SailGPWilder Ritt im Bermuda-Dreieck

Tatjana Pokorny

 · 09.05.2026

Packende Jagdszene mit dem Germany SailGP Team und den Briten.
Foto: Jason Ludlow for SailGP
Der erste der beiden Bermuda-Renntage hat der rasanten SailGP-Flotte und den Fans viel Spaß am Rennsport beschert. Zumindest jenen, die nicht von Verletzungen, technischen Problemen oder auch Penalties ausgebremst wurden. Team Germany hat sich beim Segelrodeo im Great Sound wacker geschlagen, startet am Sonntag von Platz vier aus mit Chancen auf den Finaleinzug in die verbliebenen drei Fleetraces.

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Im Training hatte das SailGP-Bermuda-Gastspiel für Team Germany wenig verheißungsvoll begonnen. Ein Ruderbruch in Folge einer Kollision mit einem unbekannten Objekt hatte Steuermann Erik Kosegarten-Heil und sein Team unsanft ausgebremst.

“Der Ruderbruch hat uns weit nach hinten geworfen, aber wir haben es wirklich geschafft, uns mental alle wieder gegenseitig aufzubauen. Wir hatten heute eine gute Ansprache von Felix van den Hövel. Deswegen ist es wieder gut nach vorne gegangen. Wir konnten uns heute recht gut aufs Rennen fokussieren”, sagte Erik Kosegarten-Heil, der mit seinem Team zuletzt wieder intensiv an den Starts gearbeitet hatte.

Germany SailGP Team: ein starker Start zum Auftakt

Mit weniger Training als die anderen Mannschaften startete Schwarz-Rot-Gold dann am Samstag in die ersten vier Fleetraces. Und es ging gleich gut los. “Das war ein sehr, sehr guter Start. Jetzt ist alles drin, sie müssen nur sauber über den Kurs kommen”, lobte Felix van den Hövel den Rennauftakt seiner Crew-Kameraden. Der frühere Grinder im Germany SailGP Team war am Samstag erstmals offiziell als ZDF-Co-Kommentator an der Seite von Nils Kaben im Einsatz, gab gute Einblicke ins Teamgeschehen an Land und auf dem Wasser.

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Das deutsche Team kam sehr gut über den Kurs, hielt über eine längere Phase Rang zwei und jagte die US-Spitzenreiter. Dann jedoch kamen von hinten Giles Scott und sein kanadisches Team NorthStar immer stärker auf. In den letzten Rennminuten zwangen die Kanadier den deutschen F50-Foiler zum Ausweichen und zogen am langsamer werdenden Team Germany vorbei. “Das war leider ein Schlüsselmoment, in dem wir einen Platz verschenkt haben”, sagte Co-Kommentator Felix van den Hövel.

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Beim folgenden schwachen Start kam Team Germany zu spät von der Backwall und musste das Rennen aus der zweiten Reihe eröffnen. Das Rennen bliebt ein Kampf bis zum Schluss. Zwei Penalties – für die Überschreitung der Kursbegrenzung ohne Not und eine Wegerechtsverletzung – trotzten Erik Kosegarten-Heil und seine Crew mit guten Aufholqualitäten.

Platz vier für Schwarz-Rot-Gold zur Halbzeit

“Das blaue Auge vom Start schwillt langsam ab”, hielt ZDF-Mann Nils Kaben im Rennverlauf fest. Am Ende wurde aus dem Auf und Ab noch ein guter sechster Platz für den Rennstall von Thomas Riedel, dem viermaligen Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel und weiteren Anteilseigentümern. Die weiteren beiden Rennen des Tages beendete Team Germany mit den Rängen drei und sieben. Mit Platz vier zur Halbzeit war eine gute Basis für den entscheidenden zweiten Renntag geschaffen.

Wir haben morgen eine Chance aufs Finale.” Felix van den Hövel.

Mit nur drei Punkten Rückstand lagen die Deutschen (25 Punkte) am Samstagabend als Vierte in Schlagdistanz zum drittplatzierten U.S. SailGP Team (28 Punkte). Spitzenreiter waren nach vier von sieben Fleetraces bis zum Dreier-Finale beim Apex Group Bermuda Sail Grand Prix punktgleich die australischen Tabellenführer der Bonds Flying Roos um Tom Slingsby und Spaniens Los Gallos mit den 49er-Olympiasiegern Diego Botin und Flo Trittel.

