So verheißungsvoll der Auftakt zum zweiten Liga-Wochenende der Saison verlief, so rennarm blieben die folgenden beiden Tage. Auf dem Starnberger See war es am 1. Mai mit sechs Flights vielversprechend losgegangen. Am Abend freuten sich die Ausrichter noch darüber, dass sie an nur einem Tag fast so viele Wettfahrten in den Kasten bekommen hatten wie beim ersten Liga-Gifel zwei Wochen zuvor im gleichen Revier übers gesamte Wochenende. Dass danach zwei Tage lang nichts mehr gehen würde, konnten sie da noch nicht wissen. Doch sie ahnten es.
Das Gastspiel im Bilderbuchrevier des Bayerischen Yacht-Clubs endete am Sonntag mit den Ergebnissen vom Freitag. Dazwischen lagen festliche Mai-Stimmung, viele, viele Kartenspiele, der eine oder andere im feschen Trachten-Outfit genossene Aperol und Segelsäcke voller Gelduld und Hoffnung, die sich sportlich nicht erfüllte. Dass die Gastgeber parallel zum Liga--Auflauf ihre traditionsreiche Mai-Feier mit Ansegeln zelebrierten, beflügelte auch die Laune der Ligasegler, für die an diesem Wonnewochenende ohne Wind über zwei Drittel des Events keine Rennen möglich waren.
Was die Liga-Mannschaften können, mussten sie an Tag eins gezeigt haben. Den Teams vom Norddeutschen Regatta Verein (1, 1, 3, 1, 1, 2) und vom Verein Seglerhaus am Wannsee (1, 3, 1, 3, 2, 2) gelang das Kurprogramm am besten. Sie gewannen das Kräftemessen in der 1. und in der 2. Bundesliga. Dabei legten die achtmaligen Rekordmeister von der Alster bei den Erstligisten mit insgesamt nur neun Zählern auf dem Starnberg-Konto sogar noch satte vier Punkte zwischen sich und den zweitplatzierten Münchner Yacht-Club. Auf Rang drei segelte punktgleich mit den Münchnern der Blankenese Segel-Club (beide 13 Punkte).
Dem Joersfelder Segel-Club reichte Rang vier unter den Erstligisten, um die Tabellenführung nach nun zwei Events mit insgesamt fünf Punkten vor dem stark aufgekommenen Norddeutschen Regatta Verein (7 Punkte) und dem Bodensee-Yacht-Club Überlingen (11 Punkte) zu verteidigen. Zurückgefallen sind in der Tabelle die Deutschen Vereinsmeister von 2024: Der Mühlenberger Segel-Club kam auf dem Starnberger See nicht über Platz 16 hinaus, rutschte mit 18 Punkten zunächst auf Platz neun zurück.
Mit ihrem Sieg bei den Erstligisten fanden Mats Schönebeck, Henrik Peters, Moritz Gießelmann und Ferdinand Pfund nach Platz sechs beim Saisonauftakt in die Erfolgsspur zurück. „Die Saison ist lang und ich freue mich, dass Mats, Henrik, Moritz und Ferdi für einen sehr soliden Start gesorgt haben. Wie all die Jahre werden wir auch in diesem Jahr viel rotieren. So werden in den kommenden drei Spieltagen drei weitere Steuerleute mit ihren Teams zum Einsatz kommen“, sagt NRV-Clubmanager und Bundesliga-Teammanager Klaus Lahme.
In der 2. Segel-Bundesliga ging es im Kampf um den Sieg auf dem Starnberger See knapper zu: Der VSaW setzte sich in den sechs Rennen für jedes Team mit insgesamt 12 Punkten gegen den Segel-Club Ville (13 Punkte) und den Lübecker Segler-Verein von 1885 (14 Punkte) durch. Für das Hauptstadt-Crew waren Steuermann und Ilca-7-Ass Nico Naujock, Frederike Westphalen, Anna Krömke und Carolin Schaaff erfolgreich im Einsatz.
“Wir sind mit einem zweiten Platz im Durchschnitt sehr zufrieden”, zog Nico Naujock für sein Team Bilanz. Die Berliner hatten wie die meisten Crews schon vor dem ersten Startschuss geahnt, dass kein windreiches Wochenende bevorsteht. „Nach der Vorhersage von letzter Woche sind wir schon fast von einem Eintages-Event ausgegangen – deswegen wollten wir am Freitag so viele Rennen wie möglich fahren”, sagte VSaW-Steuermann Nico Naujock.
Für das Szenario hatten der Ilca-7-Steuermann und seine Crew einen Plan: “Wir wollten konstant fahren, sind am Ende mit einem 2. Platz im Schnitt sehr zufrieden. Der Wind war typisch für Starnberg: sehr böig, sehr drehig. Spaß ist auf jeden Fall vorhanden – wer unsere TikToks gesehen hat, weiß: Lockerheit ist damit vorprogrammiert.”
In der Zweitligatabelle hat der VSaW mit seinem Sieg einen großen Sprung nach vorne gemacht, verbesserte sich von Platz 8 auf Platz 2. Die Zweitliga-Tabellenführung verteidigte der Lübecker Yacht-Club nach dem Auftaktsieg mit Rang sieben in der zweiten Starnberger-See-Runde bei noch einem Punkt Vorsprung vor den Berlinern.
Nach einmal acht und einmal sechs statt der erhofften jeweils 16 Durchgänge ruhen die sportlichen Hoffnungen der Ligasegler nun auf den kommenden Events. Dabei ist die Bundesliga in ihrer 14. Saison ausschließlich von Binnenrevieren geprägt. Auch in Kiel wird beim dritten Event vom 10. bis zum 12. Juli in der Innenförde auf Höhe des Hotels Kieler Yacht-Club gesegelt.
Es folgen die Begegnungen auf der Hamburger Außenalster beim Norddeutschen Regatta Verein (31. Juli bis 2. August) und die beiden Wannsee-Gipfel: Vom 18. bis 20. September ist der Potsdamer Yacht-Club Gastgeber. Das Finale richtet der Verein Seglerhaus am Wannsee vom 15. bis zum 17. Oktober aus.

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