Ein grau verhangener Himmel, leichte Winde und eine sehr lange Startlinie bildeten die Zutaten beim Start ins erste Imoca-Rennen der Saison vor Port-la-Foret. Der Startschuss fiel am 3. Mai pünktlich um 12 Uhr. Drei Skipperinnen und vier Skipper bilden das kleine, aber feine Feld, in dem die Akteure früh im Jahr vor allem für die großen Rennen der Saison testen und trainieren, ihre Set-ups erproben und die Qualitäten ihrer Boote miteinander vergleichen.
Am schnellsten kam Élodie Bonafous mit “Association Petits Princes - Quéguiner” aus den Startblöcken, die sich bald darauf spannende Spitzenduelle mit Sam Goodchild (”Macif Santé Prévoyance”) und “Macsf”-Skipper Corentin Horeau lieferte. Die im nördlichen Finistère in einer Seglerfamilie aufgewachsene 30 Jahre alte Französin segelt ihr Verdier-Design von 2024. Gemeinsam mit Yann Eliès hatte sie 2025 das Rolex Fastnet Race in der Imoca-Klasse gewonnen, blickt also auf Kurs Fastnet-Felsen guten Erinnerungen entgegen. Im 1000 Race allerdings sind die Herausforderer solo gefordert.
Neben Élodie Bonafous sind mit Francesca Clapcich (”11th Hour Racing”, Ex-”Malizia 3”) und der erst 25 Jahre alten Violette Dorange mit ihrem Manuard-Entwurf ”Initiatives - Cœur” von 2022 zwei weitere Imoca-Skipperinnen im Einsatz. Fast zwei Stunden nach dem Start lagen sie auf den Plätzen vier und sechs, doch die Abstände waren noch sehr gering. Auf Rang drei vorgearbeitet hatte sich zu dem Zeitpunkt Nico D’Estais, der im vergangenen Jahr neu in die Imoca-Klasse gekommen war.
Der 34-Jährige Mini-Transat-Zweite von 2019 segelt eine Imoca von 2010 mit viel Geschichte: Sein VPLP/Verdier-Design hat schon als “Macif”, als “SMA”, als “Banque Populaire X” und zuletzt Benjamin Ferré als “Monnoyeur – Duo for a Job” gedient. Jetzt soll der Non-Foiler zum Sprungbrett für Nico D’Estais auf seinem Kurs zur Teilnahme an der Vendée Globe 2028/2029 sein. Doch das 1000 Race werden voraussichtlich andere gewinnen.
Trotzdem sagte Rennleiter Hubert Lemonnier: “Nico D’Estais ist ein guter Segler mit viel Köpfchen. Und er ist ein zäher Kerl. Ich glaube, er hat das richtige Profil für diese Art des Segelns und ist sehr fokussiert – er konzentriert sich wirklich auf die Leistung, auch wenn er weiß, dass sein Boot unter bestimmten Bedingungen vielleicht etwas hinterherhinkt.“
Tatsächlich rund 1200 Seemeilen lang, führt das 1000 Race seine Herausforderer fast wie bei einem Sprint von der Bretagne zum legendären Fastnet Rock vor der Südwestspitze Irlands und zurück ins schöne Concarneau, wo auch Vendée-Globe-Gewinner Charlie Dalin zuhause ist. Passiert werden zwei virtuelle Wegpunkte in der Biskaya. Die Prognosen wiesen auf überwiegend eher leichte Winde hin. Auf dem Rückweg könnte es nach der Fastnet-Rundung in nord-nordwestlichen Winden auf Kurs Süd zu ein paar schnellen Foiling-Flügen kommen.
Unter den sieben Einhandskippern sind gleich vier, die erstmals solo im Einsatz sind: Corentin Horeau auf der Ex-”Parpec Arkéa”, die bei der jüngsten Vendée Globe von Yoann Richomme auf Platz zwei gesegelt wurde. Horeau bereitet sich mit der jetzt unter dem Namen “Macsf” startenden Rakete auf seine Vendée-Globe-Premiere 2028 vor. Ebenfalls erstmals solo gefordert sind Élodie Bonafous, Francesca Clapcich und Nico D’Estais.
Unter den Solo-Neulingen gilt der 36-jährige Horeau mit dem starken Koch/Finot-Design als einer der vielversprechendsten Neuzugänge in der Imoca-Klasse. Als strahlender Sieger der Solitaire du Figaro 2023 und Mitstreiter von Yoann Richomme im Ocean Race Europe konnte Horeau es kaum erwarten, sein erstes Rennen auf einem Boot zu bestreiten, das unter Führung von Richomme so erfolgreich war.
Horeaus Ausblick auf den Start ins 1000 Race war offen und ehrlich: “Hört mal, für den ersten Start sind leichte Bedingungen ziemlich gut. Aber man sollte trotzdem nicht vergessen, dass leichte Bedingungen auch ziemlich anspruchsvoll sein können, weil man viel manövrieren und wahrscheinlich oft die Segel wechseln muss. Das kostet also viel Energie. Aber insgesamt ist es definitiv besser, diese ersten 24 Stunden unter relativ einfachen Bedingungen zu verbringen. Das nimmt den Druck für das erste Rennen.“
Das 1000 Race mag zwar im Vergleich zu den großen Rennen wie dem Vendée Arctique, dem Ocean Race Atlantic oder auch der Route du Rhum wie eine kurze Strecke wirken. Tatsächlich aber ist es technisch sehr anspruchsvoll: Es gilt, Landzungen zu umkurven, starke Gezeitenströmungen im Ärmelkanal zu meister, Sperrzonen zu jonglieren, den Handels- und Fischereiverkehr zu umfahren und ständig wechselnde wechselnde Wetterbedingungen zu parieren.
Horeau sagte, für ihn werde die größte Herausforderung darin bestehen, auf dieser Rennstrecke das Cockpit zu verlassen, etwas Ruhe zu finden. Er sagte: “Da ich auf diesem Boot noch nie ein Rennen zu 100 Prozent alleine bestritten habe, muss ich die richtigen Momente finden, um mich richtig auszuruhen. Die große Frage ist der Schlaf – wie ich das hinbekommen werde. Ich werde versuchen, mich zu einer ausreichenden Erholung zu zwingen, und Ende nächster Woche werden wir dann Bilanz ziehen, wie es gelaufen ist.”
Zu hohe Erwartungen dämpft Corentin Horeau genau wie weitere Skipper in der Flotte: “Natürlich möchten wir ein gutes Ergebnis erzielen. Aber das Hauptziel ist es, zu lernen und sich einzugewöhnen. Wir haben ein großartiges Boot, das sehr leistungsstark ist. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass es mein erstes Mal ist.” Im Gegensatz zu den vier Neu-Solisten sind Sam Goodchild (”Macif Santé Prévoyance”), Arnaud Boissières und auch die junge Violette schon sehr erfahrene Solisten.
Es ist eine gute Mischung aus sehr guten Seglern und sehr guten Booten.” Hubert Lemonnier
Die Wettfahrtleitung ging zuletzt davon aus, dass die Flotte nach kniffliger Eröffnung genügend Wind für den Ritt zum Fastnet Rock finden wird. Dort werden die schnellsten Imocas im 1000 Race voraussichtlich am Dienstagnachmittag erwartet. Von dort aus sollten die Führenden eine flotte Vorwindstrecke bis zum zweiten der beiden virtuellen Wegpunkten nordwestlich von Kap Finisterre genießen können. Im Zielhafen Concarneau werden die Solisten nach knapp einer Woche am nächsten Samstag erwartet.

Freie Reporterin Sport