Das glückliche Gesicht von Boris Herrmann sagte am Ende seines ersten Solos mit der neuen “Malizia 4” viel. Das galt nicht nur der abgeschlossenen Qualifikation für den bereits angekündigten November-Soloeinsatz bei der Route du Rhum, die er jetzt in der Tasche hat. Es galt auch der ersten Einhanderfahrung mit dem fast noch werftneuen Boot. Am 25. Juli war er nach den ersten Tests und Trainings erstmals im Alleingang losgesegelt. Jetzt hat er die erforderlichen 1200 Solomeilen in der Tasche.
Die Qualifikationsrunde absolvierte Boris Herrmann auf “Malizia 4” in der Keltischen See, dem Gebiet zwischen der irischen Südküste, Wales, Cornwall und der Bretagne. Das Solo mit der kaum einen Monat alten Imoca verlief laut Team Malizia “reibungslos”, das Boot segelte “hervorragend”. Nach Erreichen von Fastnet Rock an der Südwestspitze Irlands ging es für den Skipper fast wie bei einem Wochenendausflug zurück nach Lorient, wo er am Montagmorgen wieder festmachte. Die offizielle Bestätigung der Veranstalter der Route du Rhum kam bereits wenige Tage später.
Nun ist Boris Herrmanns offiziell zugelassen zu seinem dritten Start beim französischen Klassiker, der seine Herausforderer im anbrechenden Winter von Saint-Malo nach Guadeloupe führen wird. In diesem Jahr sind Solisten in sechs Klassen gefordert: Class40, Ocean Fifty, Imoca und Ultim, dazu in den Divisionen Vintage Multi und Vintage Mono. Das Rennen mit dem offiziellen Namen Route du Rhum – Destination Guadeloupe 2026 startet am 1. November in Frankreich und führt über den Atlantik nach Pointe-à-Pitre auf der französischen Karibikinsel.
Für Boris Herrmann wird es eine besonders spannende Prüfung werden, denn der seit 1978 ausgetragene Klassiker markiert nach dem Teamrennen Ocean Race Atlantic ab 1. September von New York nach Lorient nur wenig später die erste Soloregatta für den zweimaligen Vendée-Globe-Absolventen. Davor steht mit dem Ocean Race Atlantic aber noch die erste Teamregatta. Der Startschuss für Boris Herrmann, Julien Villion, Justine Mettraux und Cole Brauer fällt am 1. September in New York.
Co-Skipper Will Harris wird das Ocean Race Atlantic mit Francesca Clapcichs Crew auf “11th Hour Racing” bestreiten, bevor er ins Team Malizia zurückkehrt. Auf dem Weg dahin hat Boris Herrmanns langjähriger Co-Skipper jetzt gerade auch sein erstes Imoca-Solo bestritten. Auch er tat es wie zuvor Boris Herrmann auf der neuen “Malizia 4”, die seit ihrem Stapellauf am 6. Juli fast durchgehend gefordert wird.
Auch Will Harris meisterte seine Herausforderung gut, trat sie nicht ohne jahrelange Imoca-Erfahrung an. Harris hatte zuvor The Ocean Race 2023 mit Boris Herrmann und Team Malizia ebenso auf einer Imoca bestritten wie dreimal das Transat Jacques Vabre, das inzwischen unter seinem neuen Namen Transat Café L’Or bekannt ist.
Auch Soloerfahrung auf kleineren Foilern hatte der Wetterexperte im Team Malizia im Gepäck, als er die neue “Malizia 4” jetzt alleine segelte. Dabei war die Chance zu dem lange ersehnten Solo-Vorhaben für Will Harris überraschend gekommen. Boris Herrmann hatte seinen engsten Segelwegbegleiter etwa eine Woche zuvor gefragt, ob er das Boot im Alleingang auslaufen lassen wolle.
