Die Starboot-Europameisterschaft vor Medemblik endete für Nick Heuwinkel vom Kieler Yacht-Club und Jesper Spehr von der Seglervereinigung Malente-Gremsmühlen mit Silber. Nach fünf Wettfahrten lag das deutsche Team noch mit einem Punkt vorn. In den beiden entscheidenden Rennen setzte sich jedoch die Erfahrung des Brasilianers Robert Scheidt durch: Der fünffache Olympiamedaillengewinner gewann die Regatta gemeinsam mit seinem amerikanischen Vorschoter Austin Sperry. Sechs Punkte trennten die neuen Europameister und Heuwinkel/Spehr in der Endabrechnung.
Bronze ging an den Italiener Diego Negri und Sergio Lambertenghi. Damit stand das deutsche Duo zwischen zwei Crews auf dem Podium, die seit Jahren zur Weltspitze der Klasse gehören. Für Heuwinkel und Spehr ist es der erste große internationale Podestplatz in der Gesamtwertung.
Die Entscheidung fiel am Finaltag unter anspruchsvollen Bedingungen. Bei ablandigem Südwestwind um 13 Knoten zogen Regenfronten über das Feld. Zeitweise war die Sicht so schlecht, dass mehrere führende Teams Probleme hatten, die Ziellinie auszumachen. Scheidt/Sperry nutzten die sechste Wettfahrt, um mit einem Sieg die Führung zu übernehmen. Heuwinkel und Spehr kamen auf Platz sechs ins Ziel.
Im danach angeschossenen letzten Rennen klarte der Himmel auf, der Wind nahm weiter zu. Böen bis 20 Knoten und eine steile Welle verlangten den Crews auf dem Vorwindkurs viel ab. Scheidt/Sperry gewannen erneut, Negri/Lambertenghi wurden Zweite. Heuwinkel/Spehr behaupteten mit Rang drei den Vize-Europameistertitel.
„Wir haben den ersten Platz nicht verloren, sondern den zweiten Platz gewonnen“, bilanzierte Heuwinkel nach der Regatta. Das ist mehr als eine diplomatische Formulierung: In einem Feld mit 66 Teams aus 17 Nationen haben die beiden Deutschen bis zum Schluss um den Titel gekämpft.
Heuwinkel und Spehr segeln erst seit wenigen Jahren gemeinsam Starboot. Ihre Entwicklung verlief dennoch schnell. 2024 gewannen sie bei der Internationalen Deutschen Meisterschaft vor Travemünde den Titel. Bei der Starboot-Weltmeisterschaft 2025 in Split wurden sie Gesamtsechste und sicherten sich die U30-Wertung.
Für Heuwinkel war der Wechsel ins Starboot die Fortsetzung einer leistungsorientierten Laufbahn nach Jahren im ILCA und Finn Dinghy. Spehr bringt dagegen Erfahrungen aus der Klasse seit seiner Kindheit mit. Dieses Zusammenspiel aus Einhandboot-Routine am Steuer und gewachsener Starboot-Praxis an der Vorschot funktioniert bemerkenswert gut.
Die EM in Medemblik unterstreicht auch die Breite der deutschen Starboot-Flotte. Max Kohlhoff und Ole Burzinski belegten als zweitbestes deutsches Team Rang acht, obwohl eine Disqualifikation im letzten Rennen ein noch besseres Ergebnis verhinderte. Direkt dahinter folgten die amtierenden deutschen Meister Hubert Merkelbach und Markus Koy auf Platz neun. Wie hoch die Leistungsdichte in der Klasse ist, zeigte schon die Starboot-WM 2025 mit Paul Cayard und Frithjof Kleen.
Für Heuwinkel und Spehr geht es im November zur Weltmeisterschaft nach Miami. Rund 100 Teams werden erwartet; ihr Boot ist bereits in Rotterdam für den Transport im Container verladen. Nach Gold in der U30-Wertung und Silber bei der EM lautet die entscheidende Frage nun: Können die beiden ihre Konstanz auch im großen WM-Feld bestätigen?
Das Ergebnis von Medemblik spricht dafür. Nicht nur ein einzelner Tagessieg, sondern eine Serie unter wechselnden Bedingungen brachte das Team aufs Podium. Gerade im Starboot, in dem Bootsgefühl, Trimm und eingespielte Abläufe über lange Wettfahrten zählen, ist das ein deutliches Signal.
Die Star Class verbindet den Erfolg von Medemblik mit einer ungewöhnlich langen Tradition. Das Boot wurde 1911 von Francis Sweisguth entworfen; die ersten Starboote segelten am 30. Mai 1911 auf dem Long Island Sound ihre Regatta. Bereits 1922 gründete sich die internationale Klassenvereinigung, ein Jahr später folgte die erste Weltmeisterschaft. Die Rumpfform wurde seitdem im Kern nicht verändert, Rigg und Ausrüstung entwickelten sich jedoch weiter. Die Geschichte der Star Class dokumentiert den Weg vom gaffelgetakelten Ursprung bis zum heutigen Hochleistungs-Kielboot.
Olympisch war das Starboot von 1932 bis London 2012. Als älteste olympische Segelklasse zog es über Jahrzehnte Spitzensegler an – und behielt diese Anziehungskraft auch nach dem Ausscheiden aus dem olympischen Programm. Mehr als 8.600 Boote wurden gebaut, über 2.200 werden nach Angaben der Klassenvereinigung noch aktiv gesegelt. Dass in Medemblik ein junges deutsches Team mit Scheidt und Negri um den Titel kämpfte, passt deshalb genau zur besonderen Kultur dieser Klasse: Tradition und Weltspitze treffen weiterhin auf demselben Startkreuz aufeinander.
Regatten gewinnen auf Jollen und Yachten von Fred Imhoff führt durch die zentralen Bereiche des Regattasegelns: Material, Segeltrimm, Wetter, Strom, Taktik und die psychologischen Anforderungen einer Wettfahrt. Für Leser, die den EM-Erfolg von Heuwinkel und Spehr nicht nur als Ergebnis verfolgen, sondern die Stellschrauben hinter einer konstanten Serie besser verstehen wollen, liefert das Buch eine praxisorientierte Grundlage für Jolle und Yacht.
Trimmen zum Gewinnen konzentriert sich auf den technischen Teil des Tempos: Wie Rigg, Segelprofil und Anhänge Geschwindigkeit erzeugen, wie sich das Boot an unterschiedliche Windstärken anpassen lässt und was sich auf Amwind- und Vorwindkurs verändert. Damit ergänzt der Titel die taktische Perspektive um das Verständnis für jene Trimmarbeit, die im Starboot besonders entscheidend ist.

Chefredakteur YACHT und BOOTE Exclusiv
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