Damit haben sich an Tag eins zwei der aktuell formstärksten Teams der Liga an einem chaotischen Renntag durchsetzen können. An einem Tag, der von starkem Wind, engen Rennen und mehr als einem Schreckmoment geprägt war, unterstrichen die Australier und Spanier einmal mehr, warum sie sich in der Rolex SailGP-Meisterschaft 2026 als frühe Spitzenreiter herauskristallisiert haben.

Die Spitzenreiter: aggressiv, präzise, nervenstark

​Dabei kombinierten die Flying Roos ihre typische Aggressivität mit präzisem Bootshandling, gewannen zwei der vier Rennen. Gleichzeitig präsentierten sich auch die amtierenden Bermuda-Meister Los Gallos am nervenzerrenden Nachmittag auf dem Great Sound bei einem Rennsieg und drei guten Ergebnissen in Bestform.

Die Boote sind einfach perfekt for diese Bedingungen: 13 bis 17 Knoten Wind, flaches Wasser, kristallklare See. Schönes Wetter, viele Fans, die uns anfeuern. Viel besser geht es nicht.” Tom Slingsby

Etwas erholt haben sich die amtierenden SailGP-Meister von ihrem Einbruch in Rio de Janeiro, wo sie Letzte wurden: Team Emirates GBR startet am Sonntag von Platz sechs aus in die weiteren Rennen. Kurz vor dem Bermuda Gipfel hatte König Charles III. das Emirates Team GBR im Rahmen seines Staatsbesuchs in dem Überseegebiet getroffen und der Mannschaft Glück gewünscht. Fahrer Dylan Fletcher hatte den König auf Bermuda in der Royal Naval Werft getroffen und ihm ein Modell des Emirates GBR F50-Rennboots üebrreicht.

Danach bestätigte der Great Sound seinem Ruf als einer der legendärsten – und gnadenlosesten – Austragungsorte der SailGP. Starke Böen und haarsträubende Begegnungen der Boote auf dem Kurs setzten die Crews stark unter Druck. Mehrere Teams konnten Kollisionen nur knapp vermeiden. Die Rang- und Teilnehmerlisten veränderten sich im ähnlichen Tempo wie die über den Kurs jagenden Foiler.

Schafft Team Artemis das Comeback?

Das schwedische Team Artemis SailGP wurde zum ersten Opfer: technische Probleme an Bord ihres F50ers hinderten sie am Start. Das war ein harter Schlag für den jüngsten Team-Neuzugang im SailGP, nachdem Fahrer Nathan Outteridge und sein Team gerade zuror in Rio den Janeiro mit Rang drei ihr bislang bestes Ergebnis eingefahren hatten.

Das SailGP-Technikteam kämpfte am Abend noch im Wettlauf gegen die Zeit, um Team Artemis für die Rennen am Sonntag wieder an die Startlinie bringen zu können. Auch das dänische Team Rockwool Racing wurde durch Probleme beim Absenken und Anheben der Foils behindert und zum Ausstieg aus Rennen drei gezwungen. “Es ist das vierte Event in Folge, bei dem wir einen Tag einer Regatta verlieren. Das ist frustrierend”, sagte der dänische Steuermann Nicolai Sehested.

Der Foiler von Red Bull Italy wurde im selben Rennen von Hydraulikproblemen geplagt. Im französischen DS Team France hat sich America’s-Cup-Gewinner Glenn Ashby, der schon als Ersatzmann den verletzten Leigh McMillan vertrat, eine Beinverletzung zugezogen. Steuermann Quentin Delapierre berichtete nach dem Rennen, dass sich Ashby den Knöchel gebrochen hat. “Das war hart mitanzusehen. Wir versuchen, nach vorne zu schauen und Lösungen zu finden”, sagte Delapierre in Hamilton.

Die Rennen im Apex Group Bermuda Sail Grand Prix werden am Sonntag wieder ab 19 Uhr im ZDF-Streaming übertragen.

Und das sagten die Steuerleute am Abend nach dem ersten Renntag im Apex Group Bermuda Sail Grand Prix:

Sie begannen verheißungsvoll.

Die Saisonmeister von 2025 haben sich noch nicht ganz vom letzten Paltz in Rio de Janeiro erholt.

Taylor Canfield is the most aggressive starter in the fleet, with an average distance to the start of 26.52 meters

Tom Slingsby and the BONDS Flying Roos hold the record for most event wins with 18

​The Aussies are also the record holder for false starts, counting 13 OCS in total (although they've been in SailGP from the start)

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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