OlympiaMaus WM-Neunter, Sonntagsmedaillen für die Skiff-Besten?

Tatjana Pokorny

 · 16.05.2026

Jannis Maus kämpfte sich bei der WM der olympischen Formula-Kiter bis ins Viertelfinale.
Foto: Robert Hajduk/IKA Media
Die WM der olympischen Formula-Kiter ist am Samstag in Portugal ohne GER-Medaille, aber packend zu Ende gegangen. Am Sonntag steigt die Spannung noch: Bei der 49er- und 49erFX-WM kämpfen in Frankreich gleich drei deutsche Crews um Medaillen. Für ein co-favorisiertes Duo platzten alle Hoffnungen mit dem brutalen Absturz am Vorschlusstag.

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Formula-Kiter Jannis Maus ist im olympischen Segelsport spätestens seit 2024 eine bekannte Größe. Als Olympia-Fünfter war der Oldenburger neben Kite-Teamkameradin Leonie Meyer in der Bucht von Marseille der erfolgreichste Akteur der Segelnationalmannschaft. Danach fokussierte sich der Doktorand im Fach erneuerbare Energien auf sein Studium, bevor er wieder intensiv in den Leistungssport zuückkam. Damit ist er inzwischen weit gekommen.

Formula-Kite-WM: kleiner Fehler, keine Medaille

Bei der Weltmeisterschaft der Formula-Kiter im nordportugiesischen Revier von Viana do Castelo erkämpfte sich der 29-Jährige an diesem Wochenende Platz neun. Lieber wäre er noch weiter als ins Viertelfinale gekommen, doch kostete ihn nach einer konstanten Woche mit Top-Ten-Ergebnissen ein Fehler auf der ersten Kreuz des minutenkurzen K.o.-Rennens das Ticket fürs Halbfinale.

Maus war in Luv ins Rennen gegangen, nachdem der Wind kurz vor dem Startsignal noch nach rechts gedreht hatte. Er erklärte später: „Ich dachte beim Start: Du nimmst den Rechtsdreher mit, fährst einen langen Starboard-Bug. Das hat sich aber nicht ausgezahlt. Die frühe Wende raus war verkehrt. Draußen stand der Wind wieder links, sodass ich zweimal auf die Nase bekommen habe.“

Anschließend konnte er noch einen Platz gutmachen, kam als Viertelfinal-Vierter ins Ziel – das Aus für den sympathischen Kämpfer an dieser Stelle ergab Platz neun im WM-Schlussklassement. Zum Champion wurde zum dritten Mal der erst 19-jährige Kite-Dominator Max Maeder aus Singapur gekürt. Sein mit 18 Jahren noch jüngerer Schweizer Trainingskollege Gian Stragiotti holte mit Silber seine erste WM-Medaille. Zusammen sprangen Maeder und Stragiotti nach ihren Zieldurchgängen in die Atlantikfluten, jubelten ausgelassen. Der österreichische Olympiasieger Valentin Bontus gewann WM-Bronze.

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Aufsteiger Jan Vöster: unsanft in der Silberflotte gelandet

Trotz des Viertelfinaldämpfers zog mit Jannis Maus der beste Formula-Kiter vom German Sailing Team im WM-Revier nach dem Finale positiv Bilanz, sagte: „Mein Resümee ist grundsätzlich gut. Ich kann sehr, sehr zufrieden sein mit den Ergebnissen, die ich auch am vorletzten Tag eingefahren habe. In den Rennen war von Platz 3 bis 10 alles drin. Ich habe eigentlich jeden Tag in den Top Ten beendet.”

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Dem WM-Finalformat der olympischen Kiter attestiert Jannis Maus zwei Seiten: “Es ist sehr bestrafend, wenn man einen kleinen Fehler macht. Es ist gnadenlos, aber natürlich auch spannend für die Zuschauer.” Einen Tiefschlag hatte in Portugal Jan Vöster wegzustecken. Der junge Kite-Aufsteiger vom Württembergischen Yacht-Club, der in diesem Jahr beim top-besetzten Saisonauftakt vor Mallorca schon ins Halbfinale gerast war, landete bei der WM in der Silberflotte.

Auslöser dafür war ein verpatzter erster WM-Tag. Später gab es noch eine Protestentscheidung zugunsten eines Gegners, in deren Folge der 22 Jahre junge Vöster den auf dem Wasser schon erreichten 25. Platz, der am Ende der Hauptrunde zum Goldflotteneinzug berechtigt hätte, am grünen Tisch noch um einen Zehntelpunkt an den Protestgewinner verlor. Platz acht in der Silberflotte (WM-Platz 33) tat weh. Vöster sagte: “Es liegt mehr an meinem Mindset als an meinem Fahrkönnen. Mein Coach und die anderen wissen, was ich für ein Potenzial habe. Jetzt geht es darum, dieses Potenzial für mich unter Druck noch zugänglicher zu machen.“

Schultheis/Rieger: erst Höhenflug, dann Absturz an nur einem Tag

Dom Tidey erlebte den Rückschlag für einen jungen und aufstrebenden Athleten nicht zum ersten Mal, sagte: “Manchmal geht es im Hochleistungssport für junge Ahtleten zwei Schritte vor und einen zurück. Die Erfahrung wird ihn stärker machen. Er ist jung und hat sehr viel Potenzial.“ Mit dieser Erkenntnis musste sich am Samstag auch der erst 21 Jahre alte 49er-Steuermann Richard Schultheis (Norddeutscher Regatta Verein) anfreunden.

