Die Bilder von der 470er-Mixed-WM im japanischen Revier von Enoshima erinnern an glanzvolle Zeiten. 2021 hatten die Nationalsegler hier am “Gigantentag” binnen dreineinhalb Stunden drei Olympiamedaillen gewonnen: Tina Lutz/Susann Beucke holten damals Silber im 49erFX. Erik Kosegarten-Heil/Thomas Plößel und Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer gewannen Bronze im 49er und im Nacra 17. Der olympische Segelsport war hierzulande in aller Munde.
Aktuell wird im gleichen Revier die 470er-Mixed-WM ausgetragen. Vier deutsche Duos sind in der imposanten Flotte der 74 Boote aus 28 Nationen im Einsatz: zwei Steuerfrauen mit ihren Vorschotern, zwei Steuermänner mit Vorschoterinnen. Die Welttitelkämpfte hatten am Mittwoch mit einem Totalausfall in flauen Winden einen Fehlstart erlebt. Danach lief die Qualifikation mit fünf Rennen über zwei Tage in schwierigen und drehenden Leichtwindbedingungen durch.
Es sind die spanischen Titelverteidiger Jordi Xammar und Marta Cardona, die das Feld nach der abgeschlossenen Qualifikationsrunde der 470er-Mixed-WM am Samstag als Spitzenreiter in die Hauptrunde führen. Als starke Zweite ziehen Malte WInkel und Bente Batzing (Norddeutscher Regatta Verein, Schweriner Yacht-Club/Schweriner Segler-Verein) in die nächste Runde ein. Als Sechste qualifizierten sich Theres Dahnke und Paco Melzer (Plauer Wassersportverein/Verein Seglerhaus am Wannsee/Yachtclub Berlin-Grünau).
Auch Theresa Löffler und Christopher Hoerr (Deutscher Touring Yacht-Club/Segelclub Breitbrunn Chiemsee) konnten sich als Zehnte nach den ersten beiden Segeltagen der 470er-Mixed-WM in den Top Ten platzieren. Mehr zu kämpfen haben bislang die beiden Powerplay-Teams der gerade noch so erfolgreich bestrittenen ersten großen Testregatta im kommenden Olympia-Revier von LA28. Die britischen Testregatta-Sieger Martin Wrigley/Bettine Harris mussten sich bei der 470er-Mixed-WM zunächst auf Platz zwölf einreihen.
Härter noch hat es die amtierenden Vizeweltmeister Simon Diesch und Anna Markfort (Württembergischer Yacht-Club/Verein Seglerhaus am Wannsee/Joersfelder Segel-Club) getroffen, die als 22. in die Hauptrunde der 470er-Mixed-WM starten. Weil die Vorrundenergebnisse aber zu einem Resultat im Gewicht eines Rennens zusammengefasst werden, das allerdings nicht gestrichen werden darf, heißt es ab Samstag: neues Spiel für alle.
Wenig jedoch soll sich nach Einschätzung der Segler vor Ort die fordernden Leichtwindbedingungen ändern. Malte Winkel erklärt, wie sich die aktuellen Wetterbedingungen im Ex-Olympiarevier von Enoshima vor und bei der 470er-Mixed-WM ergeben haben: “Wir hatten eine sehr gute Trainingswoche mit typischen Bedingungen hier: Thermik und etwas stärkeren ablandigen Wind. Dann ist pünktlich zur WM ein Taifun über Tokio – leicht nördlich von uns – hinweggefegt. Seitdem haben wir eher untypische Bedingungen.”
Im Detail sah das dann für Malte Winkel und die WM-Flotte so aus: “Am ersten Tag hatten wir fast gar keinen Wind und Regen. Es sind immer wieder Regenschauer über unseren Racekurse gezogen. Wir konnten kein Rennen segeln. Am zweiten WM-Tag hatten wir sehr unbeständigen Wind zwischen 12 und 14 Knoten, abnehmend auf 7 bis 10 Knoten. Heute dann eher 11 Knoten, abnehmend auf 6. Dazu immer wieder vereinzelte Schauern. Das sieht morgen sehr ähnlich aus. Insgesamt ist für die nächsten Tage eher weniger als viel Wind angesagt.”