Offen erzählte Will Harris: “Ich habe das, ehrlich gesagt, überhaupt nicht erwartet. Am Anfang war ich sehr nervös. Ich habe schon so viele Seemeilen um die Welt zurückgelegt, sowohl mit Crews als auch zu zweit. Auch war ich viel solo auf Figaros uns kleinen Booten unterwegs. Aber ich war noch nie alleine auf einem so großen Boot unterwegs.”
Harris war am 7. August aufgebrochen, um über Nacht rund 300 Seemeilen vor der Küste der Bretagne zu segeln. Wie man es in einer ersten Solo-Nacht an Bord einer Imoca erwarten kann, fand er kaum Schlaf. Der Brite verbrachte die Nacht größtenteils im Cockpit, ließ seine Koje unberührt und gönnte sich nur zwischendurch ein paar Minuten Ruhe. Seine größte Sorge galt dem Ausschauhalten nach Fischkuttern, Bojen und allem anderen, mit dem er im Einhandmodus möglicherweise kollidieren könnte.
Harris war am 7. August aufgebrochen, um über Nacht rund 300 Seemeilen vor der Küste der Bretagne zu segeln. Wie man es in einer ersten Solo-Nacht an Bord einer Imoca erwarten kann, fand er kaum Schlaf. Der Brite verbrachte die Nacht größtenteils im Cockpit, ließ seine Koje unberührt und gönnte sich nur zwischendurch ein paar Minuten Ruhe. Seine größte Sorge galt dem Ausschauhalten nach Fischkuttern, Bojen und allem anderen, mit dem er allein auf dem Boot möglicherweise kollidieren könnte.
Wenn man alleine segelt, darf man nie vergessen, dass man der Einzige auf dem Boot und für alles verantwortlich ist. Das ist die Herausforderung, aber genau das hat mir daran auch so gut gefallen.” Will Harris
Seine Hoffnungen bestätigten sich draußen auf See. Nach dem Solo mit Boris Herrmanns Neuer berichtete er begeistert: „Als ich dann tatsächlich da draußen war, hat es mir unglaublich gut gefallen. Einfach nur allein auf dem Boot zu sein, ist ein ganz anderes Gefühl als in einer Crew. Man ist einfach an seinem Platz im Ozean. Diese Herausforderung und dieses Gefühl liebe ich über alles! Es war schon immer mein Traum, eines Tages die Vendée Globe zu segeln. Ich glaube, ich musste mir das aber erst einmal mit meiner ersten Solo-Nacht beweisen.”
Bekommen hat Will Harris die Chance von Boris Herrmann und Team Malizia, weil sie es zuvor alle zusammen geschafft hatten, die lange Liste gesetzter Ziele für die Zeit nach dem Stapellauf abzuarbeiten. Für Will Harris ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen und ein neuer Meilenstein gesetzt. Er sagte: “Ich bin Boris und dem Team unglaublich dankbar, dass sie mir diese Gelegenheit gegeben haben.“
Auch an Land gab es zum zehnjährigen Bestehen frohe Kunde für den Rennstall von Boris Herrmann: Team Malizia und Partner Schütz haben ihre Partnerschaft um weitere fünf Jahre verlängert. Das Unternehmen unterstützt das Offshore-Team seit fünf Jahren als offizieller Ausrüster und technischer Partner und setzt die Partnerschaft bis 2030 fort. So motiviert, geht es für “Malizia 4” und ihre Überführungscrew am Mittwoch um 11 Uhr los nach New York.
Skipper ist für die Überführung Will Harris, der erst in New York auf “11th Hour Racing” wechselt. Mit ihm bringen Julien Villion, Justine Mettraux, Cole Brauer und Loïs Berrehar “Malizia 4” auf Kurs Big Apple, wo mit “DMG Mori Global One”, “Embrace the Challenge” und “11th Hour Racing” drei Imocas schon angekommen sind. Die drei anderen – ”MSIG Europe”, “United by the Ocean” und “Malizia 4” folgen in dieser Woche. Hier geht es zum Tracker für die Atlantik-Überführungen der Herausforderer im neuen Ocean Race Atlantic, das am 1. September in New York startet.

Freie Reporterin Sport
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