Eine Woche lang hatten Schultheis und sein Vorschoter Fabian Rieger (Verein Seglerhaus am Wannsee) bei der Skiff-Weltmeisterschaft für 49er (Männer) und 49erFX (Frauen) ihre Ambitionen deutlich gemacht. Noch am Freitag waren sie auf Platz drei vorgerückt. Dabei hatten sie auch einen Rennsieg auf den Kurs gezaubert. Dann kam der desaströse Vorschlusstag, an dem sie beim Wackelwindschach im arg launischen Revier mit den Rängen 21, 18 und 24 um zwölf Positionen auf Platz 15 abstürzten – aus war der Traum von der Teilnahme am Finale und dem Kampf um eine WM-Medaille.

Richard Schultheis zog realistisch Bilanz: “Heute war ein sehr schwieriger Tag auf dem Wasser, an dem man sehr schnell Plätze verlieren konnte. Natürlich sind wir sehr enttäuscht, dass wir das Finale der Top 10 verpasst haben. Andererseits wissen wir, wozu wir fähig sind. Heute ist es uns aber auf dem Kurs nicht gelungen, alle Teile zusammenzufügen. Die Veranstaltung hatte für uns schwierig begonnen, da zuerst ich und dann Fabi mit starker Übelkeit zu kämpfen hatten. Daher sind wir zunächst einmal froh, dass wir es geschafft haben, so lange durchzuhalten und an den ersten vier Renntagen solide Leistungen zu zeigen.”

Der letzte Tag lief nicht nach unseren Vorstellungen, aber die Saison geht weiter.” Richard Schultheis

Anders lief es bei den Teamkameraden Jakob Meggendorfer und Andreas Spranger. Im vergangenen Jahr verletzungsgeplagt, scheint die Crew vom Bayerischen Yacht-Club auf den Punkt fit. Im erneut geänderten Finalformat der Skiffsegler greifen sie am Sonntag von Position drei aus an. Das neue Format sorgt dafür, dass die Top-Teams fürs Finale über eine Punktkompression der tatsächlich erzielten Hauptrundenergebnisse extrem eng beieinanderliegen.

Drei WM-Medaillenchancen im 49er und 49erFX

Das Szenario aus Sicht von Meggendorfer/Spranger vor dem 49er-Finale am 17. Mai ab 13.15 Uhr: Zu WM-Gold haben sie drei Zähler auf Seb Menzies/George Lee Rush (Neuseeland) aufzuholen. Zu Silber wäre es nur ein Punkt auf Harry Price/Max Paul (Australien). Gleichzeitig droht von hinten auch Gefahr für die Bayern Die Österreicher Kaenu Prettner/Jakob Flachberger und die niederländischen Weltmeister Bart Lambriex van Aanholt/Floris van de Werken liegen jeweils nur drei Zähler hinter den Deutschen. Hier geht es zu den 49er-Zwischenständen vor dem Sonntagsfinale der besten zehn Crews.

Ähnlich spannend wird es zuvor bei den 49erFX-Frauen schon ab 11.15 Uhr zur Sache gehen. Auf den Plätzen fünf und sechs starten sowohl die Hamburger Olympia-Sechsten Marla Bergmann/Hanna Wille (Mühlenberger Segler-Club, 39 Punkte) als auch die Women’s-America’s-Cup-Steuerfrau Maru Scheel und Freya Feilcke (Kieler Yacht-Club, 40 Punkte) mit Medaillenchancen ins Finale. Marla Bergmann sagte: “Wir sind zuversichtlich und werden alles geben für die Medaille. Die Punkte sind noch vorne und hinten eng. Also heißt es all in und zwei konstant gute Rennen hinlegen!”

Die Medaillen sind in Reichweite und wir strecken unsere Arme aus.” Maru Scheel

Nicht einmal die dominierenden Spanierinnen Paula Barceló/Maria Cantero (29 Punkte) sind uneinholbar. Erst recht nicht die Französinnen Manon Peyre/Amélie Riou (38 Punkte), die Belgierinnen Isaura Maenhaut/Anouk Geurts (38 Punkte) oder die mit Bergmann/Wille punktgleichen Norwegerinnen Pia Dahl und Nora Edland. Gute Nerven werden in diesem WM-Thriller am Sonntag zu den wichtigsten Waffen zählen.

Replay! Die Übertragung der Medaillenserien der Formula-Kiter bei ihrer WM in Viana do Castelo:

Live am Sonntag, den 17. Mai 2026: Die Medaillenfinals bei der Weltmeisterschaft für 49er., 49erFX und Nacra 17 in der Bucht von Quiberon:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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