Francesca Clapcich

Francesca Clapcich, deren Kampagne auch von Team Malizia mitgemenagt wird, beschrieb die Trainingsatmosphäre als “super kooperativ” und sagte: “Ja, ich finde, wir sind alle ziemlich gut gesegelt. Wir haben viel gelernt.” Für alle drei Frauen markiert das 1000 Race den Startschus zu einer Saison mit mehreren Solo-Schwerpunkten: Im Juni folgt das Vendée Arctique, im Herbst ruft die Route du Rhum mit Ziel Guadeloupe.

Vendée Arctique und Route du Rhum: die großen Solorennen der Saison

Elodie Bonafous erklärte, es sei im Kern der gemeinsamen Offshore-Trainingswoche mit den Imocas vor allem ums Handling an Bord gegangen: “Für mich war es das Hauptziel für den Start ins Jahr: weiter im Umgang mit dem Boot zu lernen, es zu operieren und sicher beim Solosegeln zu werden.” Sie sieht das 1000 Race als Vorbereitungsrennen für die erste große Imoca-Herausforderung im Vendée Arctique.

Das Vendée Arctique ist eine viel größere Herausforderung, denn die Wetterbedingungen könnten hart sein. Ich bin froh, dass ich vorher viel segeln kann.” Elodie Bonafous

Ihr Imoca-Team habe, so Bonafous, im Winter “nicht allzu viel Zeit mit der Überholung” verbracht. Die Powerplayerin wollte “mehr Zeit fürs Segeln” haben. Zum Vergleich der beiden großen Solo-Saisonrennen – Vendée Arctique und Route du Rhum – sagte Elodie Bonafous: “Ich würde sie fast gleichwertig einstufen, auch wenn die Medienpräsenz, das Engagement der Partner und das allgemeine Prestige bei der Route du Rhum – Destination Guadeloupe höher sind. Was den Schwierigkeitsgrad angeht, so denke ich, dass es bei der Vendée Arctique mehr Unbekannte gibt.”

Wie Elodie Bonafous, so arbeitet auch Frankie Clapcich am Solo-Handling auf “11th Hour Racing”. Ihr Blick voraus: “Bei diesem ersten Rennen (Red.: 1000 Race) hoffe ich vor allem, achtsam damit umzugehen, wie ich die Dinge an Bord angehe – vielleicht mir bei jedem Manöver etwas mehr Zeit zu nehmen.” Ihre Ziele beim Aufbruch als Solistin: “Über die richtigen Schritte nachdenken, das Boot nicht beschädigen, dem Wetter immer einen Schritt voraus sein und im richtigen Moment das richtige Segel zu setzen.”

Das Fernziel des Trios: die Vendée Globe 2028/2029

Francesca Clapcich sagt, es gehe ihr beim Auftakt “nicht wirklich ums Ergebnis”, sondern um “den Prozess, wie ich dorthin gelange und wie ich mich auf die gesamte Saison vorbereite”. Elodie Bonafous verfolgt eine ähnliche Strategie. Die als Intensiv-Analytikerin bekannte Französin erklärte: “Ich spreche nicht gerne über numerische Ziele, denn dies ist praktisch noch der Anfang meiner Solo-Karriere. Es geht mehr um die Herangehensweise.”

Ich habe ein Boot, das gut läuft. Und ich glaube, dass ich zu guten Leistungen fähig bin, aber ich möchte mich nicht zu sehr unter Druck setzen.” Elodie Bonafous

Sowohl für sie als auch für Frankie Clapcich und die erst 25 Jahre alte Violette Dorange bleibt die Vendée Globe 2028/2029 das große Fernziel. Für die Jüngste im Bunde soll es nach der stark umjubelten Premiere 2024/2025 bereits die zweite Solorunde um die Welt werden. 2016 noch im Opti-Einsatz, hat die junge Französin einen sagenhaften Aufstieg erlebt.

11th Hour Racing: solo und im Team gefordert

“Dass ich nun in die Fußstapfen meines Kindheitsidols treten darf, das ist einfach unglaublich”, hatte Violette Dorange bei der Übernahme von “Initiatives - Cœur” von Skipperin Sam Davies gesagt. Nach einem Jahr der Übergabe ist Dorange nun wieder als Solistin gefordert. Elodie Bonafous und Francesca Clapcich streben ihrer Vendée-Globe Premiere entgegen. Sicher ist, dass man allen drei Frauen auf ihrem Imoca-Gipfelkurs noch einiges hören wird.

Und von Frankie Clapcich darüber hinaus auch noch im Mannschaftseinsatz: Ihr Team nimmt wie Boris Herrmanns Team Malizia mit der dann neuen “Malizia 4” auch am Ocean Race Atlantic teil, das seine Herausforderer ab 1. September von New York nach Lorient führt.

Erkennt Ihr sie noch wieder? Francesca Clapcichs “11th Hour Racing” ist die frühere “Malizia 3” von Boris Herrmann und Team Malizia. Hier ist sie in ihrem neuen Look zu sehen:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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