The Ocean RaceWie auf einer Werft – Reparatur-Marathon auf “Mālama”

Tatjana Pokorny

 · 20.03.2023

Bis die Funken sprühen: Jack Bouttell flext die überstehenden Bolzenenden am reparierten Großsegel ab
Foto: Amory Ross/11th Hour Racing/The Ocean Race

Charlie Enrights US-Team 11th Hour Racing hat die flauen Winde zum Ende der dritten Woche der Königsetappe im Ocean Race erfolgreich für einen Reparatur-Großeinsatz genutzt. Boot, Großsegel und Ruder sind nun geflickt. Das Team hat dabei im Vierkampf an der Eisgrenze nicht an Boden verloren. Starke Bilder zeigen, wie sehr das Team unter amerikanischer Flagge gefordert war

Auf der Mammut-Etappe im Ocean Race müssen alle Teams auch technisch Weltklasseleistungen bringen. Unvergessen bleibt die Mastreparatur von Team Malizia, bei der Will Harris und Rosalin Kuiper jeweils stundenlang in 28 Meter Rigghöhe Großtaten vollbracht hatten. Ein erneuter Check durch Rosalin Kuiper hat am Wochenende ergeben, dass der Mast der “Malizia – Seaexplorer” weiter in gutem Zustand ist und die Reparatur erfolgreich war.

Einen Reparatur-Marathon der multiplen Art hat in den vergangenen Tagen Charlie Enrights US-Team 11th Hour Racing durchgezogen: Risse im Bug des Bootes, ein schwer beschädigtes Großsegel und ein Riss im Ruder haben die gesamte Crew enorm gefordert.

Justine Mettraux: “Es ist cool, ‘Mālama’ wiederzuhaben!”

Gefragt waren Künste in den Bereichen Schleifen, Kleben, Flexen, Nähen, Laminieren. Der “MacGyver” im Team 11th Hour Racing heißt Jack Bouttell. Der in Concarneau lebende erfahrene Offshore- und ehemalige Figaro-Segler ist in der Szene bekannt für seine technischen Talente. Im Volvo Ocean Race 2017/2018 zählte er zu den Siegern in Charles Caudreliers Dongfeng Race Team. Bouttells Team pries den in Australien geborenen Crew-Kameraden mit dem Spitznamen “Schweizer Offiziersmesser” als Helden der umfangreichen Reparaturarbeiten.

Jetzt schickte die Mannschaft beeindruckende Bilder vom Kraftakt an Bord der “Mālama”, die über Tage zur Werft mutiert war. “Wir haben in den letzten 36 Stunden viel gebastelt, um alles wieder in Ordnung zu bringen”, vermeldete die Schweizerin Justine Mettraux zum Ende des fordernden Wochenendes. Alles ist gut gegangen. Jack Bouttell hat wirklich einen tollen Job bei der Reparatur an vielen heiklen Punkten geleistet! Es ist cool, ‘Malama’ wiederzuhaben – jetzt wieder mit dem ganzen Segel!”

Beim 51. Breitengrad Süd herrschen im Südmeer auch am 22. Tag der Königsetappe eher leichte Winde. Noch immer liegt das Ocean-Race-Quartett eng beisammen. Führte Boris Herrmanns Team Malizia am Sonntagabend, so waren es zu Wochenbeginn am Montagmorgen abwechselnd Team Holcim – PRB und 11th Hour Racing, die vorne lagen. Die Platzierungen wechseln in dieser Leichtwind-Phase mit beinahe jedem neuen Stunden-Report.

Eine knappe Woche noch bis Kap Hoorn …

“Vor uns liegt ein Hochdruckgebiet, hinter uns ein Tief. Wir klemmen ein wenig dazwischen”, hatte “Biotherm”-Skipper Paul Meilhat die Situation am Vortag noch beschrieben. Das rund 2.500 Seemeilen entfernte Kap Hoorn wird das Feld nach jüngsten Berechnungen am 26. oder 27. März erreichen. Mit der Zielankunft im brasilianischen Itajaí ist in der ersten April-Woche zu rechnen.


Spannende Videos von The Ocean Race:

Wo die Funken sprühen: Hier gibt’s Einblicke ins DIY-Geschehen an Bord von “Mālama”, die in den vergangenen Tagen zur Werft umfunktioniert wurde:


Rosalin Kuiper im Mast-Einsatz – die Niederländerin konnte grünes Licht geben: Die Reparatur hält! Dazu bekam sie einen ganz seltenen Ausblick auf alle Konkurrenten, die in den leichten Winden wie in Zeitlupe durchs Südmeer gleiten:


Die neue Folge der Doku-Serie “Malizians” ist da! Darin taucht Rosalin Kuiper in ihre Vergangenheit ein. Der Titel verrät, worum es außerdem geht: “Southern Survival”: