470er-Mixed-WM“Gut rangearbeitet” – Medaillenchance für Löffler/Hoerr

Tatjana Pokorny

 · 16.08.2026

Theresa Löffler und Christopher Hoerr starten am 17. August als Vierte mit Medaillenchancen ins Finale der 470er-Mixed-WM in Enoshima.
Foto: Junichi Hirai/2026 470 World Championship
Bei der 470er-Mixed-WM im Ex-Olympiarevier von Enoshima lief es für die Mehrheit der sonst so starken Nationalsegler nicht nach Plan. Nur eines der vier starken deutschen Duos vom German Sailing Team kam in hochkomplizierten Bedingungen durch. Theresa Löffler und Christopher Hoerr kämpfen am Montag in Japan um eine WM-Medaille.

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Bei der 470er-Mixed-WM ist vieles anders als sonst. Es beginnt schon damit, dass das Medaillenfinale an einem Montag (17. August) ausgetragen wird. Vor allem aber waren es in dieser Woche die so komplizierten und kaum vorhersehbaren leichten Winde, die mehr als eine Crew vom German Sailing Team und auch andere Top-Akteure immer wieder vom üblichen Erfolgskurs abgebracht hat. Ein deutsches Duo aber kam durch: Theresa Löffler und Christopher Hoerr (Deutscher Touring Yacht-Club/Segelclub Breitbrunn Chiemsee) ziehen als Vierte in die beiden kurzen Medaillenfinalläufe zu Wochenbeginn ein und kämpfen um WM-Edelmetall.

470er-Mixed-WM: Ernüchterung statt Eroberung im Ex-Olympiarevier

Für alle anderen Crews der Segelnationalmannschaft ging die 470er-Mixed-WM nach fünf Qualifikationsläufen und sechs Wettfahrten in der Hauptrunde an diesem Sonntag mit Enttäuschungen zu Ende. Malte Winkel und Bente Batzing (Norddeutscher Regatta Verein/Schweriner Yacht-Club/Schweriner Segler-Verein) waren auf Platz 17 zwar zweitbestes deutsches Duo im ehemaligen Olympiarevier von Enoshima, wo Schwarz-Rot-Gold 2021 drei Olympiamedaillen gewinnen konnte, verpassten aber das Ziel der Finalteilnahme deutlich.

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Malte Winkel beschrieb, womit alle zu kämpfen hatten: “Die WM hatte auf jeden Fall durchweg schwierige Bedingungen. Der Wind war extrem unvorhersehbar, was allen zu schaffen machte. Das sieht man auch gut an den Ergebnissen der letzten zwei Tage. Ich denke, wir haben uns als Team gerade heute nicht viel vorzuwerfen. Wir haben in jedem Rennen leider den Gamble für die erste Kreuz verloren. Trotz teilweise sehr guter Starts waren wir damit in jedem Rennen an der ersten Kreuztonne unter den letzten zehn Booten. Daraus haben wir heute dann noch echt viel gemacht.”

Die Antwort von Winkel/Batzing auf den immerwährenden Kampf bei ihrer ersten großen gemeinsamen Regatta: “Wir haben den Kopf nie hängen lassen und uns Boot für Boot wieder nach vorne gekämpft. Natürlich ist in so einem großen und stark besetzen Feld dann nicht mehr so viel zu holen. Für den Einzug ins Medal Race ist das natürlich zu wenig. Aber mit diesem Mindset ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Erfolg sich einstellt!”

470er-Mixed-WM: herber Rückschlag auf Kurs LA28

Das Winkel-Fazit: “Wir sind über die Regatta als Team weiter gewachsen. Ich möchte aber auch ehrlich sein: Für mich überwiegt gerade einfach die Enttäuschung, hier nicht das angestrebte Ziel des Einzugs ins Medal Race erreicht zu haben. Wir hatten uns viel vorgenommen und gerade im Hinblick auf eine optimale Vorbereitung für das anstehende Jahr mit der Olympiaqualifikation ist es natürlich ein herber Rückschlag, das Kaderkriterium erneut verpasst zu haben. Wir werden uns jetzt erst einmal eine Auszeit nehmen und unsere weiteren Möglichkeiten im Hinblick auf Finanzierung und mögliche Trainingsgruppen ausloten.”

Auch die noch amtierenden Vizeweltmeister Simon Diesch und Anna Markfort (Württembergischer Yacht-Club/Verein Seglerhaus am Wannsee/Joersfelder Segel-Club) beenden die Welttitelkämpfe enttäuscht. Sie wollten kurz nach der Silbermedaille beim ersten großen Test im kommenden Olympiarevier von LA28 auch bei der 470er-Mixed-WM aufs Treppchen, sind nach Erfolgen in Serie zurecht mit diesem Anspruch nach Enoshima gereist. Nun mussten die Welttitelkämpfe auf Platz 21 beenden – für die Erfolgsgaranten eine schwere Enttäuschung.

