The Ocean RaceTeam Malizia – Weltrekord gewonnen, Rang zwei verloren

Tatjana Pokorny

 · 29.05.2023

So knapp ging es in der Bucht von Aarhus im Kampf um Etappenrang zwei zwischen Team Holcim – PRB und Team Malizia zu
Foto: Sailing Energy/The Ocean Race
Boris Herrmanns Team Malizia hat die fünfte Etappe im Ocean Race auf Rang drei beendet. Im Endspurt war die deutsche Yacht der vor ihr liegenden “Holcim – PRB” in der Bucht von Aarhus noch ganz nah gekommen. Im Ziel aber hatte das Schweizer Team die Bugspitze vorn. Den Etappensieg hatte sich am frühen Pfingstmontagmorgen das US-Team 11th Hour Racing gesichert.

Alle Mitglieder in Charlie Enrights US-Team 11th Hour Racing lächelten an diesem Pfingstmontag mit der Sonne am Himmel von Arhuus um die Wette. Die Amerikaner haben die fünfte Etappe des Ocean Race gewonnen. Es ist ihr zweiter Etappensieg in Folge. 11th Hour Racing setzte sich auf dem doppelt gewerteten Transatlantik-Abschnitt von Newport über 3.500 Seemeilen nach Aarhus mit einer fabelhaften Zeit von 7 Tagen, 8 Stunden, 41 Minuten und 49 Sekunden durch.

Wir haben uns in allen Bereichen des Teams auf Erfolg eingestellt.” (Charlie Enright)

“Es ist ein gutes Gefühl, an der Spitze des Klassements zu stehen”, gab Enright zu, als er schließlich an Land ging und sich über die Burger freute, die für seine Mannschaft gereicht wurden. “Es ist zwar wichtiger, im Juli an der Spitze zu stehen als jetzt, aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung”, sagte Enright weiter. Wie seinem Team das Comeback nach weniger gelungenem Ocean-Race-Auftakt gelungen ist, erklärte der Skipper aus Newport bei seiner dritten Weltumsegelung auch: “Wir haben versucht, uns in jedem Bereich der Kampagne schrittweise zu verbessern. Wir haben das an Bord des Bootes getan, wir haben das auf der technischen Seite und der logistischen Seite getan: Wir haben uns überall im Team auf Erfolg eingestellt.”

Mit dem zweiten Erfolg in Folge übernimmt die “Mālama”-Crew (28 Punkte) erstmals auch in der Gesamtwertung die Führung vor “Holcim – PRB” (27 Punkte) und Team Malizia. Boris Herrmanns Segel-Quartett hatte sich im Endspurt im Duell um Etappenplatz zwei Team Holcim – PRB knapp geschlagen geben müssen. Zwar kam “Malizia – Seaexplorer” den Schweizern auf den letzten Seemeilen am Montagmorgen in der Bucht von Aarhus noch einmal bis auf weniger als eine Seemeile nah. Doch das Ziel erreichte Team Holcim – PRB nach 7 Tagen, 13 Stunden, 7 Minuten und 3 Sekunden mit 4 Minuten und 47 Sekunden Vorsprung vor der deutschen Yacht.

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Team Holcim – PRB verliert erstmals die Gesamtführung

“Holcim – PRB”-Skipper Kevin Escoffier sagte: “Ich denke, wir sind schnell und genauso gut gesegelt wie die anderen. Wir hatten ein paar Probleme – am Anfang mussten wir etwas Vertrauen in unseren Mast gewinnen, und dann haben wir den 24-Stunden-Rekord gebrochen, aber es hat nicht ganz gereicht.” Einblicke in die Härten der Rekordtage gab Kevin Escoffier auch: “Die neuen Imocas sind ziemlich extrem – schnell, aber nicht sehr komfortabel. Ich kann euch sagen, dass 640 Meilen in 24 Stunden definitiv nicht komfortabel sind!”

