OlympiaWM-Festival voraus – GER-Asse mit Medaillenchancen

Tatjana Pokorny

 · 15.05.2026

Wunderschönes WM-Panoramabild aus der Bucht von Quiberon von den Fotokünstlern von Sailing Energy.
Foto: Sailing Energy/49er and Nacra Class
WM-Medaillen voraus am Wochenende? Deutschlands beste Skiff- und Formula-Kite-Akteure machen im Endspurt Druck bei ihren Welttitelkämpfen in den olympischen Segeldisziplinen. Der Olympia-Fünfte Jannis Maus hat sich am Vorschlusstag in Portugal als Siebter in eine gute Angriffsposition gebracht. Noch besser sind die deutschen Top-Skiffs der Frauen und Männer vor ihrem letzten WM-Drittel platziert.

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Erst kommt das Finale der Formula-Kiter im portugiesischen Revier von Viana do Castelo, dann die Skiff-WM-Entscheidungen in der französischen Bucht von Quiberon: Das Wochenende bringt Hochspannung aus Sicht der Besten vom German Sailing Team. In der vergangenen Woche haben sie sich mit Top-Leistungen in starke Positionen gebracht. Jetzt läuft der Endspurt.

Der WM-Gipfel der olympischen Formula-Kiter

Die ersten WM-Medaillen an diesem Wochenende werden am Samstag in Viana do Castelo vergeben. Hier lag Jannis Maus am Freitagnachmittag nach elf Qualifikationsrennen und acht Hauptrundenrennen in guter Angriffsposition auf Platz sieben. Die Führung konnte Kite-Star Maximilian Maeder (Singapur) vor dem Schweizer Gian Strangiotti und dem Italiener Ricardo Pianosi behaupten. Der österreichische Olympiasieger Valentin Bontus war nach 19 Läufen Fünfter. Zu den WM-Zwischenständen der olympischen Formula-Kiter geht es hier.

Die Medaillenserien der Formula-Kiterinnen und -Kiter werden am Samstag live im YouTube-Kanal “kiteclasses” hier übertragen. Losgehen soll es ab 14 Uhr Ortszeit, also 15 Uhr deutscher Zeit. Der Olympia-Fünfte Jannis Maus (Cuxkiters e.V.) hat sich seine Medaillenchance an diesem Wochenende mit konstant hochklassigen Leistungen erkämpft. “Ich habe über die gesamte Serie zeigen können, dass ich da vorne reingehöre”, zog der 29 Jahre alte Oldenburger Zwischenbilanz.

Die andere Erkenntnis des Doktoranden der Windenergieforschung war vor dem Samstag-Finale diese: “Morgen ist nach oben hin alles offen. Da ist immer noch viel Spannung drin und ich habe voll Bock.” Das Viertelfinale wird mit den Kitern auf den Plätzen fünf bis zehn ausgefahren. Die beiden besten kommen weiter. Im Halbfinale treffen sie auf die nach der Hauptrunde dritt- und viertplatzierten Kiter. Wieder kommen die beiden Besten weiter, treffen im Finale auf die zwei Spitzenreiter der Hauptrunde.

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Wie ein “Mini-Tarifa”: die Entdeckung von Viana do Castelo

Es könnten im WM-Revier der Kiter ähnlich gute Bedingungen wie an diesem Freitag herrschen: 15 bis 22 Knoten Wind, guter Druck, Atlantik-Schwell. “Die langen Rollers mag ich”, sagt Jannis Maus, der mit der gesamten Formula-Kite-Weltelite in Viana do Castelo ein neues Revier entdeckt hatte, das vor der WM nur die Starter aus Portugal kannten. “Der Spot ist wirklich schön, windmäßig superschön. Gerade strahlt die Sonne, draußen sind viele Freeride-Kiter. Es ist ein bisschen wie Tarifa, nur etwas kleiner, nicht so gehyped”, sagt Jannis Maus.

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Dass mit Enercon ein Hersteller und Servicedienstleister für Windenergieanlagen in Viana do Castelo operiert, betrachtet Windernergieforscher Maus als positives Zeichen und sagte lächelnd. “Das ist vielleicht ein gutes WM-Omen für mich. Das passt genau zu mir. Also: windmäßig.” Sind die Entscheidungen am Samstag in Portgual gefallen, wenden sich alle olympisch interessierten Augen nach Quiberon, wo die WM-Medaillen im 49er, 49erFX und Nacra 17 am Sonntag vergeben werden.

Im Endspurt haben sich bei den Welttitelkämpfen in Frankreich die deutschen Skiff-Männer und -Frauen zwei Tage vor den Medaillenrennen in starke Ausgangspositionen gebracht. Richard Schultheis und Fabian Rieger (Norddeutscher Regatta Verein/Verein Seglerhaus am Wannsee) gelang am Freitag der erste Tagessieg. Das Duo rückte auf Platz drei vor. “Die Bedingungen waren bislang sehr fordernd, aber auch super cool zum Segeln”, sagte Steuermann Schultheis.