Was Malte Winkel und Bente Batzing in diesen Bedingungen stark gemacht hat und wie sie am Donnerstag im Weltklassefeld einen Tagessieg und einen zweiten Rang holen konnten? Malte Winkel sagte: “Ich denke, es ist vor allem eine gewisse Leichtigkeit. Die Bedingungen sind hier so undurchschaubar, dass man oft intuitiv Entscheidungen treffen muss. Wir genießen hier die Rennen und wenn mal eine falsche Entscheidung dabei ist – es sind eher mehrere – dann gilt es halt, die nächste Situation besser zu lösen.”
Aktuell nicht im Kader des German Sailing Teams, war es für Winkel/Batzing ein Kraftakt, die WM-Teilnahme zu stemmen. Entsprechend groß ist die Freude über das bislang Erreichte, das Malte Winkel und Bente Batzing genießen, aber zu diesem frühen Zeitpunkt bei der 470er-.Mixed-WM auch nicht überbewerten wollen.
Malte Winkel erklärte: “Allein hier in Japan zu sein mit einem neuen Boot, top Material, guten Trainingspartnern (Red.: mit Yves Mermod/Maja Siegenthaler das Schweizer Team, das nach dem ersten Renntag in Führung lag), einem Coach (Red.: Fredderik Fock, Trainer der Schweizer) ist für mich persönlich ein Riesengewinn. Wo es bei dieser WM noch für uns hin geht, das wird man sehen. Wir freuen uns über jedes Rennen, bei dem wir uns mit den Besten der Welt messen können.”
Natürlich tun wir alles dafür, noch ein paar Rennen vorne mitzusegeln.” Malte Winkel
Dieses Ziel haben auch Anna Markfort und Simon Diesch. Die Vorschoterin beschrieb die Herausforderungen bei der 470er-Mixed-WM aus ihrer Sicht: “Die Bedingungen hier in Japan sind ziemlich anspruchsvoll. Wir haben immer noch die Ausläufer des tropischen Sturms hier in der Bucht, der vor ein paar Tagen nördlich von Tokio auf Land getroffen ist. Das hat extrem viele Wassermassen mitgebracht. Und einen schwachen Gradientwind aus nördlicher Richtung. Dazu gibt es extrem viele Wolken und heftig viel Regen.”
Die Folgen daraus erlebt auch Anna Markfort als drastisch: “Das beeinträchtigt die sonst so schöne und starke Seebrise. Wir können aktuell nur relativ früh morgens segeln. Gestern hatten wir um 9.30 Uhr morgens den Start, heute um 10 Uhr. Als wir heute mit dem zweiten Rennen fertig waren, war der Wind komplett weg. Man sieht es auch gut beim Blick auf unsere blaue Gruppe. Acht Boote haben es nicht ins Ziel geschafft, weil der Wind einfach komplett gestorben ist. Das beschreibt die Bedingungen hier ganz gut: Es ist sehr leichtwindig mit sehr großen Drehern, die aber sehr schwer vorherzusagen sind.”
Zu den Auswirkungen auf dem Kurs für ihre Crew erzählte Anna Markfort: “Die Prioritäten verschieben sich auf dem Racekurs immer wieder. In dem einen oder anderen Moment waren Simon und ich einfach zu langsam, beziehungsweise, haben die falschen Prioritäten gesetzt. Zumindestens heute. Gestern hatten wir ein deutlich besseres Gefühl, waren auch im dritten Rennen vorne mit dabei, bis uns dann beim Halbwindsetzen der Spi gerissen ist.” Weil die Gruppe von Diesch/Markfort den Outerloop gefahren ist, so Anna Markfort, “mussten wir dann den einen Halbwinder und nochmal zwei Vorwinder mit dem gerissenen Spi segeln”.
Für die Vizeweltmeister kommt der “Neustart” in die Hauptrunde zur rechten Zeit. Dazu sagte Anna Markfort bei der 470er-Mixed-WM im ehemaligen Olympiahafen: “Viel aus der Vergangenheit kann man bei den Bedingungen hier nicht lernen. Es geht jetzt eher darum, nach vorne zu schauen. Wir starten mit 22 nicht streibaren Punkten, arbeiten uns dann nach vorne.”

Freie Reporterin Sport
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