Simon sagt, wir halten das wie Oli Kahn: Wenn es scheiße läuft, dann läuft’s scheiße.” Anna Markfort

Anna Markfort sagte am Sonntag in Enoshima: “Um ehrlich zu sein haben wir noch keine klare Antwort. Wir wissen, dass wir die Skills haben. Wir wissen, dass wir vorne mitfahren können und dort hingehören. Aber diesmal haben wir es nicht auf den Kurs bringen können. Wir haben mit den Bedingungen gekämpft und zu häufig die falschen Entscheidungen getroffen. Das Ergebnis tut verdammt weh und wir sind alles andere als zufrieden damit. Natürlich sind da auch ein paar Tränen geflossen und eventuell gab es als Aufmunterung ein Eis im Bett, aber das darf und muss auch sein.”

Die schwere Suche nach der Erfolgsspur im Leichtwind-Poker von Enoshima

Anna Markfort ist überzeugt: “Bei allem, was wir in den Sport und unsere Entwicklung investieren gehören Emotionen dazu. Schöne, wie auch nicht so schöne. Ich denke wir, können insofern stolz auf uns sein, dass wir uns als Team nicht verloren haben. Wir freuen uns jetzt beide auf ein bisschen Zeit zu Hause mit unseren Liebsten und werden dann im September in Los Angeles wieder ein bisschen Soul-Segeln. Morgen heißt es aber noch einmal Daumen drücken für Thesi und Christo. Die beiden sind hier bisher stark gesegelt.”

Theres Dahnke und Paco Melzer (Plauer Wassersportverein/Verein Seglerhaus am Wannsee/Yachtclub Berlin-Grünau), gerade erst starke Fünfte im Weltklassfeld der ersten großen Testregatta im kommenden Olympiarevier von LA28, schlossen die WM-Woche als 31. ab. Auch sie hatten sich ein ganz anderes Ergebnis gewünscht. Für alle deutschen Top-Crews bis auf Löffler/Hoerr bringen die Ergebnisse auch mit Blick auf die Kadermitgliedschaft im kommenden Jahr hohe Hürden.

Die Mehrheit der deutschen Top-Teams hat bei der 470er-Mixed-WM kein gewinnbringendes Rezept gefunden, den teilweise arg leichten, oftmals stark drehenden und auch immer wieder böigen Bedingungen zu begegnen, für die nach zuvor verlässlicheren Trainingsbedingungen ein Taifun der WM-Woche hinterlassen hatte. Sogar Theresa Löffler und Christopher Hoerr – nach der Vorrunde Zehnte und mit der Serie 15, 12, 4, 9 und einem Tagessieg in der Hauptrunde noch auf Platz vier vorgefahren, wussten von der Suche nach Erfolgsspuren im launischen japanischen Revier ein Lied zu singen.

Die Bedingungen sind ziemlich herausfordernd.” Theresa Löffler

Auch am letzten Hauptrundentag gab es noch einmal schwere Aufgaben für alle zu lösen. Steuerfrau Theresa Löffler, deren Crew unter dem Strich zu den besten Sonntagsduos zählte, berichtete davon: “Es waren wieder ablandige Winde. Es hat sehr gedreht und war böig. In der Regel konnte man nur schwer vorhersehen was als Nächstes passiert.” Das Vorhaben der beiden Perspektivkadersegler im German Sailing Team bestand deshalb, so Theresa Löffler, daraus, “möglichst ruhig zu bleiben, auf Chancen zu warten und diese zu nutzen”.

Löffler/Hoerr: mit Top-Start zum Sieg im letzten Hauptrundenrennen

Das gelang im Endspurt dieser 470er-Mixed-WM mit großer Wirkung. Zu den Rennverläufen fürs eigene Team sagte Theresa Löffler: “Wir hatten in den ersten beiden Rennen schlechte Starts und dann etwas Schwierigkeiten uns einzufinden. Aber gerade auf den Vorwinden und den zweiten Kreuzen haben wir uns wieder gut rangearbeitet. Im letzten Rennen hatten wir final einen guten Start und konnten somit frei entscheiden. Da hatten wir auch die richtigen Riecher. Im Laufe des letzten Rennen haben wir uns dann noch aus dem Führungspulk an die Spitze gearbeitet.”

Zwei kurze Rennen bleiben Theresa Löffler und Christopher Hoerr am Montag bei der 470er-Mixed-WM für den finalen Angriff. Als Vierte haben sie ihre Medaillenchancen gewahrt, gehen als Jäger in die Entscheidung. Angeführt wird das Klassement von den in dieser Saison sehr starken Briten Martin Wrigley und Bettine Harris, die auch gerade in Los Angeles mit Diesch/Markfort um den Testregattasieg gerungen und gewonnen hatten. Als Zweite ziehen die noch amtierenden spanischen Weltmeister Jordi Xammar/Marta Cardona in die beiden Medaillenfinalrennen am Montag ein, als Dritte die Japaner Tetsuya Isozaki und Yurie Seki.

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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