GER-Teams machen im 49er doppelt Druck

Wichtig war dem erst 21 Jahre alten Berliner, der auf Malta groß wurde und seit 2025 für das German Sailing Team und den Norddeutschen Regatta Verein startet, “dass wir die Risiken gut gemanagt und die Punkte in der Vorrunde niedrig gehalten haben”. Auf diese Leistung haben Schultheis/Rieger an Tag eins der Hauptrunde mit ihrem Rennsieg noch eine Schippe draufgelegt, auch wenn ein 25. Rang dazwischenfunkte – aktuell das Streichergebnis.

Die gute Botschaft aus Sicht der Nationalmannschaft: Auch die Olympia-Elften Jakob Meggendorfer und Andreas Spranger (Bayerischer Yacht-Club) drehen zum WM-Ende hin weiter auf, rückten zwei Tage vor dem Finale ebenfalls mit einem Rennsieg auf Platz vier vor. Andreas Spranger sagte: “An den beiden letzten Tagen der Qualifikation war richtig breeze-on!” Am ersten WM-Tag wurden drei Rennen bei neun bis 13 Knoten ausgetragen. Die Rennen am Mittwoch und Donnerstag hatten in mehr als 20 Knoten stattgefunden – eine Herausforderung für die Skiffsegler, die viele aber auch genossen.

Bei Lufttemperaturen von 12, 13 Grad hatten die Aktiven gleichzeitig frischen Bedingungen standzuhalten. “Wir waren ziemlich schnell, hatten soliden Speed. Das hilft ja immer. Wir sind gut gestartet und mussten uns mit unserem Starkwindhandling auch nicht verstecken. Das hat geholfen. Trotzdem haben wir hier und da ein paar Flüchtigkeitsfehler gemacht, ein paar Plätze liegenlassen. In der zweiten Hälfte geht es jetzt bis zum Finale darum, so sauber und akkurat wie möglich zu segeln, keine Punkte liegenzulassen, denn das wird in der Goldflotte doppelt hart bestraft.”

49erFX-WM: Olympia-Fünfte Bergmann/Wille greifen an

Von den beiden Goldflottentagen mit je drei Rennen ist der erste bestritten. Hier geht es zu den WM-Zwischenständen bei den 49ern. Der zweite Goldfleet-Tag folgt am Samstag. Dann steigen die finalen Medaillenrennen am Sonntag. Ebenso ist es bei den 49erFX-Frauen. Auch hier sind die GER-Seglerinnen aussichtsreich positioniert, wie das FX-Zwischenklassement zeigt. Dabei mussten aber Anna Barth und Emma Kohlhoff (Kieler Yacht-Club) – am Donnerstag noch beste deutsche FX-Crew im WM-Revier von Quiberon – am Freitag ein paar mehr Federn lassen, rutschten auf Platz zwölf zurück.

Es bleibt dennoch dabei, dass sich die 49erFX-Steuerfrau und SailGP-Strategin Anna Barth und ihre Vorschoterin Emma Kohlhoff in einem Boot sehr wohlfühlen: “Wir sind ziemlich ‘locked-in’, haben auch einfach zusammen Spaß, hier zu racen. Ich würde auf jeden Fall sagen, dass mich der SailGP auch im FX stark macht. Natürlich war es genial, dass wir vor der WM so ein gutes Event in Bermuda hatten. So kam ich mit Euphorie in Quiberon an. Emma hat die Vermessung gemacht – sie ist meine Heldin.”

Aufwärts ging es am vorvorletzten WM-Tag für die Olympia-Sechsten Marla Bergmann und Hanna Wille (Mühlenberger Segel-Club) , die sich nach einem 25. Platz mit den Rängen fünf und vier in der Goldflotte auf Platz fünf vorgearbeitet haben. “Wir hatten ziemlich veritable Bedingungen hier im WM-Revier, auf die wir uns aber schnell einstellen konnten. Das hat sehr geholfen”, zog Steuerfrau Marla Bergmann Zwischenbilanz.

Das WM-Finale der Skiffsegler steigt am 17. Mai

Maru Scheel und Freya Feilcke (Kieler Yacht-Club) greifen am zweiten Goldflottentag am Samstag von Position acht aus an. Die Olympia-Kaderseglerinnen Sophie Steinlein und Catherine Bartelheimer (Norddeutscher Regatta Verein/Segelclub Inning am Ammersee) werden es nicht bei Platz 19 belassen wollen. Samstagabend wird klar sein, welche deutschen Boote die WM-Medaillenfinals am 17. Mai erreichen konnten. Und: Von welchen Positionen aus sie wie stark nach WM-Edelmetall greifen können.

REPLAY! Die Goldflottenrennen der WM für 49er, 49erFX und Nacra 17 vom 15. Mai in der Wiederholung:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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