470er-Mixed-WMVizeweltmeister! Löffler/Hoerr holen Silber in Enoshima

Tatjana Pokorny

 · 17.08.2026

Die strahlenden WM-Silbermedaillengewinner Theresa Löffler und Christopher Hoerr nach den beiden finalen Medaillenrennen noch auf dem Wasser.
Foto: Junichi Hirai/2026 470 World Championship
Enoshima? Da war doch was? Genau: 2021 gewannen die Nationalsegler im japanischen Olympia-Revier drei Medaillen in dreieinhalb Stunden. Bei der 470er-Mixed-WM in der Sagami-Bucht hat es eine DSV-Crew jetzt wieder getan…

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Die Sagami-Bucht von Enoshima war schon öfter ein gutes Pflaster für deutsche Olympiasegler. Unvergessen bleibt Willy Kuhweides olympische Goldmedaille im Finn Dinghy von 1964. Auch bei der zweiten olympischen Regatta 2021 ließen es die Nationalsegler krachen. Tina Lutz/Susann Beucke (470er), Erik Kosegarten-Heil/Thomas Plößel (49er) und Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer (Nacra 17) gewannen binnen dreieinhalb Stunden mit Silber und zweimal Bronze drei ​Medaillen.

470er-Mixed-WM: Löffler und Hoerr machen im Finale noch zwei Plätze gut

Jetzt standen bei der 470er-Mixed-Weltmeisterschaft mit Theresa Löffler und Christopher Hoerr wieder zwei Nationalsegler bei einem Saisongipfel auf dem Siegerpodest im Olympiahafen von Enoshima. In packenden zwei Medaillenrennen der 470er-Mixed-WM hatte sich das süddeutsche Duo mit den Rängen 4 und 2 noch auf den Silberrang katapultiert. Für das Duo vom Deutschen Touring Yacht-Club und dem Segelclub Breitbrunn Chiemsee ist es der bislang größte Erfolg ihrer Karriere, auch wenn sie schon einige Jahre regelmäßig in den Top Ten ihrer Disziplin zu finden sind.

„Wir waren nicht die Gejagten, sondern in der guten Ausgangsposition der Jäger. Das hat uns heute geholfen“, beschrieb Theresa Löffler das günstige Szenario im Showdown. Dann spielte das DSV-Duo in den beiden Medaillenrennen am Montag noch einmal sein Speedvermögen und die gewinnbringende Arbeitsweise im Team aus, in dem sie die angriffsforschere und auch etwas emotionalere ist, er eher der ausgleichende Ruhepol. In dieser Kombination hatten sie es in der WM-Woche unter schwierigsten Umständen schon weit gebracht.

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Die 470er-Mixed-WM war von stark drehenden, unbeständigen und schwer vorhersehbaren Winden geprägt. Dafür hatte vor der 470er-Mixed-WM auch ein Taifun gesorgt, der nördlich von Tokio tobte. Mit den diffusen Bedingungen in der Sagami-Bucht kamen im DSV-Team die 26 Jahre alte Theresa Löffler und ihr zwei Jahre älterer Vorschoter im Kampf um die Medaillen am besten zurecht. Sie konnten im Finale noch zwei Teams abfangen. Neue Weltmeister wurden die Briten Martin Wrigley und Bettine Harris. Löffler/Hoerr aber konnten die starken spanischen Titelverteidiger Jordi Xammar und Marta Cardona mit ihrer Kampfleistung nochpunktgleich auf den Bronzerang verweisen.

Wie Löffler/Hoerr die kaum vorhersehbaren Winde bändigten

„Das ist sicher der größte Erfolg in unserer Karriere. Wir alle wissen, dass bei Olympia in zwei Jahren die Medaillen zählen. Deswegen ist es eine gute Bestätigung auf unserem Weg“, zog Theresa Löffler Bilanz. Mit ihrem 1,95 Meter großen Vorschoter Christopher Hoerr zählte sie schon 2019 zu den ersten, die eine Crew in der neuen Disziplin 470er-Mixed formiert hatten, die 2024 in der Bucht von Marseille ihre Olympia-Premiere erlebte.

Zu den wichtigsten Trümpfen von Löffler/Hoerr zählte im Kampf um die WM-Medaillen ihre Nervenstärke. Schon im Verlauf der für die gesamte Flotte der 74 Boote aus 28 Nationen enorm fordernden WM-Woche hatte auch Theresa Löffler erklärt: „Es dreht hier sehr. Es ist stark böig. In der Regel kann man nur sehr schwer vorhersehen, was als Nächstes passiert.“ Das Rezept ihrer Crew: „Möglichst ruhig bleiben, auf Chancen warten und die dann nutzen.“

​Wir haben vor der WM gesagt, dass ein Medaillengewinn für das Team keine Überraschung wäre, weil sie über den nötigen Speed und das Können verfügen, eine solche Leistung zu bringen.“ Steve Lovegrove

Die Chancenauswertung gelang der für den Deutschen Touring Yacht-Club und den Segelclub Breitbrunn Chiemsee startenden Crew auch laut Trainer Steve Lovegrove bei der 470er-Mixed-WM formidabel: „Sie haben in einer wirklich harten Rennwoche bei der Hitze in Japan einen kühlen Kopf bewahrt, konnten unter Hochdruck ihre beste Leistung abrufen.” Temperaturen jenseits der 30 Grad hatten die WM-Crews zusätzlich gefordert.

Verdientes WM-Silber nach mehr als sieben Jahren in einem Boot

Auch DSV-Cheftrainer Dom Tidey, gerade erst vom intensiven sechswöchigen Trainings- und Regattacamp im Olympiarevier von LA28 zurückgekehrt, schickte Glückwünsche und sagte: „Ich freue mich riesig für Theresa und Christopher. Sie haben schon seit einiger Zeit bei großen Wettkämpfen an der Spitze mitgemischt. Jetzt ist es ein ganz besonderer Moment zu sehen, wie sie bei einer Weltmeisterschaft die Silbermedaille gewinnen. Und das absolut verdient!”

Zurück an Land, wurden Theresa Löffler und Christopher Hoerr nach ihrem Erfolg vom der gesamten 470er-Gruppe des German Sailing Team im Hafen von Enoshima stürmisch empfangen und gefeiert. „Es hat uns sehr berührt, wie sich alle für uns gefreut haben“, sagte Theresa Löffler. Die herzliche Freude hat den neuen Vizeweltmeistern auch deshalb Gänsehaut beschert, weil die Welttitelkämpfen für ihre Teamkameraden weit weniger gut gelaufen waren.

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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