Kevin Escoffier behält den Gesamtsieg weiter fest im Visier, auch wenn sein Team nach Rang zwei auf Etappe fünf im Gesamtklassement erstmals auf Platz zwei hinter 11th Hour Racing zurückfiel. “Mit dem zweiten Platz haben wir es immer noch in der Hand, das Ocean Race zu gewinnen”, sagte Escoffier. Dem Franzosen war anzusehen und anzuhören, dass er mit Rang zwei auf dieser Etappe nicht wirklich zufrieden war. Auch, wenn er Profi genug ist, in Interviews lieber über die vorausliegenden Chancen zu sprechen. Dass auf “Holcim – PRB” am Tag vor dem Etappenfinale das Fallenschloss der J3 gebrochen war, hätte das ehrgeizige Team beinahe Rang drei gekostet.

Team Malizia mit Licht und Schatten in Etappe fünf

Für Team Malizia war Etappe fünf eine Medaille mit zwei Seiten: einerseits kassierte das Team mit Rang drei einen Rückschlag im Kampf um den Gesamtsieg im 14. The Ocean Race. Andererseits markiert die Rücketappe nach Europa einen historischen Erfolg für die Malizianer. Die Crew hatte mit 641,13 Seemeilen einen 24-Stunden-Rekord in neuer Dimension aufgestellt. “Viele haben versucht, diesen Rekord zu kriegen. Ich auch über viele Jahre, gemeinsam mit Giovanni Soldini. Dieser Rekord ist wirklich etwas ganz Besonderes”, sagte Herrmann.

Rosie Kuiper, die von Herrmann nach dem Festmachen im Hafen von Aarhus ins Wasser befördert wurde, sagte: “Von diesem Rekord träumt jeder Segler.” Auf die Frage, ob die gerade beendete Etappe bereits eine Vorentscheidung im Kampf um den Gesamtsieg bedeute, sagte Boris Herrmann, der am Tag vor dem Finale auf See seinen 42. Geburtstag gefeiert hatte: “Wir kämpfen weiter. Abgerechnet wird im Ziel.”

Team Biotherm kommt erst in einigen Tagen in Aarhus an

Vier Punkte Rückstand auf 11th Hour Racing und drei Zähler Rückstand auf Team Holcim – PRB klingen nicht bedrohlich, wiegen aber schwer mit Blick auf die nur kleine Flotte, die auf den bevorstehenden beiden einfach gewerteten Etappen wenig Spielraum für große Sprünge lässt. Es wird für Team Malizia schwer, ist aber gleichzeitig nicht unmöglich, die beiden führenden Boote auf den verbliebenen zwei Etappen via Kiel nach Den Haag und weiter in den Zielhafen Genua noch einmal anzugreifen.

Noch im Rennen ist das von Pech verfolgte französische Team Biotherm. Als die anderen drei Boote festgemacht hatten, lagen noch mehr als 750 Seemeilen vor dem blau-weißen Imoca. Das Team war gleich nach dem Etappenstart in Newport in einem flauen Feld hängen geblieben und hatte danach mit technischen Problemen zu kämpfen. Seitdem segeln Skipper Paul Meilhat und seine Crew in anderen, weit weniger günstigen Windsystemen als das Spitzen-Trio.

Reicht die Zeit für Paul Meilhat und seine Crew?

Seit am Pfingstsonntag auch noch das Backstagwant gebrochen ist, humpelten die Franzosen der immer noch 740 Seemeilen entfernten Ziellinie am Montag mit nur vier, fünf Knoten entgegen. Sie müssen um ihr rechtzeitiges Ankommen und genügend Vorbereitungszeit für den Start in Etappe sechs am 8. Juni fürchten. Der sechste Abschnitt führt die Flotte via Fly-by in Kiel am 9. Juni nach Den Haag. Von dort geht es ab 15. Juni in den italienischen Finalhafen Genua.

Der Clip zu Team Malizias 24-Stunden-Weltrekord an Tag sechs der Transatlantik-Etappe:

Ohne Windinstrumente segelte Team Holcim – PRB in Etappe fünf auf Rang zwei – hier ging Sam Goodchild zur Reparatur in den Mast:

Hier feiern die Etappensieger ihren Erfolg:

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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