Die Entschlossenheit, mit der Charlie Enright und sein Team seit dem Zwischenstopp in Itajaí agieren, wirkt wie ihre trotzige Antwort auf die vielen Rückschläge davor. Das US-Team 11th Hour Racing hatte auf der Ocean-Race-Königsetappe mit Ruderrissen, einem kaputten Großsegel und mehr technischen Problemen zu kämpfen.
Die Quittung dafür ließ die vor Rennstart Co-favorisierte Mannschaft trotz der längsten Vorbereitungszeit aufs Ocean Race nach drei Etappen auf Platz drei zurückfallen. Die Frustration darüber stand Charlie Enright bei der Ankunft im brasilianischen Etappenhafen ins Gesicht geschrieben.
Jetzt scheint das Comeback zu gelingen. Im Hafenrennen vor Itajaí wirkte der Imoca der Amerikaner am vergangenen Freitag auch in klebrigen Bedingungen und schwachen Winden leichtfüßig: “Mālama” gewann den Sprint souverän vor “Biotherm” und “Malizia – Seaexplorer” und übernahm die alleinige Führung in der Wertung aller Hafenrennen. Die zählen zwar nicht direkt für das Rennen um die Welt, doch das Endergebnis kann für die Endabrechnung von großer Bedeutung sein, wenn nach sieben Etappen im Zielhafen Genua zwei Teams punktgleich sind. Dann zählt die bessere Position in der Wertung der Kurzrennen.
Auch in der laufenden vierten Etappe scheint Team 11th Hour Racing in diesen ersten Tagen seine stark ansteigende Leistungskurve fortzusetzen. Zwei Tage nach dem Start führen Charlie Enright, Navigator Simon “Sifi” Fisher, der erfahrene Damian Foxall und Francesca Clapcich die Flotte auf Kurs Newport an. Im Südatlantik folgte am Dienstagmittag mit knapp neun Seemeilen Rückstand Kevin Escoffiers “Holcim – PRB” vor den Teams Biotherm und Malizia. Die Comeback-Crew auf “Guyot” hat sich im Spiel mit den variablen Bedingungen zunächst mehr als 30 Seemeilen Rückstand eingefangen.
Während das Feld den Atlantik hinaufsegelt und der Nordhalbkugel entgegenstrebt, lässt der Ocean-Race-Film “Southern Ocean Stories” noch einmal Erinnerungen an die Königsetappe wach werden. Boris Herrmann, Will Harris, Kevin Escoffier, Abby Ehler und weitere Protagonisten geben tiefe Einblicke in die Ereignisse auf Etappe drei und ihr Seelenleben. Abby Ehler spricht bei ihrer vierten Weltumsegelung über ihre Angst vor den kraftvollen Imocas.
Boris Herrmann erinnert sich an seine Tränen nach der Entdeckung des Risses im Mast von “Malizia – Seaexplorer”. Und er berichtet von der Wiederauferstehung seines Teams. Will Harris erzählt, wie brutal das Rennen sein kann, und sagt, dass der Glaube ein wichtiger Teil der Ocean-Race-Herausforderung ist. Das Motto des Briten: “Es gibt immer eine Chance!”
Was du – ganz unabhängig von den Ergebnissen – aus dem Southern Ocean mitnimmst, ist mehr wert als jede Trophäe.” (Abby Ehler, Team Holcim – PRB)
Charlie Enright berichtet von Wut und Ungläubigkeit während der Bruchserie seines Teams im Südmeer-Härtetest. Und Abby Ehler erinnert an ein Zitat von Muhammad Ali: “Zähle nicht die Tage, lass die Tage zählen.” Sie hat es bei ihrer vierten Weltumsegelung zu ihrem Motto gemacht und die dritte Etappe, die sie anfänglich nicht segeln wollte, bravourös gemeistert.
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Freie Reporterin Sport